seine Frau die Nähstunden ordentlich, für meine lieben Vorstadtkinder halten. Sie sahen mich dort anpflanzen, helfen Sie hüten, dass nicht zu früh Unkraut aufwachse. Es wird sich freilich wieder einmal ändern, wie alles zu allen zeiten tat; aber es kann doch, nach dem jetzigen gang der Menschen, bis auf die Enkel unsrer Zöglinge dauern. Wie viel ursache habe ich da, den Staub meiner Eltern und des edlen von Guden zu segnen, dass sie, durch Reichtum an Kenntnissen und Vermögen mich in den Stand setzten, zwei Menschengeschlechtern von dreizehn Familien Gutes zu tun! was für ein Glück, was für ein unermessliches Glück ist das! – Aber hier, Rosalia, hier ist der Ruhepunkt meiner Seele. Es geht mir, wie dem guten Lottchen, ich fühle mich näher bei dem Himmel, und sehe mich mit reiner Menschheit – und reiner Tugend umgeben. – Schicken Sie mein Klavier – und die zwei kleinen Kasten, nebst dem mit dem Bett- und Weisszeug, nach Kleebrunn, in die Schenke zum Adler. Vielleicht lade ich einmal Sie selbst dahin, und weise Ihnen dann meinen Aufentalt. – Ich will aufrichtig sein, meine Rosalia, ich wills! und gestehen, dass neben der treuen Neigung meines Herzens, Leidenden hülfe zu geben, dennoch der Gedanke, dass ich hier die Stadt sehen kann, wo Pindorf wohnt; dass ich Menschen Gutes tue, die Er liebte, – dass dieses auch Anteil, grossen Anteil an dem Vorhaben hat, dass ich hier meine Tage zubringen will. Es möge nun der Mittag meines Lebens noch mit Gewitterwolken überzogen werden, oder mein Abend mit sanfter Dämmerung – und einem Himmel wie Lottchen ihn mahlte, heran nahen: – Hier will ich leben – und schlummern. Meine Wollinge machen mir gewiss einst ein eben so schönes Grab, wie dem Erstling ihrer Liebe. –– Adieu, Rosalia. Morgen das Uebrige. ––
Acht und sechzigster Brief
Madame Guden an Rosalien.
Fortsetzung des zweiten tages.
Ich wollte des Nachmittags zum Beamten, sagte ich, als ich nachdem Frau Wolling sich völlig erholt hatte, mit beiden vor die Mauern hinaus ging und auf den Platz wies, wo ich ihr künftiges Haus hinzubauen dächte. Sie sahen sich an; es war mir, als wollten sie was mit einander darüber reden, und ich ging seitwärts von ihnen ab. –– Kurz darauf suchten sie mich. Wolling fing an: "Meine Frau, wir bewundern Ihre Güte immer mehr. Aber wir können nicht zugeben, dass Sie so viel für uns tun sollen, ohne uns zu kennen, und wir bitten Sie, dass Sie, eh Sie den Amtmann sprechen, unser Herkommen und die ursache unsrer Armut anhören. – Sie waren so grossmütig, nicht darnach zu fragen, sondern betrachteten nur unsere Not," – "und beurteilte Eure Herzen," fiel ich ein, "nach Euren Kindern, Eurem Fleiss und der wahren Menschenwürde, mit der ihr mich aufnahmet." ––
Wolling bückte sich gegen mich, gab seiner Frau die Hand und sagte ihr: – "Liebe Lotte, du weist unsere geschichte am besten zu erzählen. – Ich will indessen in unserm Gärtchen arbeiten." Sie nickte stillschweigend mit dem Kopf – Er ging fort. Sie sagte, ihm nachsehend: – "Guter Carl! du bist alles wert. – Gütige Frau": indem sie mein Kleid mit beiden Händen fasste, "ewig werde ich Sie segnen, dass Sie die harten arbeiten des lieben Mannes erleichtern wollen." –
"Komm Sie, liebe Frau Wolling, wir wollen uns auf den Stein setzen, wo ich Ihre Kinder zuerst sah, und da wollen wir unsre Herzen einander öffnen. Der kleine Säugling geht mit; in seinem Körbchen kann er neben uns schlafen." – Das war ihr recht. Sie holte ihr Bübchen und ging, nachdenkend auf das, was sie sagen wollte, mit mir auf den Platz. – Er ist schön. über den Schutt der zwei Türme des Schlosses und den unfruchtbaren Abhang dieser Seite sieht man das so vortreflich angebaute Tal – und dann die Stadt W** deren Kirchen und Torspitzen man erblickt. Diesseits und jenseits des kleinen Flusses liegen fünf Dörfer zerstreut, in Wäldern von Obstbäumen, und weidende Heerden waren um sie herum.
Ich sah Frau Wolling etwas verlegen und nahm sie bei der Hand: "Liebe Frau Wolling, wenn es ihr Mühe kostet, wie ich natürlicher Weise denken muss, dass die Erinnerung an Unglück die gegenwärtigen Stunden noch verbittert, so sage Sie mir nichts. – Die Vorsicht über uns sieht mein Vertrauen auf Ihre Redlichkeit, und das Ihre auf meine wahre Menschenliebe. Das Vergangne wollen wir sein lassen, – und nur vom Künftigen reden." ––
Meine Freundinn, ich erinnerte mich Ihrer bescheidenen Begierde, mein Leben zu wissen, und wie fein denkend Sie sich das Vergnügen versagen wollten, – als Sie mich etwas nachdenkend sahen. Ich ahmte Ihrer Tugend nach – und Frau Wolling belohnte durch ihr Vertrauen das meinige. – Sie sagte mir ganz artig: "Nein! Sie sollen uns kennen; und wenn es nur wäre, dass ich von meinem Carl redte." – Ich küsste sie und schwieg. ––
"Ich bin die dritte Tochter eines fürstlichen Rats aus N**. Mein Vater war ein sehr vernünftiger, aber etwas zu stolzer Mann. Vielleicht, mein Gott, sage ich dieses, weil sein zu weit getriebner Ehrgeiz mich hieher brachte.