Beile; 4) Ein Fässchen vol Schiesspulver, nebst Kugeln und Schroot; 5) Ein Segel, und 6) einen Schleifstein.
Gotlieb. Wozu denn den?
Vater. Um Beile, Messer und andere Werkzeuge wieder scharf zu machen, wenn sie stumpf sein würden.
Gotlieb. hatte' er denn auf seiner Insel keine Steine?
Vater. Steine in Menge; nur keine Schleifsteine! Hast du nicht bemerkt, dass diese von einer besondere Beschaffenheit, nämlich viel weicher sein müssen, als die andern Steine sind?
Gotlieb. Ja!
Vater. Nun, solcher weichen Sandsteine, hatte' er auf seiner Insel keine bemerkt; und doch ist ein Schleifstein für Alle, welche mit scharfen Werkzeugen umgehen müssen, ein ungemein nüzliches und notwendiges Ding. Er zog ihn also ohne Bedenken, den Goldkörnern und Diamanten vor, die er abermals zurück liess.
Ehe sie abfuhren, untersuchte Robinson den dermahligen Zustand des Schiffes und fand, dass das wasser noch etwas höher eingedrungen sei, und dass die Wellen und das Reiben an den Felsen schon viele Planken an beiden Seiten des Schiffes losgerissen hätten. Er sah voraus, dass der erste sich ereignende Sturm das ganze Wrak zertrümmern würde. Um destomehr beschloss er zu eilen, um von dem noch übrigen Schifsgute, so viel er nur immer könnte, zu retten.
Da der Wind jetzt landwärts bliess, so konnten sie mit hülfe des Segels und der Ruder abfahren, ungeachtet die Ebbezeit erst kaum halb vorbei war. Unterweges machte Robinson sich einen Vorwurf, der ein Beweis seiner Rechtschaffenheit war.
Diderich. Worüber denn?
Vater. Darüber, dass er das Gold und die Diamanten nicht mitgenommen habe.
Diderich. Was wolt' er denn damit?
Vater. Er selbst wolte nichts damit; aber er dachte so: es ist doch nicht ganz unmöglich, dass der Herr des Schiffes noch lebt, und wieder herkommen kan, um zu sehen, ob er nicht noch etwas retten könne. Wenn nun plözlich ein Sturm entstünde und der zerschmetterte das schiff, ehe du noch einmal wieder zurückfahren kanst, und Gold und Edelgesteine gingen verloren: wie wolltest du es dan gegen den Besizer derselben, wie wolltest du es vor Gott, und vor deinem eigenen Gewissen verantworten, dass du nur lauter solche Sachen gerettet hast, die dir nüzlich werden können und nicht auch dasjenige, woran dem eigentlichen Herrn aller dieser Sachen am meisten gelegen sein muss? Wovon vielleicht sein und vieler andern Menschen ganzer Glückszustand abhängen mag? Robinson! Robinson! sezt' er hinzu, indem er sich unwillig vor die Stirn schlug, wie viel fehlt noch daran, dass du schon so gut bist, als du sein soltest?
Er konte kaum die Zeit abwarten, da sie anlanden und wieder abstossen würden, um von neuem hinzufahren; so gross war die Unruhe seines Gewissens über die Versäumung einer Pflicht, die ihm mit Recht heilig schien!
Endlich kamen sie an; aber in dem augenblicke, da sie ans Land stossen wolten, liefen sie grosse Gefahr, ihre ganze Ladung ins Meer versinken zu sehen. Weil nämlich die Ebbezeit noch dauerte, so war das wasser am Strande so seicht, dass das Vorderteil des Flössholzes auf einmal auf den Sand rante und daher viel höher zu stehen kam, als das Hinterteil, welches noch vom wasser getragen wurde. Zum Glück standen Robinson und Freitag beide hinten und konnten also die abgleitende Ladung zurückhalten, dass sie nicht ins wasser fiel.
Nachdem sie Alles wieder befestiget hatten, mussten sie sich entschliessen bis an die Knie durch wasser und Schlam zu waten, um die Sachen so ans Land zu bringen. Sie taten dies so hurtig und so vorsichtig, dass nichts verloren ging, und dass sie noch vor der zurückkehrenden Flutzeit wieder abfahren konnten.
Kaum war Robinson abermals bei dem Wrakke angekommen, als er nichts eiligeres hatte, als das Tönchen mit den Goldkörnern und das Schächtelchen mit den Diamanten auf sein Flössholz zu bringen. Damit fiel ihm, wie man sagt, ein Stein von Herzen; und nun, nachdem er sich dieser Pflicht entlediget hatte, glaubt' er berechtiget zu sein, wieder für sich selbst zu sorgen.
Diesmahl nahm er unter andern ein Paar Schubkarren, die, ich weiss nicht zu welchem Behufe, auf dem Schiffe waren, viel vorrätige Kleidungsstükke und Wäsche, viel Werkzeuge und Gerätschaft, eine Laterne, nebst allen beschriebenen Papieren mit, die er in des Kapitains Kajüte fand; und da unterdessen die Flutzeit zurück gekehrt war, so segelten sie wieder ab, und erreichten, von Wind und wasser fortgetrieben, in kurzer Zeit den Strand.
Den noch übrigen teil des Tages widmete Robinson einem Geschäfte, welches ihm jetzt das dringendste zu sein schien. Er zitterte nämlich vor dem Gedanken, dass ein starker Regen einfallen, und seinen grössten Schaz, das Schiesspulver, unbrauchbar machen könnte. Um diese Gefahr abzuwenden, beschloss er, noch an eben diesem Tage, aus einem grossen mitgebrachten Segeltuche ein ordentliches Zelt zu machen, worunter sein ganzer Reichtum vor dem Regen sicher läge.
Da er Scheere, Nadeln und Zwirn hatte, so ging ihm diese Arbeit geschwind von Händen, und Freitag lernte ihm bald so viel davon ab, dass er ihm dabei helfen konte. Dieser konte die unschäzbare Erfindung einer Nadel und einer Scheere nicht genug bewundern und gestand zu wiederhohlten mahlen, dass er und seine Landesleute, mit den künstlichen Europäern verglichen, doch nur recht arme Schelme wären.
Sie wurden noch vor Abend mit dieser Arbeit