über hatte er Plane gemacht, und meinem Vater sehr geschickte Nachrichten vom Garten und allem gegeben. Gegen das Frühjahr liess dieser ihn kommen, um den vorhabenden Bau und Anpflanzung zu verabreden. Er war blass, als er ins Zimmer kam; errötete aber bei dem ersten blick auf mich. – Ich hustete, um meine Röte zu verbergen. Er blieb nur zwei Tage, und nur einen Augenblick sah ich ihn. – Ich schrieb alles, was ich wegen des Gartens wusste auf und gabs ihm. – Nur wenig besonders war darin; ich hofte den Garten und den rechtschaffnen Gärtner bald zu sehen. – Er bat mich um Bücher; ich gab ihm wieder einige und er reiste ab, nachdem er mir ein Heft Papier gegeben, als Auszüge von dem, was er gelesen. ––
Mit der schönsten Handschrift waren die besten moralischen Stellen, Scenen des Landlebens, und etwas aus Tomsons Frühling ins Französische übersetzt, darin. – Ich gesteh, es war ein Schatz für mich, den ich heilig hielt und immer bei mir trug; – ich sagte bei mir selbst: Alle die Vornehmen, die ich sehe, selbst der Mann meiner ältesten Schwester, ist nicht so artig, nicht so geistreich, nicht so moralisch, als der Gärtner Carl – – und mich verlangte nach dem land.
Wir kamen hinaus. O, wie schön war der Garten, der Hof, alles durch des wackern Carls Fleiss und Geist! – Mein Vater war ausserordentlich zufrieden, lobte ihn und wolte ihn beschenken. Aber mein edler, lieber Mann sagte: Herr Rat, wenn Sie so zufrieden mit mir sind, dass Sie mir ein Kennzeichen Ihrer besonderen Güte geben wollen: so haben Sie die Gnade, und erlauben, dass ich den Sommer über, anstatt andrer Taglöhner, die zwei Söhne Ihres abgeschaften Gärtners nehmen darf; die arme Familie geht sonst vor Elend zu grund. –
Mein Vater war heftig dawider, aber mein älterer Bruder bat ihn auch, und er liess es endlich um Carls willen geschehen; doch mit dem Verbot, dass der Vater der jungen Leute sich niemals sehen lasse. – Diese Wohltätigkeit von Carl rührte mein Herz; – noch mehr aber als ich bemerkte, dass Carl, um den Leuten ihren ganzen Taglohn verdienen zu helfen immer die Arbeit an den Stücken voraus tat, wo er die jungen Leute anstellte, weil sie noch zu jung und zu schwach waren. Diese doppelte Verwendung der Kräfte feines Lebens, zum Besten der Armen, machte mir ihn doppelt wert. Er hatte auch vor meinem, und meiner Schwester Zimmer, die unten in den Garten gingen, einen halben Laubengang von Geisblat gezogen, das ich sehr liebte, und nur ein einziges mal davon gesagt hatte. Alle Abend hörten wir eine Flöte, sanft, melancholisch, wie eine Nachtigal; – und niemand wusste, wer es war. – Mein Herz dachte gleich an Carln, – denn es dünkte mich immer mehr und mehr, dass er alle Talente und guten Eigenschaften habe. Ich redte aber deswegen nicht mehr mit ihm als sonsten; doch gefiel mir es wohl, dass er gar keine Bekanntschaft oder Umgang mit irgend einem Mädchen hatte. –– Nur zu Ende des Sommers wurde ich etwas unruhig, als ich die artige Schwester der zwei jungen Leute, deren Carl sich so angenommen hatte, oft im Garten an einsamen Gegenden erblickte und sie dann immer nach dem Herrn Carl fragen hörte; sie auch bei dem Glashause und des Gärtners wohnung sah –– ach! ich merkte da mit vielem Kummer über mich selbst, und schämte mich, wie lieb er mir war; denn ich wurde auf das Mädchen neidisch und bös und ging einige Tage gar nicht auf die gewohnten Spatziergänge, grüsste auch wider Willen Carln ganz trocken. –– die Flöte war diese Abende um so viel trauriger, und Carl, den ich von ohngefehr begegnete, sah mich so furchtsam, so niedergeschlagen an, und wiederholte seine Frage mit weit mehr Schüchternheit: ––
'Haben Sie nichts zu erinnern? –– Sind Sie noch zufrieden?' –– Mein stolzes: 'Nein Herr Carl, es ist alles gut'; machte ihn bestürzt. Er machte mir eine Verbeugung und ich wandte mich aus dem Gange, nachdem ich einen Zweig der Kanille abgerissen und die Blätter davon auch einzeln weggeworfen hatte; und setzte mich in ein halbes Gitterhüttchen mit Geisblat bedeckt bei dem Springbrunnen. – Ich hörte was gehen. Es war Carl, der alle Blätter aufhob, die ich weggeworfen hatte, sie küsste und in seinem Busen steckte. Ich hörte ihm deutlich sagen: Ah! mon Pere – mon Pere! – sah ihn seine hände ringen und mit Seufzen gegen Himmel sehen. – Ich weinte hier über ihn – und mich; aber einige Augenblicke darauf kam das Mädchen wieder zum Vorschein, wie sie um einige Betten herum eilte, um an den Platz zu kommen, wo Carl arbeitete. Mein Missvergnügen nahm zu und ich ging den ganzen übrigen Abend in mein Zimmer. – Ich hörte keine Flöte. – Den andern Tag blieb ich auch zu haus, denn ich war über mich selbst missvergnügt und unruhig, dass ein Gärtnergesell so viel Eindruck auf mich machte, und ich ging nicht mehr in den Garten, als mit der ganzen Familie.
Acht Tage darauf reisten meine Eltern mit einander weg, um die Heirat meiner zweiten Schwester zu berichtigen. Ich sah das mir verhasste Mädchen recht artig gepuzt im Garten umher gehen, Carln