nicht ohne Zittern, besonders da das gehörnte Ungeheuer das Erste war, was sich seinen Blikken wieder darbot.
Aber das gehörnte Ungeheuer war dasmahl nicht so mutig, als gestern. Es lag vielmehr so kraftlos da, als wenn es gar nicht mehr aufzustehen vermögte, weil ihm nämlich seit ehegestern keiner das gewöhnliche Futter gereicht hatte. Robinson, der diese Ursache seiner Mattigkeit merkte, liess seine erste sorge sein, etwas aufzusuchen, was er dem ausgehungerten Tiere zu fressen geben könnte. Weil er mit der inneren Einrichtung eines Schiffes vollkommen bekant war; so fand er auch bald, was er suchte, und hatte das Vergnügen zu sehen, wie begierig die Ziege von dem vorgeworfenen Futter ihren Heisshunger stilte. Freitag hatte unterdessen an der ihm unbekanten Gestalt des Tieres genug zu bewundern gehabt.
Nun fing Robinson eine ordentliche Untersuchung an. Er stieg aus einer Kajüte in die andere, aus einem Schifsboden in den andern hinab, und sah überal tausend Dinge, die in Europa kaum geachtet werden, für ihn aber einen ganz unschäzbaren Wert hatten. Da waren ganze Tonnen vol Schifszwiebak, vol Reiss, vol Mehl, vol Korn, vol Wein, vol Schiesspulver, vol Kugeln und Schroot; da waren Kanonen, Flinten, Pistolen, Degen, und Hirschfänger; ferner Beile, Sägen, Meissel, Bohrer, Raspeln, Hobel, Hammer, eiserne Stangen, Nägel, Messer, Scheeren, Nadeln; da waren Töpfe, Schüsseln, Teller, Löffel, Feuerzangen, Blasebälge, Näpfe, und anderes hölzernes, eisernes, zinnernes, und kupfernes Küchengerät; da waren endlich auch ganze Kisten vol Kleider, Wäsche, Strümpfe, Schuhe, Stiefel und hundert andere Sachen, für deren jede der entzükte Robinson gern seinen ganzen längstvergessenen Goldklumpen hin gegeben haben würde, wenn man eins oder das andere davon ihm zum Kauf angeboten hätte.
Freitag stand bei dem Allen wie verduzt, weil er so was niemals gesehen hatte, und von den meisten dieser Wunderdinge auch die Absicht nicht erraten konte. Robinson hingegen war ganz ausser sich vor Entzükken. Er weinte vor Freuden, grif, wie ein kleines Kind, nach Allem, was ihm vorkam, und warf das Ergriffene wieder aus den Händen, so bald seine Augen auf einen andern Gegenstand fielen, der ihm noch wünschenswürdiger zu sein schien. Endlich wolt' er auch in den untersten Schifsraum steigen: aber er fand, dass er ganz mit wasser angefült sei, weil das schiff einen starken Lek bekommen hatte.
Nun ging er mit sich selbst zu Rate, was er für diesmahl mitnehmen wolte; und konte darüber lange nicht mit sich einig werden. Bald schien ihm dies, bald jenes das Unentbehrlichste zu sein, und daher verwarf er oft wieder, was er so eben erst gewählt hatte, um stat dessen eine andere Sache mitzunehmen. Endlich sucht' er folgende Dinge, als die schäzbarsten von allen aus, um sie für diesmahl mitzunehmen: 1) Eine kleine Tonne vol Schiesspulver, nebst einem andern Tönchen vol Schroot; 2) Zwei Flinten, zwei Paar Pistolen, zwei Degen und Hirschfänger; 3) Doppelte Kleidungsstükke vom kopf bis zu den Füssen für sich und Freitag; 4) Zwei Dutzend Hemde; 5) Zwei Beile, zwei Sägen, zwei Hobel, ein Paar Stangen Eisen, einen Hammer und einige andere Werkzeuge; 6) Einige Bücher, etwas Schreibpapier, nebst Tinte und Federn; 7) Ein Feuerzeug, nebst Zunder und Feuersteinen; 8) Ein Fass vol Zwiebak; 9) Etwas Segeltuch, und 10) die Ziege.
Frizchen. O, die Ziege hatte' er ja eben nicht nötig!
Vater. Das ist wahr, Frizchen; aber die Ziege hatte seiner nötig, und Robinson war viel zu mitleidig gegen alle lebendige Geschöpfe, als dass er dieses arme Tier in der Ungewissheit, ob nicht vielleicht vor seiner Zurükkunft ein Sturm das schiff zertrümmern würde, hätte zurücklassen können, zumahl, da das Notwendigste doch Raum auf seinem Flössholze hatte. Er nahm sie also mit.
Dahingegen liess er etwas liegen, wornach in Europa die Leute am ehesten greifen würden, – ein ganzes Tönchen vol Goldkörner, und ein Schächtelchen mit kostbaren Diamanten, die er in der Kajüte des Kapitains gesehen hatte. Diese mitzunehmen, fiel ihm gar nicht ein; weil er ganz und gar keinen Gebrauch davon zu machen wuste.
über dem Durchsuchen, dem Aufmachen und Auskramen, dem Frohlokken, dem Auswählen und Aufladen war so viel Zeit verflossen, dass nur noch eine Stunde bis zur nächsten Flutzeit fehlte. Diese mussten sie nun erwarten, weil sie sonst mit der Flösse schwerlich hätten fortkommen können. Diese Stunde wandte Robinson dazu an, einmal wieder auf europäische Weise zu speisen.
Er holte also ein Stük geräuchertes Rindfleisch, ein Paar Heringe, etwas Zwiebak, Butter und Käse, und eine Flasche Wein herbei, sezte alles dieses auf den Tisch in der Kajüte des Kapitains, und liess sich selbst mit Freitag auf den dabei stehenden Stühlen nieder. Schon dieses, dass er endlich einmal wieder von einem ordentlichen Tische, auf einem ordentlichen stuhl sizend, von einem ordentlichen Teller mit Messer und Gabel essen sollte, machte ihm mehr Freude, als ich euch beschreiben kan. Und nun vollends die speisen selbst, vornehmlich das Brod, wornach er sich so oft vergebens gesehnt hatte, – o, ihr könt euch gar keine Vorstellung davon machen, wie entzükt er darüber war! Man müste, so wie er, neun Jahre aller dieser Nahrungsmittel und