1779_La_Roche_065_102.txt

fragen, ob Er nicht in eine andre Gegend ziehen möchte, wo ich Ihm ein Stück Land und ein Haus samt aller Zubehörde schaffen will; so dass Er, mit guter Anordnung des Baues seines Guts, seinen Kindern was erwerben könnte. – – Denn ich denke Er wird immer gern auf dem land bleiben." – –

Ich hielt da inne, und blickte freundlich sie an. Aber da beide unruhig schienen fuhr ich fort: "Vielleicht, da Herr Wolling ein so guter Gärtner ist, wäre er lieber in einer Stadt und besorgte dort seine Kunst. Sage Er mir es, ich will auch da herzlich für sie alle sorgen; doch wünsche ich dass Er die Stadt wählen möge, wo Herr von Pindorf wohnt."

Rosalia! warum wünschte ich das?

Frau Wolling stunde nach einigen Augenblicken auf, fiel ihren Mann um den Hals: "O, Wolling"! rief sie unter einem Strom von Tränen, – "ich bitte dich, führe mich nicht von hier weg. Denke, dass meine Mutter uns diesen Aufentalt schaffte, da kein andrer Mensch sich unsrer annahm. Hier sind all deine Kinder gebohren, mein Erstes begraben! Der Segen, der Geist meiner Mutter umschwebt diese Hütte. – O, ich kann nicht weg. – Wolling! mein Mann! ich kann nicht!" – Sie sank hier zu seinen Füssen, mit aufgehobnen Händen und Augen. – Er sah nur einen Augenblick mich, dann seine Frau an, die er mit Zärtlichkeit in seine arme fasste ––:

"Nein, Lotte! wir wollen nicht weg, meine Liebe; wir wollen nicht! – Diese Erde, die ich anbaute, die mir dich und unsere Kinder ernähren half, die uns vor Grausamen schützte, – die verlasse ich nicht!" –

"O, Ihr rechtschaffnen Herzen," sagte ich, "denen Muttertreue, und die Erde die sie segnete so wert ist! – Nein, Ihr sollt nicht weg! – Hier sollt Ihr meine Freundschaft und meine Liebe geniessen, und ich baue mir ein Haus bei Euch."

Mit Entzücken sahen beide mich anund weder Wolling noch ich konnten seine Frau hindern, dass sie nicht auf die Erde fiel, und uns beiden die Füsse küsste. – Aber dieser starke Ausdruck von Empfindung, erschöpfte ihre Kräfte; denn sie wurde ohnmächtig. –– Wir brachten sie auf das Bett. – Da sie sich erholt hatte, hielt sie eine meiner hände an ihr Gesicht und benetzte sie mit Küssen und Tränen. – Ich umarmete sie: – "Liebe Kinder, sagt mir, wem gehört das grosse Stück unangebautes Land, auf der Anhöhe des berges, rechter Hand vor uns?" ––

"Dem Herrn von Mahnberg, der die ganze herrschaft besitzt." – –

"So ist vielleicht hier ein Gut mit Erbpacht zu errichten, und ich baue ein hübsch Haus dazu, woraus Frau Wolling alle Tage zu dem Altar ihres Herzens gehen kann." – Sie hielten sich beide die hände und weinten sanft. –– "Geht dass nicht an, Herr Wolling? – O, ja! und das war lange mein Wunsch. Ewiger Gott! Sie haben mein Herz erraten. – Ach, wenn Sie dies für uns, für unsere Kinder tun, was sollen wir!" ––

"Mich lieben, meine Freunde, und mir geschwind sagen, bei wem wir den Kauf machen können? denn wir sind im Junio; ich möchte, dass wir zu Ende des Herbstes im neuen haus wären." ––

"Meine Frau, der Beamte in Mahnheim ist ein guter, wohldenkender Mann, der gewiss dazu hilft." ––

"Nun diesen Nachmittag wollen wir zu ihm, und es ausmachen." ––

"Aber es wird kosten, meine Frau." –

"Und, wenn ich viel Geld habe, was tut das?" ––

"So viel für Andere tun! O Gott!" "Ihr Lieben, warum denkt ihr immer nur dieses? hört einmal was ich sage: Wenn ein Reicher nicht geizig ist, so sinnt er auf Ausgaben des Vergnügens und der Ehre. Beide kosten ihm Geld. – Nun ist Wohltun meine Freude; lasst mich sie geniessen, und nehmt Anteil an meinem Glück und meinen Gesinnungen, wie ich an Eurer Hütte und Eurer Tugend meinen Anteil nahm."

"Herzlich gern! – Aber lassen Sie mich einen Vorschlag tun," sagte Wolling, – mit dem Wesen des so ganz edlen, ehrlichen Mannes, dass sein Aussehen und sein blick mir heilig war. ––

"Ich höre gern Vorschläge des vernünftigen Mannes." ––

"Kaufen Sie das Gut und nehmen mich zu Ihrem Erbbeständer an. – Ach, Gott! du siehest, wie gern ich dieser Hand", er fasste meine hände, "den jährlichen Pracht bezahlen würde, – und wie getreu ich das Gut anbauen will!" ––

"Ich will, lieber Herr Wolling, den dritten Ausweg nehmen, und das Gut für Seine Kinder kaufen. – Er soll dabei der Verwalter meines Vermögens werden. – Bis wir aber unser Haus haben, will ich mir, zwischen den alten Mauern des Schlossgangs ein Zimmer, nur von lauter Holzwerk, zurecht machen lassen." ––

Und das tu ich, mein Kind; und auf immer, immer bleib ich hierHelfen Sie, mein Schatz, sorge tragen, dass mein Bedienter die Schule, und