der hoffnung der väterlichen Verzeihung und mit all ihrer Zärtlichkeit an mein Bett, das ich als mein Sterbbett ansah. Mein Bruder, der harte Mensch, kam auch, und eröfnete mir den Willen meines Vaters, dass ich mich mit Carln sollte trauen lassen es möge zum Leben oder zum tod mit mir geben. Wäre das erstere, so solle er gleich zu seinem Vater, und durch den sein Glück versuchen; – wäre ich tot, so käm ich doch als ehrliche Frau unter die Erde und schimpfte seinen Namen nicht mehr, unter dem er mit nicht lebend und nicht tot wissen wollte. – Ich weigerte mich, so viel ich vor Schwachheit konnte. Der Zweifel in meine Ehre brach mir das Herz. Meine Mutter zerfloss in Tränen und sie und der Pfarrer redten mir zu, weil sie dachten, es wäre der erste Grad der Erweichung meines Vaters, weil er auch den Trauschein aufgesetzt hatte, worinn er Carln einen Titel gab – und forderte, wenn ich stürbe, sollte ich mit diesem Titel, ins Todtenregister geschrieben werden. –– Mein Bruder ging zu Carln versicherte diesen der Versöhnung, aber dass mein Vater meine Ehre durch die Trauung hergestellt haben wollte. Meinen Tod glaubte er sicher, und sagte Carln, ich wünschte selbst, diesen Trost mit mir zu nehmen, meinem Vater noch zu gehorchen; – und was er noch alles vorbrachte um ihn zu betören. Er kam Abends um neun Uhr mit ihm, recht gut angekleidet in das Zimmer, wo ich im ärgsten Leiden lag und unvermögend war, zu reden und zu denken. Carl warf sich auf seine Knie vor meiner Mutter, konnte auch nichts sagen, als Gott zum Zeugen anrufen, dass sein Herz unschuldig sei und er sein Leben tausendfach hingeben wollte, um ihren und meinen Jammer zu stillen. – Mein Bruder beschleunigte die Trauung. – Mein Carl und ich waren beide mehr tot, als lebendig. Ich musste beinah von nichts und erkannte ihn kaum. – Als die Trauung vorbei und in das Kirchenbuch eingeschrieben war, führte mein Bruder den Pfarrer, meine Matter und Carln meinem Vater zu, um diesen nun völlig zu besänftigen. Aber der Pfarrer und meine Mutter wurden betrogen. Sie sahen meinen armen Carl nicht mehr, mit dem mein Bruder in einer Kalesche vorausfuhr." –
"Ich kam langsam vom grab zurück, war schwach an Geist und leib. Mein Kostgeld wurde bezahlt. Man nennte mich Madame Carln. – Anfangs staunte ich darüber – und dann, als ich es ganz wusste, fehlte wenig, so wäre ich über die Gewissheit des Todes gewesen. – Ich wusste und hörte nichts von meinem mann. – Mein Vater wollte mich nicht sehen; meine Mutter durfte nicht, meine verheirateten Schwestern und mein Bruder wollten es nicht. Ach! meine blühenden, unverdorbnen Jugendkräfte dienten mir nur, mein unabsehliches Unglück in allen Teilen zu fühlen. Ich blieb leben! – ich lebe noch!" ––
O! Rosalia! mit was für einem Ton, mit was für einem Ausdruck von Schmerz der Seele sagte sie dieses! – Gott müsse mich elend machen, wenn ich nicht die gelegenheit treu und edel gebrauche, Balsam in diese verwundete Seele zu giessen. Er führte mich her, er gab mir dies fühlende Herz, – er gab mir Glücksgüter. – O, er wird, – er wird mein Vorhaben segnen! ––
Ich fasste sie in meine arme – druckte sie an mein Herz: "Charlotte! sehen Sie den weiten, offnen Himmel über uns; –– so offen, so rein ist mein Herz vor Gott, der uns beide sieht. Er wird uns segnen, mein Kind. Er wird mein Vermögen heiligen durch den Gebrauch, den ich davon machen werde. Das Maass Ihres Leidens war voll. – Er wird das Maass Ihres Trostes auch überfliessen lassen. Er liess zu, dass Menschen Sie quälten. Er führte mich her, um mein Glück, meine Freude in ihrem Wohl zu finden. Ich bin frei, unabhängig; ich will bei Ihnen als Schwester, Mutter und treue Freundinn leben und sterben. – Nichts, – nichts soll mich abwendig machen." ––
Sie sank zurück! – "Gott! ewiger Gott!" – war, was sie stammlen konnte. – Ich benetzte sie mit Tränen und hielt sie an mich. Lange waren wir still. Dann küsste sie mich: "Engel, – Mutter!" – sah mich an, – faltete ihre hände. – "Vater, Bruder, stiessen mich hieher; und Sie Fremde fassen mich in ihre arme! – O, wenn ich nach diesem Augenblick sie verlieren sollte, das überlebte ich nicht!" – – Hier erhob sie ihre hände und betete leise; aber ihre Mine, das Anspannen ihrer arme ängstigte mich, bis sie wieder weinte. – Dann war ich ruhig. Ich wollte sie nicht weiter erzählen lassen; aber ich bemerkte dass ihr daran lag, mir das ganze Gemählde ihres erlittenen Elends darzustellen und hörte ihr vollends zu. ––
Ihr Vater war eilends mit ihrem Bruder nach der Stadt gegangen, da schickte ihre Mutter ihr Weisszeug, Betten, Kleidungsstücke und eine Küste Hausgerät an Zinn, Kupfer, sechs silberne Löffel und zwei Ringe die hundert Gulden wert sein mochten. – Das war alles, was noch vor dem Schiffbruch meines Vaters für mich erhalten wurde. Er bekam eine Untersuchung; es fehlte was in den Kabinetsrechnungen. Sein Stolz hatte ihm