Frage.
Er versuchte seine stimme ertönen zu lassen; aber er merkte bald, dass das vergebliche Mühe sei, ungeachtet der Wind sich schon während des Ungewitters gedrehet hatte, und jetzt von der Insel nach dem Schiffe zu bliess. Er hiess also seinen Freund, so geschwind, als möglich, ein Feuer anmachen, welches von dem Schiffe her gesehen werden könnte. Dieser kam auch bald damit zu stand, und nun erregte Robinson eine Flamme, welche baumhoch empor loderte. Seine Augen waren darauf unverrükt nach dem Schiffe gerichtet, weil er alle augenblicke erwartete, dass ein Boot abstossen und zu ihnen kommen würde. Aber kein Boot wolte sich sehen lassen.
Endlich, da das Feuer schon eine Stunde vergeblich gebrant hatte, tat Freitag den Vorschlag, er wolle, so weit es auch immer wäre, hinschwimmen, und den Leuten sagen, dass sie herkommen sollten. Robinson umarmte ihn dafür, und bat ihn, doch ja für die Erhaltung seines Lebens dabei besorgt zu sein. Freitag warf darauf seine Mattenkleidung ab, brach einen grünen Zweig ab, den er in den Mund nahm, und sprang herzhaft ins wasser. Robinsons wärmste Seegenswünsche begleiteten ihn.
Lotte. Was wolt' er denn mit dem grünen Zweige machen?
Vater. Ein grüner Zweig ist bei den Wilden ein Zeichen des Friedens; und wer so sich ihnen nähert, dem pflegen sie nichts zu Leide zu tun. Er nahm ihn also zu seiner Sicherheit mit.
Freitag langte glücklich bei dem Schiffe an, schwam einige mahl um dasselbe herum und rief: holla! Aber da war keiner, der ihm antwortete. Endlich bemerkt' er die Schifsleiter, die an der Seite herab hing; er näherte sich ihr und stieg daran hinauf, den grünen Zweig in der Hand.
Als er so hoch gestiegen war, dass er auf das Verdek sehen konte, erschrekte ihn der anblick eines Tiers, welches ihm ganz fremd war. Es war schwarz und zottigt; und in dem augenblicke, dass Freitag von ihm gesehen ward, erhob es eine stimme, dergleichen dieser noch niemals gehört hatte. Gleich darauf ward es wieder stille, und bezeigte sich so freundlich, dass Freitag die Furcht, die es anfangs ihm eingeflöst hatte, wieder fahren liess. Es kam in der demütigsten Stellung herbei gekrochen, wedelte mit dem Schwanze und winselte so beweglich, dass Freitag wohl merkte, es wolle Schuz bei ihm suchen. Er wagte es daher, da es bis zu seinen Füssen vorgekrochen war, es zu streicheln, und das Tier schien ausser sich vor Freude zu sein.
Freitag ging nun auf dem Verdekke herum und fuhr fort, sein Holla! mit lauter stimme zu rufen; aber es wolte sich noch immer kein Mensch blikken lassen. Er stand jetzt und staunte alle die wunderbaren Sachen an, die er auf dem Verdekke erblikte, und hatte dabei den Rükken gegen die Treppe gekehrt, wodurch man vom Verdekke in das Innere des Schiffes hinab steigt; als er plözlich einen so unsanften und nachdrüklichen Stoss von hinten erhielt, dass er der Länge nach hinstürzte. Vol Schrekken richtete er sich wieder auf, sah sich um und wäre beinahe versteinert worden, da er ein ziemlich grosses Tier mit grossen krummen Hörnern, und mit langem Barte erblikte, welches sich eben wieder in eine drohende Stellung auf die Hinterfüsse sezte, um ihm eine zweite Bewilkommung angedeien zu lassen. Freitag tat einen lauten Schrei und sprang, ohne sich einen augenblick zu besinnen, über Bord ins Meer hinab.
Das erstbeschriebene schwarze Tier, welches ihr an der Beschreibung vermutlich wohl werdet erkant haben –
Johannes. O ja! ein Pudel!
Vater. Getroffen! – Dieser Pudel, sage ich, folgte Freitags Beispiele und sprang gleichfalls über Bord, um Ihm nach zu schwimmen. Freitag, der das Plätschern desselben hinter sich hörte, bildete sich ein, dass das andere gehörnte Ungeheuer ihm nachgesprungen wäre, und geriet darüber in solche Angst, dass er zum Schwimmen beinahe unfähig geworden, und in den Abgrund versunken wäre. abermals ein Beispiel, wie schädlich die Furchtsamkeit sei, und wie sie uns immer Gefahren aussezt, die wir füglich vermeiden könnten, wenn wir uns nicht von ihr regieren liessen!
Er getrauete sich nicht, sich umzusehen und schwam, da er sich erst ein wenig wieder erhohlt hatte, so eilig fort, dass der Pudel ihm kaum folgen konte. Endlich erreicht' er den Strand und sank sprachlos und ohnmächtig zu Robinsons Füssen nieder. Der Pudel erreichte bald darauf gleichfalls das Land.
Robinson bemühete sich auf alle mögliche Weise den treuen gefährten seines einsamen Lebens wieder zu sich selbst zu bringen. Er küsste, er streichelte, er rüttelte ihn und rief ihn laut bei Nahmen. Aber es verflossen erst verschiedene Minuten, ehe er die Freude hatte, dass Freitag die Augen wieder eröfnete und Zeichen des wiederkehrenden Lebens von sich gab. Endlich war er wieder im stand zu reden, und da erzählt' er Ihm nun, was für ein entsezliches Abenteuer er ausgestanden habe; wie das schiff ein grosser hölzerner Berg zu sein schiene, aus welchem drei hohe Bäume (er meinte die Mastbäume) hervorgewachsen wären; wie das schwarze Tier so freundlich gegen ihn getan habe, und wie das gehörnte bärtige Ungeheuer ihn darauf habe umbringen wollen; und wie er endlich glaube, dass dieses Ungeheuer der Herr des schwimmenden hölzernen berges sei, weil er keinen einzigen Menschen darauf gesehen habe.
Robinson hörte ihm vol Verwunderung zu. Er merkte aus der Beschreibung,