fort, des Tages zwei bis dreimahl nach dem Wrak zu fahren und Alles, was sie bewegen konnten, ans Land zu bringen. Tausend Kleinigkeiten waren ihnen wichtig und wurden als solche von ihnen mitgenommen, die uns kaum des Aufhebens wert scheinen würden, weil wir den Mangel derselben noch nie empfunden haben. Ein teil der Schifsladung bestand aus Elefantenzähnen; diese liessen sie liegen, weil sie keinen Gebrauch davon machen konnten. Ein Gleiches taten sie mit einigen Tonnen vol Kaffebohnen, welche Robinson gleichfalls verschmähte, weil er nicht gesonnen war, sich jemahls wieder zu überflüssigen und schädlichen Lekkereien zu verwöhnen. dafür aber suchten sie so viel Bretter loszubrechen und mitzunehmen, als sie nur immer konnten, weil ihnen diese einen grösseren Nuzen und also auch einen grösseren inneren Wert zu haben schienen. Sogar die noch übrigen fünf Kanonen brachten sie ans Land, so wie alles Eisenwerk, welches sie nur finden oder vom Schiffe losmachen konnten.
Nachdem sie nun schon achtzehn mahl hin und her gefahren und mit ihrer jedesmahligen Ladung immer glücklich an Ort und Stelle angekommen waren; bemerkten sie, da sie sich abermals an Bord des Wraks befanden, dass ein Ungewitter heran nahe. Sie eilten daher, so sehr sie konnten, das Aufladen zu beschleunigen und fuhren in der hoffnung ab, dass sie, noch vor dem Ausbruche des Gewitters den Strand erreichen würden. Aber ihre Bemühung war umsonst. Noch ehe sie die Hälfte der Fahrt zurückgelegt hatten, erhob sich ein so gewaltiger Sturm mit Donner, Bliz und Regen begleitet, dass die Wellen über das Flössholz wegrolten und die darauf befindlichen Sachen in den Abgrund warfen. Sie selbst klammerten sich eine Zeitlang so fest an, dass die schäumenden Wogen sie nicht wegspülen konnten, ungeachtet sie ihnen von Zeit zu Zeit fast einer Elle hoch über dem kopf weggingen.
Aber endlich konte das schwache Gebäude des Flössholzes der Wut der Wellen nicht länger widerstehen. Die Bande, wodurch die Balken zusammen gehalten, löseten sich auf; die ganze Flösse fiel aus einander.
Lotte. O weh der arme Robinson!
Alle. O stille! stille!
Vater. Freitag versuchte sich durch Schwimmen zu retten, Robinson hingegen ergrif einen Balken, mit dem er bald in den Abgrund hinabgeworfen, bald wieder hoch empor gehoben wurde. Er war dabei öfter unter, als über dem wasser, war ganz betäubt, und konte weder hören noch sehen. jetzt verliessen ihn seine Kräfte, und mit ihnen seine Besonnenheit. Er tat noch einen lauten Schrei, und verschwand darauf in einer ungeheuern Welle, die von dem Balken ihn losriss.
Zum Glück war sein treuer Freitag ihm immer zur Seite geblieben, ungeachtet er, wenn er gewolt hätte, sich weit geschwinder hätte retten können. Da dieser nun seinen Herrn vor seinen Augen versinken sah, besan er sich keinen augenblick, sondern tauchte unter, ergrif ihn mit der linken Hand, und arbeitete mit der rechten sich wieder empor. Und nun verdoppelte er seine Bemühung mit so unerhörter Anstrengung, dass er in einigen Minuten zusamt dem Leichname seines lieben Herrn am Strande war.
Alle. (Ganz erschrokken) Ach! – ach! dem Leichnam?
Vater. So nenne ich ihn, weil in der Tat kein Fünkchen von Leben mehr in ihm zu sein schien.
Freitag trug den Erblassten völlig ans Land, warf sich verzweiflungsvol über ihn hin, rief ihm zu, rüttelte, rieb ihn am ganzen leib, und drückte zehnmahl die Lippen auf seinen Mund um ihm Atem einzublasen. Endlich hatte' er die unaussprechliche Freude, wieder einige Merkmahle des Lebens wahrzunehmen; er fuhr in seinen Bemühungen fort und Robinson fing an, sich seiner wieder bewust zu sein.
»Wo bin ich?« fragt' er mit schwacher zitternder stimme, indem er die Augen wieder aufschlug. »In meinen Armen, lieber Herr!« antwortete Freitag, dem die Tränen aus den Augen stürzten. – Und nun gab es eine rührende Scene, indem Robinson seinem Erretter dankte, und dieser nicht wuste, was er vor Freuden über die Wiederkehr seines geliebten Herrn ins Leben alles vornehmen sollte.
Und, Kinder, mit etwas Besserem können wir die Erzählung dieses Tages wohl nicht endigen; also genug für heute!
Fünf und zwanzigster Abend.
Es fanden sich abermals verschiedene Abhaltungen, welche den Vater hinderten, in der Erzählung fortzufahren. Die junge Geselschaft wurde unterdessen durch sechs neue Mitglieder vergrössert. Diese hiessen Mattias, Ferdinand, Konrad, Hans, Christel, und Karl.
Das war nun ein Wesen unter den Alten, wovon der Eine noch eher, als der Andere, den neuen Freunden wieder erzählen wolte, was sie von Robinson nun schon gehört hatten! Da wuste der Eine dies, der Andere das von ihm; da hatte der Eine dies, der Andere das noch ausgelassen, weswegen ein Dritter ihm in die Rede fiel, um die Lükke der Erzählung auszufüllen! Da also Alle zugleich redeten, so entstand zulezt ein so verwirtes Geschrei, dass man sein eigen Wort nicht hören konte. Da sah sich dan endlich der Vater genötiget, um dem Wirwar ein Ende zu machen, die Erzählung von vorn wieder anzufangen, und sie bis dahin zu wiederhohlen, wo er zulezt stehen geblieben war. Dan fuhr er, zum allgemeinen Frohlokken, folgendermassen fort:
Nun, Kinder, unser Robinson hat sich noch einmal wieder erhohlt. Der Schlaf, dessen er die Nacht über unter seinem Zelte auf wirklichen Betten genoss, hat ihn so erquikt, dass er mit Anbruch des