vor der Regenzeit beschlossen hatten.
Freitag, als der Meister in der Schifbaukunst, fing an, den Stam mit Feuer auszubrennen. Dies ging so geschwind und so gut von statten, dass Robinson nicht umhin konte, sich selbst einen Dumbart zu schelten, dass ihm dieses Mittel nicht auch eingefallen sei. Doch, sezt' er zu seinem Troste hinzu, wenn's mir nun auch eingefallen wäre, so hätt' ich's ja doch nicht anwenden können, weil ich kein Feuer hatte!
Ihr werdet mich hoffentlich der Mühe überheben, euch umständlich zu erzählen, wie die Arbeit an jedem Tage weiter fortrükte, weil diese Erzählung weder angenehm, noch lehrreich sein würde. Ich begnüge mich also zu melden, dass das schiff, mit welchem Robinson allein, vielleicht nie, wenigstens in vielen Jahren nicht, würde fertig geworden sein, jetzt durch ihre vereinigten Kräfte binnen zwei Monaten gänzlich vollendet ward. Es fehlte nur noch an einem Segel und an Rudern. Zu jenem machte sich Freitag, zu diesen Robinson anheischig.
Gotlieb. Ja, wie kont' er denn ein Segel machen? Dazu braucht' er ja Leinewand!
Vater. Leinewand zu machen verstand er nicht, hatte auch keinen Weberstuhl dazu: aber er konte, wie ich euch schon erzählt habe, feine Matten von Baumbast machen und dieser bedienen sich die Wilden stat des Segeltuchs.
Beide wurden ungefähr zu gleicher Zeit fertig, Robinson mit den Rudern und Freitag mit dem Segel; und nun war nur noch übrig, das vollendete schiff vom Stapel laufen zu lassen.
Frizchen. Was ist das?
Vater. Hast du noch niemals zugesehn, wenn sie ein neuerbautes schiff von dem Ufer auf die Elbe laufen lassen?
Frizchen. O ja! das hab' ich schon gesehen.
Vater. Nun, da wirst du bemerkt haben, dass das schiff auf einem schmalen Gerüst von schief liegenden Balken steht. Diese Balken heissen der Stapel. Sobald nun der Keil, der das schiff festält, weggenommen wird, so schiesst es auf den Balken hinab ins wasser, und das nent man denn vom Stapel laufen.
Zum Unglück war der Ort, wo sie das schiff gezimmert hatten, einige tausend Schritte entfernt vom Strande, und es war daher die Frage: wie sie es nun so weit fortbringen könnten? Es dahin zu tragen, oder zu schieben, oder fortzuwälzen, schien unmöglich: denn dazu war es viel zu schwer. Was sollten sie also machen? Hier stand der Karren einmal wieder am Berge!
Diderich. I, Robinson brauchte ja nur wieder solche Hebel zu machen, wie er neulich brauchte, da er die beiden grossen Felsenstükke ganz allein aus seiner Höhle wälzte!
Vater. Er hatte den Vorteil, den dieses einfache Werkzeug gewährt, nicht vergessen; er wandt' es daher auch jetzt an, aber das Fortwälzen ging dem ungeachtet so langsam von statten, dass er wohl sah, sie würden einen ganzen monat darauf verwenden müssen. Zum Glück erinnert' er sich zulezt eines andern eben so einfachen Hülfsmittels, dessen die Zimmerleute und andere Handwerksmänner in Europa sich zu bedienen pflegen, um grosse Lasten fort zu wälzen. Sie brauchen nämlich hierzu die Walzen –
Frizchen. Was sind Walzen!
Vater. Runde länglichte Hölzer, die sich eben deswegen, weil sie rund sind, mit leichter Mühe fortwälzen lassen. Diese legen sie unter die Last, die sie nach einem andern Orte hinbringen wollen, und wenn sie dan die Last nur mit mässigen Kräften schieben: so rolt sie mit den Walzen von selbst fort.
Robinson hatte kaum den Versuch davon gemacht, als er mit Vergnügen sah, wie leicht und wie geschwind sie das schiff fortbewegen konnten! In zwei Tagen war es schon auf dem wasser, und es machte beiden nicht wenig Freude, zu sehen, dass es vollkommen brauchbar sei.
Nun war also nichts mehr übrig, als die nötigen Anstalten zur Abreise zu machen; das schiff mit so viel Lebensmitteln zu versehen, als es würde tragen können und dan die von beiden so sehnlich gewünschte Reise anzutreten. Aber wohin nun eigentlich? Freitags Wünsche gingen nach der Insel, auf welcher er zu Haus war; Robinson hingegen verlangte nach dem festen land von Amerika zu schiffen, wo er Spanier oder andere Europäer zu finden hofte. Freitags Vaterland war nur ungefähr vier Meilen, das feste Land hingegen über zwölf bis funfzehn Meilen entfernt. Wolten sie erst nach jenem fahren, so entfernten sie sich um einige Meilen mehr von diesem, und die Gefahr der Reise wurde also auch um so viel grösser. Auf der andern Seite aber kante Freitag nur das Fahrwasser, das heisst, die schifbare Strasse nach seiner Heimat; hingegen war die eigentliche Fahrt nach dem festen land ihm völlig unbekant. Robinson konte sie noch viel weniger kennen, weil er auf diesem Meere noch niemals geschift hatte. Nun war also guter Rat wieder teuer.
Endlich siegte Robinsons Begierde, wieder zu gesitteten Menschen zu kommen über alle Schwierigkeiten und über alle Einwürfe seines gefährten. Es ward beschlossen, dass sie gleich am morgenden Tage alle Anstalten zu ihrer Abreise machen und dan mit dem ersten, dem besten günstigen Winde, in Gottes Namen nach der Gegend abfahren wolten, in welcher, nach Freitags Vermutung, die nächste Küste des festen Landes lag.
Und hiermit genug für heute: denn es ist Zeit, dass wir selbst auch Anstalt zu unserer vorhabenden Nachtwache machen. –
Man versammelte sich hierauf in einer Wachstube, alwo die Mutter schon