Feinde zugezogen. Er war redlich, pochte darauf und gab trotzige Antworten. Man begegnete ihm hart und verächtlich. – Zornmütig, wie er war, konnte er das nicht ertragen. Sein Blut, seine Galle schäumten und kochten auf einmal so, dass er nicht zu retten war und schnell starb. – Nun konnte Niemand in seiner Familie Auskunft geben. Sein Gut und alles kostbare Hausgerät verfiel der fürstlichen kammer. Mein Bruder blieb bei seiner Secretairstelle, und meine Mutter bekam einen Gehalt. – Aber wie mir war, können Sie denken! – Sie zog zu einer meiner Schwestern, die nicht weit von hier wohnte. Den ganzen Winter sah ich sie nicht und wusste nichts von meinem Mann. Im März zog ich auf ein Dorf, das mich meiner Mutter näherte, wo sie manchmal hinging, mich zu sehen. Mein Schwager ist von Adel, der hätte mich niemals zu sich gelassen. Meine Schwester hatte Mühe, ihn leutselig gegen meine Mutter zu erhalten. – Es kam ein schöner Apriltag. Meine Mutter war bei mir gewesen; ich begleitete sie zurück. Ihre Magd ging immer eine Strekke voraus, dass wir allein reden konnten. Sie musste, ohrweit eines Wäldchens, einen umzäunten Acker vorbei. Wir sahen einen Menschen aus dem Wäldchen kommen, still stehen, gegen uns schauen, stark zulaufen, und wieder inne halten; – endlich die hände zusammenschlagen, auf seine Knie fallen und was rufen, so wir nicht verstanden. Sein ganzes Ansehen und Bezeigen rührte uns. Wir blieben auch stehen. – 'Charlotte! sagte meine Mutter, er bettelt. Vielleicht ist er schon weit gegangen und matt. Komm, wir wollen ihm was geben, wenn es schon nicht viel ist. Mein Gott, ich kann nicht mehr viel geben.'
Wir gingen an der Hecke hin gegen ihn. O, denken Sie, wie uns wurde, als wir ihn die arme ausstrecken sahen, und Carln erkannten, ihn 'Charlotte! Mutter meiner Charlotte!' rufen hörten. Ach, wir erschraken so, dass wir vor Zittern nicht gehen konnten. Aber er sank um. Ich fühlte da nichts, als alle meine Liebe und lief zu ihm. Es war Carl. Aber, wie elend! ewiger Gott, wie elend! Er erholte sich an meine Brust gelehnt; denn ich hatte nichts, ihn zu laben, als meine Tränen, die über ihn flossen. Denn wo hätten meine Mutter und ich, in unserer Armut und Erniedrigung die wohlriechenden Wasserfläschgen hergenommen? Meine Mutter kam zu uns – und weinte auch. Was konnten wir anders! – Es wurde dunkel; meine Mutter musste zurück. Carl sagte uns nur kurz, dass er gleich nach der Trauung, anstatt zu meinem Vater begleitet zu werden, Werbern übergeben, gebunden und geknebelt weggeführt und als ein Missetäter behandelt worden; – dass er lange krank gewesen, bald auf Karren weggeführt, bald, so viel er konnte, mitmarschirt wäre; sich endlich erholt und nur an mich gedacht hätte, weil er nach der Grausamkeit, die man an ihm ausgeübt, immer die Angst im Herzen getragen, was doch aus mir geworden sein möge, wenn ich beim Leben geblieben und in die Gewalt meines Vaters gekommen sei. –– Meine Mutter hörte das Rufen ihrer Magd und befahl mir nach Haus zu gehen. Carl bat um erlaubnis, mich ein Stück weges zu begleiten: Sie ging auch noch eine Weile mit, bis an den lezten Garten des Dorfs, wo Sie uns verliess, aus Furcht, er oder sie möchten verraten werden. Sie rief Gott um seinen Schutz für uns an, und ging mit Jammer weg, nachdem Sie mich schluchzend geküsst und an sich gedruckt hatte. Stumm sahen wir ihr nach, und Carl hielt meine Hand stark; oft zuckte sie, am stärksten aber, da meine Mutter um die Ecke der Hecke weg war, und wir uns in der ganzen Gegend allein fanden. Keine Seele, kein Vogel, kein Blätchen bewegte sich. Wir sprachen nichts und ich sah zur Erde. – Mein Mann fasste meine beiden hände, blickte mich starr an und sagte: 'Sehen Sie, Charlotte! sehen Sie, was Menschen tun, mit denen wir nur in einiger Verwandtschaft sind. Ihre Mutter, das einzige Wesen, so uns liebt und bedauert, – die darf nicht bei uns bleiben; – darf uns nicht trösten, nicht schützen!' ––
Er sprach dies heftig, liess meine hände gehen, rang die seinigen mit stillem Schmerz. Ich zerfloss in Tränen, wusste aber nicht, was ich tun, was ich sagen wollte. Aber ich war gern bei Carln, das fühlte ich. – Der Mond kam hinter dem Berg hervor und beleuchtete meine ganze Gestalt. Mein Mann betrachtete mich still, wandte sich gegen den Mond und rief aus: 'O, – du!' – sah wieder auf mich, weinte nachdem schweigend; fasste sich, nahm sanft eine meiner hände in seine, druckte sie gegen sein Herzküsste sie, weinte wieder etwas, aber dann sagte er:
'Charlotte! ach lassen Sie mich Sie, diesen Augenblick nur, meine Charlotte nennen. Meine Charlotte! ich bin froh, dass ich hier von allen Menschen nur Sie sehe – und nicht einmal ein Haus, das mir wohnung und Leben andrer Menschen anzeigt. Sie sind mir verhasst, ich will auch bei keinem mehr leben, ich will nicht! Sagen Sie mir,