den beiden Mädchen, zeichnete mit ihnen, liess sich so hingehen, in immer wärmerer Neigung, zu allerhand Mitteilungen; und ihm war sehr wohl dabei; den Mädchen, sicher, nicht weniger. Wenn es ihm aber einfiel, sie unversehens zu verlassen, so war darüber auch weiter keine Frage. Dies begegnete ihm wohl mitten im feurigsten Anschlage, oder wenn sie wirklich schon im besten Wesen drinnen waren. – "Da läuft er nun fort!" – Dies war das ärgste, was je die lieben Geschöpfe sagten; und sie sahen dabei so von Grund der Seele gut und freundlich aus, dass Woldemar es sich schwer aus dem Sinne schlagen konnte, und manchmahl, wenn er kaum auf seinem Zimmer war, wieder herunter zu ihnen musste; aber dann litt Henriette schlechterdings nicht, dass er angenommen wurde. – "Er solle nicht so wankelmütig sein, sagte sie zu ihm, das zieme keinem mann; sie – oder Allwina, oder die Tanten – sie hätten jetzt etwas vorgenommen, dass sie um nichts fahren liessen, und wobei seine Gegenwart sie störe;" – und damit die Tür auf, und fort mit Woldemar! zuweilen tat er hartnäckig: das half zu nichts; er musste abziehen. – War es aber dass sie merkte, er habe wirklich seinen Sinn geändert, und es sei ihm frei darum zu tun, wieder zugelassen zu werden, so wusste sie den Streit so zu lenken, dass er zuletzt die Oberhand behielt. Er musste gestehen, dass er ein Kindskopf sei, und dann kriegte er seinen Willen.
Allwina hatte nie vorher das Leben so schön gefunden, und sie sagte gerad heraus, dass nach Henrietten Woldemar ihr lieber als Alles sei. Es war ihr ganz neu und von ungemeinem Behagen, mit einem Mann umzugehen, der sie lebhaft interessierte, ohne sie in irgend eine Art von Verlegenheit zu setzen. – Ja, sagte er, wenn aber auch Woldemar so albern gegen einen täte, wie die andern Herren, so merkte man gleich, dass er einen nur zum Besten hätte, und man könnte ihn nicht ausstehen. Auf Ansprüche an ihn dachte sie so wenig, dass er vielmehr durch den Vorzug, den er gleich von Anfang Henrietten gegeben, bei ihr hauptsächlich in Ansehen gekommen war. – "Du musst den lieben Menschen heiraten, sagte sie zu ihrer Freundinn; ich schenk' ihm mein halbes Vermögen, sobald ich Meister darüber bin, und wohne bei euch; das übrige kriegen eure Kinder, denn ich heirate gewiss nie." – Henriette lächelte: – "Du guter Narr!" – und küsste den Engel: – "Lass mich nur gehen; ich habe etwas anders vor; aber beisammen wollen wir dennoch bleiben."
Henriette hatte nicht jene funkelnde, sprühende Empfindsamkeit, jene röstende Wärme, wobei das Herz so schwer in Friede bleiben kann, und die nur ein sehr zweideutiges Merkmahl von seiner Vortreflichkeit ist. Das ihrige war so glücklich gebildet, dass es die Unterstützungen der Sinne und Einbildung gewissermassen entbehren – das es seine Verrichtungen allein bestehen konnte, und genug hatte an seinen eigenen lautersten Gefühlen. Wenige Menschen wissen, was das für eine Stille und Stetigkeit in die Seele bringt, wenn man vor allen andern die eigentlichen Gefühle des Herzens zu schärfen weiss; wie sehr das allein schon heitert, wenn kräftigere Regungen den Meutereien der Eitelkeit ein Ende machen. Henriette konnte das wissen, und das machte das Mädchen so milde, und liess ihren muntern Geist so hell, so wunderbar fassend werden. Woldemar der nach und nach sie erforschte, fühlte mit Entzücken, was ihm das Schicksal in ihr darbot. Ihr Einverständniss wurde von Tag zu Tage leiser und inniger. Henriette, die zu ihrem eigensten Dasein bisher nicht hatte gelangen können, erhielt es in dem Anschauen eines Mannes, der durchaus selbstständig war, und ihren besten Ideen und Empfindungen – den einsamen, verschlossenen – Ausflucht, lebendige Kraft und unüberwindliche Gewissheit erteilte.
Wessen Seele je mit himmlischer Liebe befruchtet gewesen, und der gefühlt hat in seinem Inwendigen das unsägliche Weben, das mit dem Aufkeimen des herrlichen Saamens beginnt, und zunimmt mit seinem Gedeien zu Freundschaft, der wird von der Wonne, welche Henriette und Woldemar in diesem Zeitpunkt erfuhren, keine Beschreibung erwarten.
Freund und Freundinn kamen nie zusammen, dass sie nicht an irgend einem Ereigniss sich noch genauer erkannten, irgend eine Erwartung, die sie von einander geschöpft, sich erfüllen sahen, und dann Empfindung die Stätte einnahm, welche Ahndung bereitet hatte. Dass die begebenheiten oft, an sich, zu den unerheblichsten gehörten, benahm ihrem Eindrucke nichts. So waren sie einst mit ihren Geschwistern auf ein nahe gelegenes Jagdhaus gefahren, wo ein künstliches Reiten von Engelländern zu sehen war. Das schöne Wetter hatte eine Menge Leute hinausgelockt. Die meisten von denen, welche in Wagen gekommen waren, wollten den Rückweg lieber zu fuss machen. Woldemar, der seine Freundinn führte, sah, als sie zwischen die Tore kamen, ungefähr dreissig Schritte vor ihnen ein kleines Mädchen mit einem GemüssKorbe auf dem Kopf, das einem Phaeton ausweichen wollte, und darüber seine Bürde fallen liess. Er und Henriette hemmten zugleich den Schritt. Unterdessen das arme Ding seine Sachen wieder in den Korb packte, kam ein kleiner Bube mit einem schweren Bündel Holz beladen, der vermutlich ihr Bruder war. Sie rief ihn an, dass er ihr hülfe. Der Bube warf auf die Mauer vom Glacis zürnend sein Bündel ab