Vater?
Vater. Er tat, was jeder tun muss, wenn er seinen Nebenmenschen fehlen sieht; er erinnerte den jungen Menschen an seine Pflicht.
»Wollen Sie mich wieder mit zurück nach Hamburg nehmen?« fragte Robinson.
»Ich? antwortete der Schiffer; haben sie denn vergessen, dass mein schiff untergegangen ist? Ich werde nicht eher wieder zurück gehen, bis ich gelegenheit gehabt habe, ein anderes schiff zu kaufen, und das mögte länger währen, als sie hier bleiben dürfen. Auf das erste das beste schiff, das von hier nach Hamburg segelt, sollen sie sich sezzen, und das lieber heute, als morgen!«
»Aber ich habe kein Geld!« sagte Robinson.
»Hier, antwortete der Schiffer, sind einige Guineen –
Gotlieb. Was sind das, Guineen.
Vater. Englisches Geld, mein Lieber; Goldstükken, so wie unsere Louisd'or. Sie gelten ungefähr sechs Taler; zu haus will ich dir eine zeigen.
Johannes. O nu, nur weiter!
Vater. »Hier, antwortete also der brave Schiffer, sind einige Guineen, die ich ihnen leihen will, ungeachtet ich selbst mein bischen Geld jetzt sehr nötig habe. Gehen sie damit nach dem Hafen und miten sie sich auf ein schiff ein. Wenn ihre Reue aufrichtig ist, so wird Gott ihnen eine Rükreise verleihen, die glücklicher sein wird, als unsere Herreise war.« Und damit schüttelte er ihm treuherzig die Hand und wünschte ihm Glück auf den Weg.
Robinson ging.
Nikolas. O nu geht er schon wieder nach haus? Ich dachte, es würde erst recht angehen!
Mutter. Bist du es nicht zufrieden, lieber Nikolas, dass er zu seinen Eltern zurückkehrt, die vermutlich so bekümmert um ihn sind?
Freund R. Und freuest du dich nicht, dass er sein Unrecht bereut und sich nun bessere will?
Nikolas. Ja, das wohl; aber ich dachte, es sollte erst recht was lustiges kommen.
Vater. Er ist ja noch nicht zu haus; lasst uns hören, wie's weiter mit ihm geht!
Auf dem Wege nach dem Hafen ging ihm dies und jenes durch den Kopf. »Was werden meine Eltern sagen?« dachte' er, wenn ich nun wieder zu Haus komme. Gewiss werden sie mich strafen, dass ich das getan habe! Und meine Kammeraden und die andern Leute, wie werden die mich auslachen, dass ich so geschwind zurück komme und fast nichts gesehen habe, als ein Paar Strassen von London!«
Er blieb vol Gedanken stehen.
Bald fiel's ihm ein, er wolte noch nicht abreisen; bald dachte er wieder daran, was der Schiffer ihm gesagt hatte, dass es ihm nicht wohl gehen könne, wenn er nicht zu seinen Eltern zurückkehrte. Er wuste lange nicht, was er tun sollte? Endlich aber ging er doch hin nach dem Hafen.
Aber zu seinem Vergnügen muste er hören, dass jetzt kein schiff da sei, welches die Fart nach Hamburg machen wolte. Der Man, der ihm diese Nachricht gab, war ein Guineafahrer.
Frizchen. Was ist ein Guineafahrer?
Vater. Das lass dir von Diederich erzälen, der's wohl schon wissen wird.
Diederich. Weisst du noch wohl, dass es ein Land gibt, das Afrika heisst? Nu die eine Küste davon –
Frizchen. Küste? –
Diederich. Ja, oder das Land, was dichte am Meer liegt, sieh ich habe meinen kleinen Atlas eben bei mir! – dieser Strich Landes hier, der da so krum hinunter geht, der wird die Küste von Guinea genant.
Vater. Und die Schiffer, die da hinfahren, um da was zu handeln, heisst man Guineafahrer. Der Man also, mit dem unser Robinson redete, war ein solcher Guineafahrer, oder Kapitain eines Schifs, welches nach Guinea segeln wolte.
Dieser Schifskapitain fand Vergnügen, sich weiter mit ihm zu unterreden, und nötigte ihn also, mit an Bord zu gehen, um in seiner Kajüte eine Tasse Tee mit ihm zu trinken; und Robinson willigte darein.
Johannes. Konte der Kapitain denn deutsch sprechen?
Vater. Ich habe vergessen zu sagen, dass Robinson schon im Hamburg gelegenheit gehabt hatte, Englisch zu lernen, welches ihm jetzt, da er in dem land der Engländer war, sehr wohl zu statten kam.
Da der Schifskapitain von ihm hörte, dass er so grosse Lust zu reisen habe, und dass es ihm so leid tue, schon jetzt wieder nach Hamburg zurück kehren zu müssen: so tat er ihm den Vorschlag, mit ihm nach Guinea zu reisen. Robinson erschrak anfangs vor diesem Gedanken. Aber da ihn der Kapitain versicherte, dass die Reise sehr angenehm sein wurde; dass er ihn, um einen Geselschafter zu haben, umsonst mitnehmen, und frei halten wolte, und dass er vielleicht etwas Ansehnliches auf dieser Reise erwerben könnte: so stieg ihm plözlich das Blut zu kopf, und die Begierde zu reisen wurde so lebendig in ihm, dass er auf einmal vergass Alles, was ihm der ehrliche Hamburger Schiffer geraten hatte, und was er kurz vorher tun wolte.
»Aber, sagte er, da er sich ein wenig bedacht hatte, ich habe nur drei Guineen. Was kan ich für so wenig Geld einkaufen, um einen Handel zu treiben an dem Orte, wo sie hinfahren wollen?«
»Ich will ihnen, antwortete der