. – 'Sei Er ruhig,' sagte ich; 'ich wurde gebeten, Ihm zu zureden.' ––
'Ich bin es überzeugt; – vergeben Sie mir meinen Widerspruch. Ich bin jetzt ein niedriger dienstbarer Mensch, – aber von gutem Herkommen. Tugend und Ehre sind mein Trost und meine Stütze. Ich werde sie niemals verletzen, und niemals davon abweichen. Ihre englische Güte hat mir hier mein Leben versüsst. Ich begehre von dem Schicksal nichts weiter, als Ihren Vorspruch der dem Herrn Vater und – dann und wann ein Wort von Ihrer Frau Mutter oder Ihnen. Gott sorgt für das Uebrige und wird Sie segnen.' ––
Nun reute und freute mich die Unterredung. Ich schwieg – und er sagte: 'Sie wollen dem Mädchen Gutes: Ihre edle Seele wird bald gelegenheit haben, ihr welches zu bezeigen. – Ich habe niemals mit ihr gesprochen, und werde es nicht tun; aber die Ursachen kann ich nicht sagen.' ––
Da ich immer schwieg sah er mich traurig an: 'Mein Gott, wenn ich Sie beleidigt hätte'!
'Nein, Carl! gewiss nicht. Er hat sich der Tugend und Ehre geweiht. Gott segne Ihn dabei; Was ich Ihm Gutes in unserm haus tun kann, will ich gern. bleibe Er nur fleissig und rechtschaffen, wie bis jetzt.' –
Ich sah ihn weinend mich anblicken. Meine Augen tränten auch. Ich grüsste ihn und ging weg. Es freute mich innig, dass er von besserm stand war, als seine Gärtnerei mich vermuten liess; doch konnte und durfte ich nicht weiter darüber denken, sondern nahm mir vor, immer zurückhaltend zu bleiben, wie bisher. Ich schätzte ihn ungemein, aber viele Betrachtungen über die Pflichten meines Standes kämpften gegen meine Neigung, und ich redte in acht Wochen kein Wort mit ihm.
Mein Bruder war sehr misvergnügt über Carls Halsstarrigkeit und Stolz, wie er es nannte, und drohte ihm deswegen. – Kurz darauf aber wurde das Mädchen mit einem Förster verheirater. Der Sommer und Herbst gingen so recht gut hin. Carl blieb immer der vortreffliche Arbeiter und lebte eingezogen fort. Mein jüngerer Bruder kam von Pont à Mousson zurück, wo er leider nichts gelernt hatte und nur einen elenden jungen Petitmaitre vorstellte. – – Er hatte viel Aehnlichkeit mit mir – und Carl sagte mir seitdem, dass er ihn deswegen liebte und ihm suchte gefällig zu sein. Der junge Mensch liebte Carln, weil er Französisch sprach und einen schönen Geschmack zeigte. Mein älterer Bruder war über den Jüngern zu gebieterisch, und der Ort ziemlich einsam; so dass Carl die einzige Auswahl für den letzteren blieb, mit dem er Anfangs nur immer von Frankreich sprach, aber nach und nach sich an ihn heftete, alle Morgen und Abend bei ihm war und durch den Umgang meines Carls ein liebenswürdiger junger Mensch wurde. – Der Keim jedes Guten war in ihm, er brauchte nur gepflegt zu werden; und ach, dieses Verbessern meines mir liebsten Bruders machte mir Carln immer werter. – – Der Winter wurde wieder in der Stadt zugebracht – und die Zurüstungen zu meiner zweiten Schwester Hochzeit gemacht, – die sich aber bis in den Sommer verzögerte; wo dann mein Vater das fest auf seinem Gute halten wollte. – Mein jüngerer Bruder trat in Kriegsdienste, und es freute mich, da er noch im Winter abreiste, dass er seinen Weg über unser Gut nahm, um von Carln Abschied zu nehmen.
Mir sagte er noch: – Lottchen! der junge Talbruk wird sich um Dich melden. Der Vater hilft ihm zu einem angesehenen Amt. – Aber Du wirst unglücklich mit dem bösen Menschen werden. Ach! wenn mein Freund Carl wäre, was dieser ist; – wenn die elenden Vorurteile ihm nicht entgegen stünden: wie glücklich wäre meine Schwester mit ihm! – –
Talbruk kam auch in unser Haus und war sehr galant um mich herum, ich höflich, aber sehr kalt. Dennoch wurde er mit den übrigen Brautleuten auf unser Gut geführt. Mein Vater hatte Carls Nachricht von seinem Vorhaben gegeben – und wir fanden Alles wie einen Pallast der Feen geputzt. Die Trauung und das fest war den Tag nach unsrer Ankunft und unser Saal glich dem Tempel der Flora. Die Wände waren blassrot angestrichen, Blumengewinde darauf angebracht; der Name der Braut und des Bräutigams in Rosen, Mirten und weissen Violen geflochten. Die Fenster ausgehoben, grosse Rahmen mit Flor an ihrer Statt darin, die mit Blumen verziert waren. Blumengewinde hingen über der Tafel – und der Garten, alles war mit unsäglicher Mühe verschönert. Carl fragte mich: 'Sind Sie zufrieden'? – Mit Allem, – ausser Seiner blassen Mine. – Er neigte sich nur, ganz traurig.
Mein Vater war höchst vergnügt. Es war in der grossen Laube ein Tanzplatz gemacht, der sehr artig war. Ich ging, nach einem Tanz, allein auf einer Seite hinunter. Mein Vater hatte ein wenig Wein und kam zu mir, da ich just auf eine Bank mich setzte. – Carl war sympatetischerweise an der Hecke hingegangen. Mein Vater erblickte ihn, und rief ihn her, er lobte ihn sehr und sagte endlich: – Diesen Herbst machen wir Traubenkränze auf die Hochzeit meines Lottchens. Aber er muss auch für Herbstblumen sorgen, dass es recht schön wird. Ich habe Talbruken versprochen, seine Hochzeit auch hier zu halten; denn, Lottchen, ich will an dir eben so viel