waren die Liebkosungen, die sie mir machten. – Was soll mir das geteilte, das zerstückte Herz des Vaters? – Nein, ich will nichts mehr von ihm. – Sei glücklich! – Sei es! – Aber ich will von nun an unabhängig von dir sein! – Ich höre Sie sagen: 'Wie lange'? – Kommen Sie und hören nun den Rest der geschichte meiner Lieblinge. ––
Frau Wolling kam zurück, und sah sehr innig mich an. – 'Sind Sie mit meinem Carl zufrieden?' ––
'Ja meine Charlotte – und mit Ihnen auch.' – –
'Sagen Sie, entschuldigen Sie mein Herz, dass ich der Zärtlichkeit des seinigen nicht widerderstehen konnte? und mir nach Durchlesung seines Papieres sagte: Nein, du Edler, nein, niemals sollst du mich mit einem andern Mann verbunden sehen!' ––
ch wollte ledig bleiben und auf, ich weiss nicht was, warten, aber nicht weiter in den Ausdrücken meiner Zärtlichkeit gehen, als bisher. drei Wochen dauerte diess Bündniss mit mir selbst und Carln, dem ich nur für sein Papier dankte und ihn meiner wahren, ewigen Hochachtung versicherte. – Ich begegnete aber deswegen dem Herrn von Talbruk sehr kaltsinnig, als er zu uns kam; und da dieser Mensch niemals eine wahre Liebe zu mir getragen, sondern mich nur wegen des Ansehens meines Vaters gesucht hatte: so wurde er durch meine Abneigung nicht betrübt, sandern erbosst, schlug sich auf die Seite der Feinde meines Vaters, und blieb also weg. – Mein Bruder ging in die Stadt, besuchte ihn, und fragte warum er so lange nicht bei uns gewesen sei? – Da sprach er von dem Widerwillen, den er bei mir gegen sich bemerkt hätte, – und dass er glaube, mein Herz sei von sonst jemand eingenommen; stellte sich sehr traurig darüber – und sagte, er hätte sich bloss aus Verzweiflung, und ob ich nicht vielleicht eifersüchtig würde, an die Mademoiselle Nidern gewandt. – Dies war die Tochter des ärgsten Feindes von meinem Vater – und der, als Wittwer, gerade zu dieser Zeit um die Schwester der Maitresse des Fürsten freite, und dadurch eine Unterstützung fand, die meinem Vater den Untergang zuzog. –– Meinem Bruder wurden nur kleine Winke davon gegeben. Er kam damit nach haus. Diese Unruhe in dem Gemüte meines Vaters und die irrige Vermutung, dass, wenn ich Talbruken geliebt hätte, dies alles nicht geschehen wäre, erregte seinen Zorn auf die heftigste Art; – und ach! fuhr sie mit Tränen fort, dies war der Anfang meines Elends. Man wusste von keinem Umgange, den ich mit irgend einem Menschen hätte. Sie dachten also, es müsste eine Verwicklung sein, die in Briefen geführt würde und nahmen sich vor, mein Zimmer durchzusuchen. – Es war ein Feiertag, wo wir viele Besuche gehabt hatten. Als sie weg waren, sagte mein Vater ganz freundlich: Lottchen, kleide dich in dein Nachtzeug; du musst von Putz und Complimenten ganz müde sein; und komm in das grosse Gartenhaus zu mir. –
Ich tat es, und kam ganz leicht gekleidet, hatte aber meine Säcke mit den Papieren des armen Carls, in meinem Bette versteckt; ob ich schon weit entfernt war, zu denken, dass man mir deswegen geheisen hatte mich um zu kleiden, um sich meiner Schubsäcke zu bemächtigen. Während ich bei meinem Vater war, wühlte mein Bruder alles um und fand endlich die verschiedene Papiere von Carln. Damit lief er voll Wut in das Gartenbaus, und sagte, hier habe er die Beweise meiner Niederträchtigkeit, dass ich mich an den elenden Gärtnerpurschen gebängt und deswegen die grosse Heirat mit Talbruken, ausgeschlagen, und meinem Vater eine Feindschaft zugezogen hätte. – Ich erschrak zum tod, diese Papiere in seinen Händen zu sehen und wollte weg eilen. Aber mein Vater fasste mich bei einer Hand und hielt mich, während er mit der andern nach dem Packerchen reichte und einige Blätter mit Wut durchlas, mir und Carln die hässlichsten Schimpfnahmen gab und endlich meinem Bruder befahl ihn herzurufen. – Ach Gott! er kam freudig und schnell seinem Leiden entgegen. Denn kaum war er im Saal als mein Bruder die Tür abschloss und er ausgefragt wurde. Da erzehlte er wieder, was er mir geschrieben, wurde aber als Lügner und Verführer behandelt; Und o, mein Gott! ich musste ihn schlagen sehen! Ich sprang auf, um meinen Bruder in die arme zu fallen, gegen den Carl sich auch wehrte. Aber mein Vater riss mich zurück und hielt mich fest, während er meinem Bruder zum Streit und Schlägen gegen den Bösewicht ermunterte. Endlich liess er aus Zorn mich los und eilte auch, Carln nieder zu werfen, der seinem Sohn zu stark war. Ich schrie da jämmerlich: 'O, Carl! o, mein Vater!' – Carl sagte zu mir: 'Charlotte, gegen Ihren Vater will ich keine Hand aufheben; aber ihren Bruder verschone ich nicht.'
Da fielen sie mit doppelter Raserei ihn an, und würden ihn erwürgt haben, wenn ich nicht meine Freiheit gebraucht hätte, die Tür gegen das Feld zu aufzumachen und Carln zu zurufen, er möchte fliehen. In der Tat suchte er nach der Tür zu kommen, und als er sie erreicht, hatte mein Vater die Grausamkeit, einen Stuhl nach ihm zu werfen der ihn die vier Stufen hinunter schlug. Ich weiss nicht, in welchem