sein würde, wenn Du hier wärest, und sen. Die alberne Hoffart und die dumme Aufführung des hiesigen Adels ist weltkündig. Da ich eine gewisse Reputation habe, und verschiedene Fremde vom ersten Rang uns aufsuchten, so wollten die läppischen Gesichter wohl ein bischen freundlich mit uns tun; sie holten uns an, und luden uns an ihre vornehme Tafel: aber ich habe sie dir heimgeschickt, einmal über das andre! – Dass die Affenart sich einbilden darf, einem rechtlichen Menschen eine Ehre erzeigen zu können mit ihrer Companie! Sieh, das kann mich erst grimmig auf sie machen. Anders! – ich bin ja nicht vom Geschlecht, und habe unter ihnen nichts zu suchen; möchten sie also meinetwegen ruhig sich begaffen und ihre Purzelbäume schlagen! Und sie sollten sehen, es käme mir auf ein Paar Küsse für sie nicht an, wenn ich gerad versehen wäre.
Mit* und * * * hab' ich mich so gut als bruljiert, weil sie nicht widerstehen konnten, und sich von den Fratzen schön tun liessen. Männer von verdientem Ruhm sollten sich so nicht wegwerfen, und von dergleichen Leuten eine Distinction annehmen; es sieht sonst so aus, als hätt' es wirklich mit diesen armen Tröpfen etwas zu bedeuten, und sie dürften wohl so gut sein und sich zu einem grossen Mann herablassen, – ihm gnädigst einmal gestatten, zu sein, für die Zeit, wie hoch ihres Gleichen. Ich kanns nicht ausstehen, die Schellenkappe über dem Lorbeer!
Unsere zwei distinguirte Herren schämen sich jetzt vor uns, und schämen sich vor einander, und wären so gern der Ehre wieder los; zumahl da es allmählich bei tausend Gelegenheiten an den Tag könnt, wie ihr Gnaden es im Herzen mit ihnen meinen. Es sieht scandalös aus, wie sie nun da stehen, und umher schleichen, und, um sich nicht gar zu prostituiren, bon gré mal gré die inferieurs spielen müssen: sie sinds dermahlen auch in der Tat, und es geschieht ihnen recht. Darum lassen wir sie stecken, und laden sie nie zu unserer Gesellschaft, die noch artig genug componiert ist, wenigstens aus den besten Leuten, die hier sind: wir haben einige sehr vergnügte Partieen zusammen gemacht. – Aber gewiss komm ich nie wieder hieher. Sollte ich noch einmal den Brunnen trinken müssen, so erneuere ich meine Bekanntschaft mit Spa. – Da möchte' ich einmal von dem allerlei vornehmen Volk (denn die Collection ist hier sehr vollständig!) – da möchte' ich einmal dies oder das davon hinkommen sehen – Himmel! was sie da für eine Figur machen würden! Denn eigentliche Welt; ächten guten Ton; Lebensart: auch das haben sie dir nicht einmal: sie sind ungeschliffen, ungelenk, und im höchsten Grade fad' und langweilig. – – Aber womit ich die Zeit verderbe? – Steht es denn nicht schon geschrieben, dass die Erde hervorbringen musste Vieh, Gewürm und Tier auf Erden, ein jegliches nach seiner Art; – und dass Gott machte die Tier auf Erden, ein jegliches nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art: – und dass Gott sah, dass es gut war? – Haben wir also weiter nichts dagegen! hüten uns, und halten uns nur fein reinlich!
Am künftigen Montag geht es, dem Himmel sei Dank! von hier weg. – Wie mich zurück verlangt, nach Dir, nach meinen Kindern, nach Euch miteinander, nach Stadt und Land wo Ihr seid, nach eigenem Haus und Heerd: davon ist kein Sagen! – Sei du nur immer glücklich, mein lieber Woldemar! das ist mein Morgen- und Abend-Gebet, mein stündlicher Seufzer – Guter Gott! bewahre mir meinen Woldemar! – Ich bin fest überzeugt, so liebend wie Dein Herz auch ist, dass Dir nichts so beständig im Sinne liegt, wie Du mir im Sinne liegst. Jetzt, da Dir so wohl ist, jetzt ist mir vor lauter Freuden, Angst; und, teils wegen dieser Angst, teils aus einer Art von Aberglauben, prophezeih' ich mir allerhand Böses, damit das Gegenteil eintreffe. Wie abergläubisch mich die Freundschaft macht, das ist ordentlich zum lachen. Zum Exempel, die Nacht, eh Dein Brief ankam, hatte' ich einen entsetzlichen Traum von Dir; ich mag ihn gar nicht erzählen; genug, am Ende warst Du – tot; und es wurden zwei Särge aus Deinem haus getragen; aber in dem zweiten Sarge war nicht Allwina; die lebte. Ich fuhr mit einem ängstlichen Geräusch aus dem Schlaf, so dass Luise davon mit auffuhr, und ganz erschrocken fragte: was mir wäre? Ich erzählte ihr, noch in völliger Betäubung, das fürchterliche Gesicht. – "Pfuy!" sagte sie "was für ein abscheulicher Traum"! und – schlief bald darauf wieder ein. Ich fiel endlich auch wieder in Schlaf. Und nun, da ich am Morgen erwachte, und mir gleich mein Traum einfiel: – Wirst Du glauben, dass ich kindisch, albern genug war, um mir Gedanken darüber zu machen, dass ich diesen Traum meiner Frau erzählt, und zwar, meiner selbst halb unbewusst und gleichsam gegen meinen Willen – nüchtern erzählt hatte? ... Es war ein Glück, dass mir ein paar Stunden nachher Dein Brief gebracht wurde, und nun der Geck sich das Ding zu seinem Vergnügen auslegen konnte.
Mein Empfangen