ihren Schwestern. über Biedertals Anrede errötete sie; und dass Woldemar ein so unmässiges Gelächter aufgeschlagen, machte sie stutzig. Nie war in ihre Seele der Argwohn gekommen, dass über ihre Freundschaft mit Woldemaren ein unrichtiger Gedanke unmöglich sei: – ein Gemische von Unwillen und Schmerz bewegte ihr Inwendiges: – und Woldemar – hatte nur gelacht! Doch fand sie dies am Ende ganz natürlich, ganz an seinem Platz, und verwiess sich ihre Befremdung. Aber lebhaft fühlte sie in diesem Augenblick den Unterschied – zwischen Mädchen und Mann.
Ihre Schwestern, denen die kleine Verwirrung, worein Henriette geraten, nicht entgangen war, machten ihre eigene Auslegungen darüber. Henriette liess sie nicht lange in Irrtum; sie erklärte einerlei mit Woldemar, und tat es noch bündiger als er, und durchaus bestimmter. – "Du bist also wohl fest entschlossen nie zu heiraten," sagte Caroline. – Man kann nicht fester, erwiderte Henriette. – "Und Woldemar auch wird nie heiraten?" – Woldemar wird heiraten, und du sollst sehen, er heiratet bald. – Ich bitte dich, Henriette, (fiel Luise ein) – aber du musst nicht ärgerlich werden – als Woldemar erst zu uns gekommen war.... "Schon genug! unterbrach Henriette. – Ich verlange das nicht zu läugnen, dass Woldemar Eindrücke auf mich gemacht hatte, wovon ich damahls glaubte, dass leidenschaft sie leicht zu leidenschaft würde beleben können. Woldemar kannte sein Herz besser; und ich – habe seitdem auch das meinige kennen gelernt. Nunmehr, nach der innigen Freundschaft, die unter uns entstanden ist, kann ich mir Woldemaren gar nicht mehr als Liebhaber nur gedenken. Ich bin gewiss, dass ihm in Absicht meiner nicht anders zu Mute ist. Aber den Fall gesetzt, es wäre möglich, dass Woldemar nun auf einmal in Liebe gegen mich entflammte – sieh! es würde dies eine Würkung auf mich machen, wovor meine Einbildung sich entsetzt – es wäre das unglücklichste, das abscheulichste, was mir begegnen könnte. Gut, dass ich eher des himmels Einsturz zu befahren habe!"
An demselbigen Tage, gegen Abend, ging Woldemar zu Henrietten, um ihr den Auftritt bei Dorenburgen zu erzählen. "Ich weiss schon alles, unterbrach sie ihn, da er anfangen wollte; Sie sollen heiraten, das steht Ihnen nicht an: aber hör, Brüderchen, du musst! du musst, oder es taugt nicht." – Wenn ich muss; nun in Gottes Namen, Bruder Heinrich! – "Deine Hand drauf!" – Woldemar zuckte. Henriette lächelte: "Nun!" – Henriette! Schwester! muss ich fragen, ob das dein Ernst ist? – "Mein Ernst! Was?" – Ach! rief Woldemar unwillig. – "Sachte, sachte! gab Henriette; ich habe Ihr Wort, und darauf fordre ich Ihre Hand; her, lieber Woldemar, her Ihre Hand – für: Allwina Clarenau!" – Ei! sagte Woldemar, das ist ja abermahl etwas neues! – "Etwas Neues? Nichts weniger! Ich hatte Ihnen meine Freundinn bestimmt, noch ehe Sie bei uns waren. Diese idee ist mir von Tage zu Tage lieber geworden, und ich hätte sie Ihnen längst entdeckt, wenn nicht die Gewalt, welche Allwinens Vater dem meinigen über das Schicksal des guten Kindes gelassen, der Erfüllung meines Wunsches bisher im Wege gewesen wäre. Auf der ganzen Welt ist so kein Mädchen für Sie wie unsere Clarenau?" – Allwina ist ein liebes herrliches geschöpf, sagte Woldemar, aber um des himmels willen, warum soll ich denn durchaus eine Frau haben? – Henriette zuckte mitleidig die Achseln: "Wunderlicher Mensch! – um desto glücklicher zu sein; auch um mich desto glücklicher zu machen." – Sie heiraten dann wohl auch? – "Wie mögen Sie nur so albern tun, Woldemar? Mit mir, mit Ihrer Henriette dergleichen – ja Complimente? Als wenn nicht der Unterschied in die Augen fiele? Mich verlören Sie beinah' ganz, wenn ich meinen Stand änderte; Sie, im Gegenteil, bringen mich um nichts, wenn Allwina Ihre gattin wird; vielmehr gewinn ich unendlich: muss ich Ihnen etwa das der Länge nach auseinandersetzen? – Hiezu kommt noch, dass ich nach meines Vaters tod, bei Euch am liebsten meine wohnung aufschlüge. –"
Woldemar umarmte seine Freundinn. – Aber, sagte er, ich fühle keine leidenschaft für Allwina; sie – keine für mich, und ich kann nicht begreifen... "Halten Sie inne, Woldemar, sagte Henriette; Sie würden mich zum erstenmahl in Ihrem Leben ungeduldig machen. – Haben Sie nicht hundertmahl gesagt, dass Sie nie aus leidenschaft heiraten möchten? – Haben Sie nicht hundertmahl gesagt, Sie würden nie von einem Mädchen leidenschaft verlangen; man dürfe diese von keinem Mädchen erwarten, das ein ächtes Kind der natur sei; denn Mutter natur habe das Weib nur zu Einer leidenschaft angewiesen – zur leidenschaft für die Kinder; Mutterherz sei sein wahres, eigentliches Wesen. Wo ein Weib – sagten Sie – die leidenschaft der Liebe gleich uns Männern zu empfinden scheint, da wird fast immer etwas unlauteres, verkehrtes zum grund liegen. Nicht ein herrschender, unmittelbarer Trieb, sondern Leichtsinn, Eitelkeit, schnödes Gelüst reisst es hin. Und darum – fügten Sie hinzu – ist ein ungetreues, buhlerisches Weib mit Recht für das niederträchtigste aller Wesen zu halten"... Also