Knien ihren und meinen Schöpfer verehrte. Es war inniges Gefühl und die Bitte, das Vorhaben meines Herzens für diese vortrefflichen Leute zu segnen und es mich ausführen zu lassen.
Ich hatte gestern lange geschlafen; daran mochte mein vieles Gehen und auch meine grosse Gemütsbewegung Urfach gewesen sein. – Ich fand bei meinem Erwachen niemand mehr in der Hütte. Ein Topf voll Mehlbrei kochte langsam am Feuer. Es war Kühmilch, die der gute Mann schon sehr früh musste geholt haben. – Ich zog mich eilends an, ging aus der Hütte und horchte, suchte an der Seite, wo ich die Kinder zuerst mit den Ziegen gesehen hatte; aber da war niemand. Dann ging ich zwischen der Mauer und dem Haberstück hin und als ich die Ecke des Kornstreifes übersah, erblickte ich sie alle kniend und betend. Ich wandte mich zurück, um sie nicht zu stören, und doch einen Platz zu finden, wo ich etwas hören konnte. – Ich musste mich über einen Haufen Schutt beugen, der am Ende mit Kräutern bewachsen ist, durch die ich sie beobachtete. – Sie waren alle um einen Stein herum, der von einer, an dem Turm hinwachsenden Geissblatstaude beschattet wird. – Die Frau lag mit ihrem Kopf auf dem Stein, ihr Säugling in seinem Bettchen neben ihr; Nanny hielt eine Ecke der Schürze ihrer Mutter und die zwei ältern Kinder sahen bald den Vater, bald die Mutter wehmütig an. Wolling trocknete seine Augen, faltete seine hände indem er sich gegen die Kinder wandte: –
"O, Kinder! werdet gut und fromm, wie eure Mutter es ist. Ihr wisst, dass auf diesem Stein eure selige Grossmutter sass, als sie uns besuchte. – Hier gab sie eurer Mutter und mir ihren Segen, als sie das Letztemal vor ihrem tod bei uns war. Wir knieten vor ihr, wie wir jetzt knien, und du, Carl, lagest neben deiner Mutter, wie dein Bruder jetzt liegt. Sie küsste und segnete dich besonders; und Lottchen! sie segnete alle Kinder voraus, die ich noch bekommen sollte. – Ihr wisst, eure Mutter geht auch an Regentagen und mitten im Winter hieher und betet weil sie den Stein ihren Altar heisst; und gewiss, er ist dazu geheiligt und Gott sah alle Tage ihr kindliches Vertrauen auf seine Güte. – Hier bat sie um Glück für euch, – und wir haben Urfach es zu hoffen. – Denn warum sollte Gott die reiche fremde Frau so weit hergeführt haben? Warum gab er ihr das gute edle Herz, die Tugend und Arbeitsamkeit der Armen zu lieben, wenn er nicht sie ausersehen hätte, uns zu helfen? – Ach, wir hätten für uns genug, – aber für euch, ihr lieben Armen, für euch jammerten wir! – liebt Gott und eure Mutter, die so für euch betet – und für den Hülfsengel dankt, den Gott uns schickte." –
Die lieben Geschöpfe weinten herzlich, wie ich. – Der Knabe gab seinem Vater bei den letzten Worten hastig die Hand. – "Ich hab sie zuerst gesehen, wie sie den Berg heraufstieg. – Da ist gewiss der Seegen der Grossmutter daran Ursache, dass ich den Hülfsengel meiner Eltern zuerst sehen sollte." –
"Ei, sagte Lottchen weinend, ich hab sie auch gleich gesehen. – Du gehst auch immer so weit hinaus auf die äussern Steine, da kannst du weiter sehen. – Aber ich fürchte mich vor den Fallen." –
Die Frau richtete sich auf, küsste eine Hand ihres Mannes. – "O Wolling, alles Verdienst giebst du mir! – du Guter, was habe ich dir für Mühe und Sorgen gekostet! – Gott sieht hier, sie deutete auf ihre Brust, was du mir bist – und wird dich belohnen. – kommt, meine Kinder, kommt! ich will euch küssen eh ich aufstehe. Ich hoffe, Gott hat mein Gebet erhöret, euch zu Liebe."
"Nein, Mutter," sagte der Knabe, "du must dich auf den Stein setzen wie deine Mutter. Dann knien wir zu dir – und du segnest uns, wie sie dich segnete." –
Der Mann winkte ihr. Sie setzte sich, konnte nichts reden; aber das Umschlingen ihrer arme um ihre Kinder, ihre Blicke gegen Himmel, ihre Tränen, das hohe Heben ihrer Brust. – Ach, das sah Gott, – das segnete er – und alle Heilige um ihn. –
Der Mann stand sprachlos da, hob nun endlich seine hände auf: "Ach Gott! du, – du allein!" –
Nach einiger Stille sagte die Frau: "Nun kommt, unser guter Engel muss erwacht sein." – Sie küsste den Stein, nahm etwas vom Geisblat, so ihn berührte und stekte es in ihren Busen. –
Kindliche Liebe! dachte ich, wie heilig bist du! Ich ging zurück, zweimal fest zu dem Besten dieser Familie entschlossen. – Sagen Sie, Rosalia, wären Sie es nicht auch an meiner Stelle? – Sie können denken wie zärtlich und gerührt ich Allen den guten Morgen bot; und sie fragten mich ängstlich, ob ich wohl geschlafen hätte? Wir frühstückten froh unsern Brei. – Der Knabe ging dann, für die Ziegen zu sorgen, und Lotte fütterte die Hühner.
Ich fing an: – – "Herr Wolling, ich muss Ihn noch einige Augenblicke von seiner Arbeit abhalten und