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Morgens schon wieder da steht in seiner ganzen ungeschwächten Kraft, und Gott für die Erhaltung seiner Gesundheit und seines Lebens dankt. Der Sturm hatte die ganze Nacht hindurch gewütet. Er erwartete daher mit ängstlicher Neubegierde den Tag, um zu sehen, was aus dem Wrak mögte geworden sein?

jetzt stieg die Sonne empor und da erblikt' er zu seinem Leidwesen, dass das Wrak gänzlich verschwunden sei. Einzelne Bretter und Balken, die an den Strand getrieben waren, bewiesen, dass der Sturm es völlig zertrümmert habe. Es tat ihm bei diesem anblick wohl, sich bewust zu sein, dass er keinen Fleiss gespart habe, von dem Schifsgute so viel zu retten, als ihm nur immer möglich gewesen war; und wohl dem Menschen, dessen ganzes Betragen so weisslich eingerichtet ist, dass er bei jedem unangenehmen Vorfal, wie jetzt Robinson, zu sich selbst sagen kan: ich bin nicht Schuld daran! O dieses Bewustsein kan viel versüssen, was für unser Herz sonst unausstehlich bitter sein würde!

Robinson und Freitag zogen sorgfältig jedes am Strande liegende Ueberbleibsel des Schiffes aufs Land, weil sie voraussahen, dass jedes Bret, jede Latte ihnen nüzlich werden könnte. Dan wurde ein ordentlicher Plan zu ihrer nächsten Geschäftigkeit gemacht.

Die Sachen mussten nämlich nach der Burg geschaft werden; aber sich beim Fortbringen derselben jedesmahl so weit davon zu entfernen, schien ihnen mit Recht gefährlich zu sein. Robinson machte also die Anordnung, dass sie wechselseitig fortkarren und Wache halten wolten, einer des Vormittages, der Andere des Nachmittages. Er lud die Kanonen und pflanzte sie an den Strand, die Mündung gegen das Meer gerichtet. Dan wurde ein Feuer angemacht, welches der Wachhabende beständig unterhalten sollte; und neben den Kanonen lag eine Lunte in Bereitschaft, um sie, wenn es sein müste, ohne Verzug abfeuern zu können.

Robinson selbst machte den Anfang zur Fortbringung der Sachen. Um die bessern Kleidungsstükke zu schonen, hatte auch er einen Matrosenanzug angelegt und, stat seiner ehemaligen Waffen, trug er jetzt einen Hirschfänger und zwei geladene Pistolen im Gürtel. Er lud zuerst einige Fässchen mit Schiesspulver nebst andern Sachen auf, für welche die Nässe am meisten zu fürchten war; und darauf ging die Reise fort.

Der Pudel, welcher ihm nie von der Seite kam, begleitete ihn, als ein nicht ganz unnüzer Reisegefährte. Robinson hatte ihm einen Strik ums Leib gebunden und diesen vorn am Karn befestigst, damit er durch Ziehen ihm helfen möge. Weil nun die Pudel sehr gelehrige Geschöpfe sind; so fand sich auch dieser bald in seinen neuen Beruf, und verrichtete ihn in kurzer Zeit so gut, als wenn er ein geübter Karngaul gewesen wäre. Auch trug er obenein noch ein Bündel mit den Zähnen, welches man ihn zu tun schon vorher gelehrt hatte.

Beim Zurükkehren nahm Robinson alle seine zahmen zum Lasttragen schon gebrauchten Lama's mit, um sich ihrer gleichfalls zum Fortschaffen der Sachen zu bedienen. Da ihrer sieben waren, und da jedes derselben eine andertalb Zentner schwere Last zu tragen vermogte: so könt ihr denken, wie viel die ganze Karawane auf einmal fortzubringen im stand war.

Da aber so viele Sachen in Robinsons Höhle und Keller keinen Raum hatten: so ward in der Geschwindigkeit noch ein zweites grosses Zelt gemacht, welches man auf dem Hofplaze der Burg aufschlug, um bis auf Weiter zum Behälter zu dienen. In acht Tagen war Alles fortgeschaft, einen Haufen Bretter ausgenommen, die sie zwischen ein dichtes Gebüsch getragen hatten, um sie vor der Hand daselbst zu lassen.

Lotte. Du hast uns ja nichts wieder von der Ziege erzählt?

Vater. Ach, das hätt' ich bald vergessen. Nun, die Ziege nahmen sie, wie es sich von selbst versteht, auch mit, und taten sie in die Verzäunung zu den zahmen Lama's, mit denen sie sich recht gut vertrug. –

Nun gab's für Robinson und Freitag der angenehmen arbeiten viele; und sie wusten kaum, was sie zuerst angreifen sollten. Doch machte Robinson, der jetzt in allen seinen Verrichtungen Ordnung und regelmässige Einteilung der Geschäfte liebte, bald einen Unterschied zwischen den nötigern und unnötigern arbeiten, und schrit zuerst zu jenen. Eine der nötigsten unter allen war die Erbauung eines Schuppens, oder einer kleinen Scheune, um diejenigen Sachen, welche in der Höhle nicht Raum hatten, bequemer und sicherer zu verwahren, als es unter dem Zelte geschehen konte. Da kam es nun darauf an, sich in der Kunst der Zimmerleute zu üben, die freilich keiner von ihnen gelernt hatte.

Aber was konte dem Fleisse unsers sinreichen Robinsons jetzt zu schwer fallen, da er sich im Besiz aller der Werkzeuge sah, die er nötig hatte? Die mühseeligsten und ungewohntesten arbeiten waren ihm jetzt ein Spiel, nachdem er mit so vielen andern, ohne Werkzeuge und ohne einen Gehülfen zu haben, glücklich zu stand gekommen war. Das Fällen und Behauen der Bäume, das Zusammenfügen und Aufrichten der Balken, das Aufmauern der Wände von Baksteinen und die Anlegung eines doppelten Daches, eins von Brettern, das andre von Kokusblätterndies Alles ging mit bewundernswürdiger Geschwindigkeit von statten.

jetzt stand das Häuschen da, und glich den kleinen Wohnungen unserer Landleute. Sehr weislich hatte Robinson auch die Fenster aus den Kajüten des Schiffes ausgehoben; und diese kamen ihm jetzt treflich zu statten, um den inwendigen Raum des Gebäudes zu erhellen, ohne irgend ein Loch offen lassen zu dürfen. Das Glas war für Freitag ein vorzüglicher