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Blätter nachwerfen und endlich ihn se nahe kommen dass sie ihn an der Weste zupfte, sie anzusehen. – Er warf voll Unmut seine Grabschaufel hin, und ging eilfertig weg. – Mein älterer Bruder stand unter einer Laube, redte was zu dem Mädchen, das dann Carln nachlief. Ob sie ihn einholte, ob er mit ihr sprach, das konnte ich nicht sehen. Aber ich vermutete, dass er das Mädchen liebe, und deswegen ihre Brüder im Garten gebrauche, jedoch nicht haben wolle dass man es wisse. Ich bemerkte ihn erst gegen Abend wieder im Garten, wo er mit meinem Bruder vieles und eifrig sprach. Ich ging nicht weiter, als in den kleinen Laubengang, vor unsern Zimmern; da kam mein Bruder mit einem finstern Gesicht zu mir und sagte gleich: der Gärtner Carl ist ein abgeschmackter, eingebildeter Mensch. – Ich sagte nichts, weil ich ihn so zornig fand. Er ging einigemal auf und ab ganz nachdenkend. Dann kam er zu mir, nahm mich bei der Hand, und sagte: 'Höre, Lottchen, du kanst mir eine grosse probe deiner Freundschaft geben.' –

'Gern, lieber Bruder! in was? sag es nur.' – 'Ich kenne dein gutes Herz und deinen Verstand; also will ich dir eine Angelegenheit vertrauen.' –

Sein Gesicht und Ton machten mich ängstlich. Endlich gestand er mir, dass er des alten Gärtners Tochterseit einiger Zeit geliebt und sich eigen gemacht hätte. –

So! dachte ich, dass ist schön von beiden Seiten! Mein Bruder das Mädchen, und ich meine Neigung auf den Gärtner, denn ich konnte mir es nicht mehr verhehlen. – Er fuhr fort: –– 'Nun ist sie in Umständen, wo ich für sie sorgen muss, und ich hätte gern, dass Carl sie heiratete.' –– Hier schauerte mich. –– 'Das Mädchen ist artig. Er hat einen guten Lohn. Ich wollte ihn bei dem Vater recht fest setzen und gäbe dann alle monat noch etwas zum Kostgeld für das Kind; da könnte der Kerl recht gut leben. Aber der T– will nicht anbeissen. Das Mädchen hat schon alles versucht. Er geht ihr aus dem Wege, redt gar nicht mit ihr. – Gestern und heute, da wir allein Herr sind, hab ich sie aufgemuntert, ihm recht zuzusezzen; – da ist er gar aus dem Garten fort. Er hat schon zu ihren Vater gesagt, wenn seine Tochter noch einmal in den Garten, oder in das Haus käme, so wolle er es dem Herrn Rat sagen und da würden seine Söhne auch den Abschied bekommen. –– Der Kerl hat Hoffartsschwänke im Kopf. Ich weiss nicht wie ich ihm ganz zureden soll und hätte gern, dass du es tätest, denn bei Vater und Mutter will ich alles ausmachen.' – –

Ich kann nicht sagen, wie mir zu Mute war. Aber ich nahm mir ganz unbesonnen vor, mit Carln auf meine Art davon zu reden; doch sagte ich meinem Bruder, es wäre für ein junges Frauenzimmer gar keine anständige Unternehmung. ––

'Ach du kannst mit deinem verstand dem Ding eine Wendung geben. Tue es doch, ehe unsere Eltern wieder kommen.' ––

Ich überlegte es die ganze Nacht. Die Flöte seufzte, und spielte ganz klagend bis gegen zwei Uhr. Es war schöner Mondschein und ich, da ich nicht schlafen konnte, an meinem Fenster. Ich bemerkte dass der Ton ausserhalb des Gartens vom Feld herkam und den Platz veränderte; –– auch endlich, dass jemand zur Feldtüre herein, an der Wand hin, gegen das Glashaus ging. Es war Carl. – – Am Morgen ging ich in den Garten. Er staunte, als er mich erblickte und wie er mich der Hecke näher kommen sah, an der er die Rosen aufband. –– Ehrerbietig und gerührt machte er mir eine Verbeugung. – Ich grüsste ihn freundlich, und fragte nach seinen beiden Helfern. – Er sagte mir, wo sie wären. Dann lachte ich und fragte, ob nicht die Schwester von ihnen eine artige Gärtnerinn sein würde? Er wurde zornrot, kann ich sagen, doch fasste er sich gleich.

'Warum, Mademoisell Charlotte, fragen Sie mich dieses?' –

'Weil ich es denke und glaube, dass das Mädchen recht glücklich mit ihm würde. Und da Er den Brüdern Gutes getan, so könnte ja das grössere Gute der Schwester wiederfahren.' –

'Die Brüder sind arm und redlich, sagte er mit Eifer, sonst würde ich nicht getan haben, was ich tat.'

'Ei, Carl, was wird er ungeduldig, wenn man von einem schönen Mädchen mit Ihm spricht?' –

'Vergeben Sie mir! ich vergass mich. – Aber lassen Sie mich eine Bitte tun; – nichts mehr davon zu reden. Ich will mich nicht verbinden, niemals! –– und wenn Lehnchen die schönste und tugendvollste Fürstin wäre. Erhalten Sie mich nur in dem Dienst des Herrn Vatersich will sonst nichts.' –

'Er bleibt ja im Dienst, und um so viel fester, da mein älterer Bruder das Gut bekommt, der Ihm die Versicherung davon und eine Zulage geben will.' –

Er lächelte etwas bitter. – 'Eine Zulage? Ich glaube es!' – Hier wurde ich gewahr, dass er etwas vermutete und es war mir leid, mit ihm geredt zu haben