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Klang und

immer eben zusammen: und eben so an mein Auge

das Grün und die Blüten; kein rascher Lichtstrahl

der mir die Gegenstände aufdrang; ich genoss alles

in Freiheit, in Ruhe, schwebte im Meer der All

macht... Und eben so sanft und leise wie der Allie

bende, wie sein Frühling um mich hereben so

leise, sanft und liebend fasste Ihre Hand die meini

nicht um: – aber vor mir hin auf dem schönen

Pfade lächelte ich mit doppeltem Entzücken die

ganze Schöpfung an."

Den 20sten May.

"Wir hatten am Abend dieses etwas schwülen

Tages am Wasserfall gesessen, und den schönsten

Sonnen-Untergang betrachtet. Nun zogen wir,

durch leuchtende Schatten, am Ufer des Baches her,

und blieben stehen an der Wendung, wo das Auge

einen teil seiner Krümmungen überschauen kann.

Es war ein bezaubernder Anblick, wie die schlan

ken flammenden Pappeln sich in ihm bespiegelten.

Es schien als hätten sie zur Lust sich hinunter ge

taucht, und es durchfahre sie das süsse Schrecken

der angenehmsten Empfindung. wunderbar ergrif

einen das Gerege umher in allen Blättern. Uns

wurde als schwebten wir im Hauch der Lüfte, die

zwischen den Aesten lispelten und auf sanften Wel

len über den kleinen Fluss gleiteten, und mit der

ganzen natur sich ergötzten. – Da kamen die Ster

ne hernieder. Der blaue Himmel schwamm zu un

sern Füssen. Es hatte der Unermessliche sich in nie

deres Gebüsche zu uns gelagert.

wasser der Himmelin Wassern der Erde!...

Lebenin Leben hinübergestralt! – ... Kraftmit

Hohe Ahndungen ergriffen meinen Geist. Meine

Seele wähnte den Unbegreiflichen in etwa zu fas

sen. Sie, die einst nicht Einer Vorstellung sich be

wusst war, nun so voll Empfindung und Gedanke!

Eigenes, gefühltes Daseinaus dem Nichts! –

Schöpfung!"

Dergleichen Aufsätze flossen häufig aus Woldemars Feder, und waren nicht bestimmt von jemanden ausser ihm gesehen zu werden. Er nannte sie die Schatten seiner abgeschiedenen Stunden, in dem nehmlichen Sinn, wie man auch die Seelen Schatten zu nennen pflegt. Sie werden in der Folge dieser geschichte uns sehr zu statten kommen.

Die Vermählung wurde nicht lange verschoben; aber man hielt sie, aus Familien-Ursachen, äusserst geheim. Erst im Winter, wenn man vom land zurückgekommen sein würde, sollte sie bekannt gemacht werden.

Woldemar fand sich wie in eine neue und bessere Welt versetzt. Es war ganz über seine Erwartung, was er Allwina in seinen Armen werden sah, und er konnte' es nicht ergründen. Nie hatte jemand auf diese Weise teil an ihm genommen, so wunder lieb und lauter, so aus ganzer Herzens-Fülle, bis zur blinden Parteilichkeit, und doch ohne weiter eine Spur von leidenschaft. Es schien, seitdem Woldemar ihr Mann sei, habe sie weniger Recht an ihn als zuvor; sie hatte sich ihm völlig hingegeben, alle ihre Ansprüche mit, auch die an ihn selbst. Seiner Liebe zu ihr freute sie sich; aber in der Tat mehr weil sie fühlte, dass Woldemar dadurch glücklich wurde, als dass sie dabei an sich gedacht hätte: nur sein Wohlwar ihre sorge, ihr Wunsch; und wie das alles an ihr bestand und aus ihr hervorgingman musste glauben, sie sei durch eine unmittelbare Einwürkung des himmels dazu begeistert worden. – Ich wiederhol' es, Woldemar wusste es nicht zu ergründen, und das schwellte sein Herz nur desto höher von Wonne; es stand unter einer Flut süsser nie gekannter Empfindungen. – Und die Flut hub ihn empor und trug ihn zurücksanft hinauf den Strom bis zu den Quellen seines Lebens. Von allem erwachte wieder in seiner Seele die Erste frischblühende Empfindung. Der Frühling seines Daseins ward ihm wiedergegeben, – eine zwote Jugend, voller und kräftiger als die Erste, – Unschuld, Zuversicht und Paradies.

Henriette, welche um die versprochene Zeit angekommen war und zu Pappelwiesen für den ganzen Sommer ihre wohnung aufgeschlagen hatte, sah das alles, und konnte fast die Wonne nicht tragen, die sie empfand. Von der einen Seite war ihr der Gedanke süss, dass sie die Glückseligkeit ihrer Freunde, grossen Teils, als ihr Werk anzusehen hatte; von der andern Seite aber machte eben dieser Gedanke sie manchmahl beklommen: sie scheute ihren jubel zu verkündigen, als verherrlichte sie damit sich selber. Wenn sich nur etwas ergeben könnte, wünschte sie tausendmahl, das Woldemars und Allwinas Dankbarkeit gegen Sie aufhöbe, oder denselben zu betrachten verstattete, wie ihr Verdienst um sie nur dem Anschein nach so gross; aber im grundso gar nichts sei – "denn", sagte sie "was hab' ich aufgeopfert? War wohl ein widersprechendes Verlangen in meinem Herzen, das ich unterdrücken musste? Hab' ich nicht meine eigenen Wünsche befriedigtalle meine Wünsche?.. – Das hab' ich getan, ich habe von ganzer Seele geliebt, was ich von ganzer Seele liebtegetan, was ich nicht lassen konnte: – Und dafürDank? – Und dennoch fühl' ich, dass ich den Unsinn nicht aus ihnen vertilgen werde, und dass ich ihn sogar in mir selber mittlerweile gut heissen muss."

Aber auch die Art Verschlossenheit die aus dergleichen Beherzigung folgte, musste Henrietten neue Seeligkeit bereiten; leise, aber tief und beständig war ihr Inwendiges bewegt. Allwina fand oft die Edle, sitzend oder wandelnd in ihrer Demut,