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Bei dieser gelegenheit pflegten sie sich dan gemeiniglich auch zu baden; und da muste Robinson die erstaunliche Geschiklichkeit bewundern, welche Freitag im Schwimmen und Untertauchen bewies. Er suchte sich mit Fleiss ein felsichtes Ufer aus, wo die Meereswellen sich auf eine fürchterliche Weise brachen. In diese sprang er scherzend von oben hinab, blieb einige Minuten unterm wasser, so dass dem armen Robinson oft angst und bange dabei ward, kam dan wieder hervor auf die Oberfläche des Wassers, legte sich auf den Rükken um sich von den Wellen wiegen zu lassen und trieb allerlei Gaukeleien, deren umständliche Beschreibung beinahe alle Glaubwürdigkeit verlieren würde. Robinson konte dabei nicht umhin, die erstaunlichen Anlagen der menschlichen natur zu bewundern, die zu allem fähig ist, was ihr von Jugend an zur Uebung gemacht wird.

An andern Tagen belustigten sie sich mit der Jagd, weil Freitag gleichfalls Meister, so wohl in der Verfertigung, als auch in dem Gebrauche des Bogens und der Pfeile war. Sie schossen Vögel und junge Lama's, doch nie mehr, als sie jedesmahl brauchen konnten, weil Robinson es mit Recht für sündlich hielt, ein Tier, es sei, welches es wolle, bloss zur Lust oder um nichts zu quälen und zu tödten.

So sehr übrigens Robinson dem guten Freitag am verstand und an mancher Geschiklichkeit überlegen war: so verstand doch dieser auch wieder viele kleine Künste, welche seinem Herrn vorher unbekant gewesen waren, und die ihnen gleichwohl jetzt vortreflich zu statten kamen. Er wuste sich allerlei Werkzeuge aus Knochen, Steinen, Muscheln und andern Dingen zu machen, womit er manches so gut bearbeiten konte, als wenn er Werkzeuge von Eisen gehabt hätte. So macht' er sich z. E. aus dem Armbeine eines Mannes, welches er zufälliger Weise fand, einen Meissel; eine Raspel aus Korallen; ein Messer aus Muscheln; eine Feile aus der scharfen Haut eines Fisches. Damit verfertigte er viel kleines Hausgerät, welches die Bequemlichkeit ihres Lebens gar sehr vergrösserte.

Noch lernte Robinson von Freitag den Gebrauch der Kakaobohnen, die er bei einer ehemaligen Wanderung auf seiner Insel entdekt und einige davon aufs Geratewohl mit sich genommen hatte. Er legte sie nämlich ans Feuer, so wie die Kartoffeln, und liess sie rösten. Dan gewährten sie eine gar nicht unangenehme und dabei sehr nahrhafte und gesunde Speise.

Robinson, welcher gar zu gern neue Versuche anstelte, zerstampfte einige derselben, nachdem sie geröstet waren, zwischen zwei Steinen, schüttete das kleingeriebene Pulver in einen mit Lamamilch angefülten Topf und sezte ihn ans Feuer. Wie erstaunt' er nicht, und wie gross war sein Vergnügen, da er die daraus entstandene Suppe kostete und fand dass es ordentliche Schokolade sei.

Frizchen. Ah! Schokolade?

Vater. Ja, nur dass das Gewürz und der Zukker daran fehlten. – So vervielfältigten sich nach und nach die Nahrungsmittel des guten Robinsons und die Quellen seines Vergnügens! Aber zu seinem Ruhme muss ich sagen, dass er demohngeachtet bei seinem neulichen Vorsaze blieb, und eben so mässig und einfach zu leben fortfuhr, als er angefangen hatte.

Beide stellten jetzt öftere und lange Wanderschaften durch die ganze Insel an, besonders an solchen Tagen, an welchen ein Wind blies, der den Wilden entgegen war; und sie entdekten bei solchen Gelegenheiten noch Manches, was ihnen nüzlich werden konte.

Endlich war der Garten völlig bestellt, und nun wurde der Tag bestimt, an welchem sie nach Freitags Heimat hinüber fahren und den Vater desselben abholen wolten. Je näher aber die Zeit zur Abfahrt heranrükte, desto öfterer fiel unserm Robinson der Gedanke aufs Herz: wie? wenn Freitags Landsleute dich dennoch als einen Feind behandelten? Wenn sie an Freitags Vorstellungen sich nicht kehrten, und du ein Opfer ihres abscheulichen Menschenhungers werden müstest? Er konte sich nicht entalten, diese Besorgniss seinem Freunde mitzuteilen. Aber Freitag versicherte ihn bei Allem, was heilig ist, dass er nichts zu besorgen habe; er kenne seine Landsleute zu gut und wisse daher mit völliger Gewissheit, dass sie keinem etwas zu Leide täten, der nicht ihr Feind sei. Robinson war überzeugt, dass er dies nicht sagen würde, wenn's nicht so wäre. Er unterdrükte also alle ängstliche Sorgsamkeit, traute der Ehrlichkeit seines Freundes, und beschloss, am folgenden Morgen in Gottes Nahmen mit ihm abzufahren.

Sie hatten in dieser Absicht den Kahn, der bis dahin auf den Strand gezogen war, wieder aufs wasser gebracht und an einer in die Erde gestekten Stange befestigst. Den Abend brachten sie damit zu, Kartoffeln zu braten und andere speisen zuzurichten, die sie mitnehmen wolten, um sich wenigstens auf acht Tage mit Proviant zu versorgen. Freitag zeigte bei dieser gelegenheit, dass er auch in der Kochkunst so unerfahren eben nicht sei, und lehrte seinen Herrn, ein ganzes junges Lama, welches sie geschossen hatten, in kürzerer Zeit weit mürber zu braten, als es am Spiesse geschehen konte. Das fing er so an.

Er grub ungefähr zwei Fuss tief ein Loch in die Erde, welches er schichtweise mit troknem Holze und mit platten Steinen anfülte. Dieses Holz zündete er an. Dan hielt er das junge Lama über's Feuer um die Hare abzusengen, und nachdem dieses geschehen war, schabte er es mit einer Muschel so rein ab, als wenn es mit heissem wasser wäre abgebrühet worden. Mit eben dieser Muschel schnitt' er den Leib des Tieres auf, um die Eingeweide heraus zu nehmen. unterdessen war das Holz zu