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, mein haben Deiner Epistel; mein Ermessen ihrer Länge; wie ich sie erst für mich, hernach mit meiner Luise gelesen, – und alles was folgte: von dem mit einanderfind ich nicht ein Wort in meinem Dintenfass. Es mag wohl irgend besser aufgehoben sein! – ... Lieber! O, sei doch immer glücklich! – – Ich danke Gott so von ganzer Seele für Dein Wohl. Wo ich es hie oder da nicht genug tue, aus Kleinmut, aus UnglaubenVater im Himmel, da sieh das innbrünstige Gebet an, worinn meine Zweifel gehüllt sind, und verzeih, – oder, strafe doch nur mich allein! ... – Ich weine; ich bin zaghaft wie ein WeibWas ist das? ...

Wären wir nur erst ein Jahr oder ein paar Jahre weiter, und ich sähe Dich einmal recht eingenistet auf dieser Erde! Immer kamst Du mir vor unter den Menschen wie ein Fremdling, – als könntest Du nicht bleiben.

Unter uns, das ist wahr, hast Du Dich sehr gut gewöhnt; aber dass Du Dich so gut gewöhntest: haben wir das nicht grössten Teils der Traumdeuterinn zu verdanken? – Und hat sie wirklich ihn Dir gedeutet Deinen alten Traum; ihn erfüllet, ihn wahr gemacht, wie Du sagtest; oder vielleicht nur einen neuen Traum in Dir erweckt? – Wende Dich nicht weg von mir, edler Mann! es ist nicht Lästerung, was ich sage; am wenigsten Lästerung gegen den Engel, den wir alle zu uns herab vom Himmel steigen sahen. Du hältst nicht mehr von Henrietten, als sie verdient; und es ist nichts anders als ihr wahrer würklicher Eindruck, was Du für sie empfindest: aber in Dein verhältnis mit ihr bringst Du eine Phantasie, vor der mir bange wurde; sobald ich sie entdeckte. Ich hatte eigentliche Liebe unter Euch vermutet, und so lange war ich ruhig; ruhiger, als ich in Absicht Deiner je in meinem Leben war. –.. Armer Woldemar, ich kenne Dich so gut! und wenn ich Dich recht ins Auge fasse, – sieh, so will mir das Herz zerspringen vor Lieb' und vor Wehmut. – Es ist etwas in Dir, etwas, das Dich beständig über alles gegenwärtige hinaussetzt, ins Unendliche hinüber. – Dich selber überspannst Du nicht leicht; aber ausser Dir überspannt Deine Imagination beinah Dir alles; Du bist mit keinem Dinge recht zufrieden, als das Du so erblickst. Darum wird Dir, in die Länge, kein Mensch aushalten; nein, Woldemar, kein Mensch!

Es ist traurig, dass Dir nie wohl sein kann, als im Irrtum. Wo Du auch am wahren, am Würklichen hängst: Du machst so lange, bis ein Hirngespinnst daraus geworden ist; und dannzu Boden damit! – Ach, Dein letzter Brief hat mich an so vieles erinnert; dies und jenes mir so klar aufgedeckt!.. Die volle Wonne, die er atmet; die hohe, allerhöchste HimmelsfreudeLieber! wenn Du das alles nur an einem Haare festieltestdurchaus nur an einem Haare fest halten wolltest –Und das Haar zerrisszerrisse vielleicht durch eine Bewegung Deiner eigenen Hand? – Lieber! ... O, erbarme Dich Deines Biedertals!

Es ist Zeit dass ich abbreche. – Verzeih, Lieber, wenn ich ein Tor bin. Ich hoffe dass ich einer bin; und mir ahndet, dass ichs fühlen werde, sobald ich Dich wiedersehe. Was ich geschrieben habe wird Dir weiter das Herz nicht schwer machen. Und so lebe wohl. Gruss und Kuss an Allwinen und Henrietten! auch von Luisen. – Bester, Teurester, lebe wohl! lebe wohl und bleib meiner Liebe eingedenk.

Dein Biedertal

heute wie gestern und immerdar.

zwei Tage nach diesem Briefe kam Biedertal selber an. Von seinem Trübsinn war keine Frage mehr: überall nichts als Herrlichkeit und Freude!

Woldemar musste der Pflichten seines Amtes wegen nun öfter in die Stadt. Er pflegte, wechselsweise, dann bei Biedertalen, dann bei Dorenburgen abzutreten. Sie sahen ihn nie, ohne dass sich neue Aussichten von Glückseeligkeit vor ihnen eröfneten, und zählten, immer ungeduldiger, Tage und Stunden bis der Winter einbräche.

Einst traf es sich, dass Woldemar unversehens in die Stadt kam, und niemand zu haus fand, als Luisen; die andern waren aufs Land zu einem Anverwandten von Dorenburgen, welcher Oberamtmann war. Woldemar hatte ein Bildniss von Henrietten mitgebracht, welches er ganz neuerlich gezeichnet, ohne dass sie ihm dazu gesessen. Er machte gerne Porträte, und hatte seine Freunde zu B. mehrmahls und sehr treffend abgezeichnet. Von Henrietten waren eine Menge Abbildungen da, die er vor und nach in allerhand Manieren und Launen verfertiget hatte; aber so regend, so voll Bedeutung, wie diese, noch keine. Woldemar war es ein reiches Gemählde, welches ihm die ganze geschichte seiner Glückseeligkeit darstellte, und auf eine Weise darstellte, dass er viel mehr als ihren wiederholten Genuss davon empfieng; hier genoss er sie mehr im Geber; freute sich desselben, und fühlte dessen höhere Wonne. – Niemand hatte ihn noch so von seiner Freundinn reden hören, als er vor ihrem Bildnisse jetzt mit Luisen davon sprach. Seine Begeisterung teilte sich dem gefühlvollen weib mit, und sie wurden beide je länger je mehrbis zum Ueberfliessen ihres Gegenstandes voll. So brachten sie, äusserst miteinander zufrieden, diesen und