Abende allein, unbeschäftiget und im Finstern hinbringen müssen: jetzt sass er mit Freitag bei einer Lampe oder ohnweit dem Küchenfeuer, arbeitete und plauderte und fühlte nie die Beschwerlichkeit der langen Weile, die so drükkend ist.
Freitag lehrte ihn allerlei kleine Künste, wodurch die Wilden ihren Zustand zu verbessern wissen; und dan lehrte Robinson ihn wieder andere Sachen, wovon die Wilden nichts verstehen. So nahmen beide zu an Kentnissen und Geschiklichkeiten und brachten durch gemeinschaftlichen Fleiss eine Menge kleiner Kunstwerke zu stand, deren Verfertigung jedem von ihnen, wenn er sich ganz allein befunden hätte, würde unmöglich gewesen sein. Da fühlte dan auch jeder von ihnen recht innig, wie gut es sei, dass die Menschen durch Geselligkeit und Freundschaft zusammen gehalten werden, und nicht, wie die wilden Tiere, einzeln auf dem Erdboden herumschwärmen!
Freitag verstand sich unter andern auf die Verfertigung von Matten aus Baumbast, die er so fein und so dicht zu flechten wuste, dass sie füglich zu Kleidungsstükken gebraucht werden konnten. Robinson lernte ihm diese Kunst ab; und da verfertigten beide einen solchen Vorrat davon, als hinreichend war, um für jeden einen ganzen Anzug daraus zu machen. O wie freute sich Robinson, dass ihm die beschwerliche Kleidung aus steifen ungegärbten Fellen nun endlich einmal entbehrlich geworden war!
Ferner verstand Freitag die Kunst, aus den Fasern, worin die Kokusnüsse eingewikkelt sind, und aus verschiedenen flachsartigen Kräutern Garn und Strikke zu drehen, welche diejenigen, die Robinson bisher gemacht hatte, bei weitem übertrafen. Aus dem Garn wust' er Fischneze zu knüpfen, eine Arbeit, die beiden manchen langen Abend auf die angenehmste Weise verkürzte.
Während dieser häuslichen Geschäftigkeit war Robinson vornemlich darauf bedacht, den Verstand seines armen wilden Freundes ein wenig aufzuklären, und ihm nach und nach einige wahre und würdige Begriffe von Gott beizubringen. Wie schwach und irrig Freitags Religionserkentniss war, möget ihr aus folgendem gespräche zwischen ihm und seinem Herrn ersehen.
Robinson. Sage mir doch, Freund Freitag, weisst du denn wohl, wer das Meer, die Erde, die Tiere und dich selbst erschaffen hat?
Freitag. O ja! Das hat der Toupan getan.
Robinson. Wer ist denn Toupan?
Freitag. I, der Donnerer!
Robinson. Aber wer ist denn der Donnerer?
Freitag. Ein alter, alter Man, der länger, als alle Dinge, lebt, und der den Donner macht. Er ist viel älter, als Sonne, Mond und Sterne; und alle Dinge sagen O zu ihm. (Das sollte so viel heissen, als: Alle beten ihn an.)
Robinson. Kommen denn die Leute in deinem vaterland irgendwo hin, wenn sie sterben?
Freitag. Freilich tun sie das; sie kommen zum Toupan.
Robinson. Wo ist denn der?
Freitag. Er wohnt auf hohen Gebirgen.
Robinson. Hat denn jemand ihn da gesehen?
Freitag. Es komt keiner zu ihm hinauf, als die Owokakee's; (dieser Nahme sollte so viel, als Priester bedeuten.) Diese sagen O zu ihm und erzählen uns denn wieder, was er gesprochen hat.
Robinson. Haben denn die Leute, wenn sie nach dem tod zu ihm kommen, es gut bei ihm?
Freitag. O ja, wenn sie hier recht viel Feinde geschlachtet und aufgegessen haben!
Robinson erschrak vor diesem kläglichen Irtume; und fing von dem augenblicke an, ihm bessere Begriffe von Gott und von dem Leben nach dem tod mitzuteilen. Er lehrte ihn, dass Gott ein unsichtbares, höchst mächtiges, höchst weises und gütiges Wesen sei; dass er Alles, was da ist, erschaffen habe, und für alles sorge; er selbst aber habe nie einen Anfang genommen; dass er überal zugegen sei, und wisse alles, was wir denken, reden und tun; dass er Wohlgefallen am Guten finde und alles Böse verabscheue; dass er daher hier und im ewigen Leben nur diejenigen glücklich machen könne, die sich von ganzem Herzen bestrebt hätten, gut zu werden.
Freitag hörte diese erhabene und trostreiche Lehre mit ehrerbietiger Aufmerksamkeit an und prägte sie tief in sein Gedächtniss ein. Er wolte immer mehr davon wissen, und weil Robinson eben so begierig war, ihn zu lehren, als er zu lernen: so sah er in kurzer Zeit die vorzüglichsten Religionswahrheiten so deutlich und so überzeugend ein, als sein Lehrer sie ihm vortragen konte. Von der Zeit an schäzt' er sich unendlich glücklich, aus seinem vaterland auf diese Insel verschlagen zu sein, und er machte selbst die Anmerkung, dass der liebe Gott es doch recht gut mit ihm gemeint habe, da er ihn in die hände seiner Feinde hätte fallen lassen, weil er sonst wohl nie mit Robinson würde bekant geworden sein. »Und dan, sezt' er hinzu, hätt' ich diesen guten Gott in diesem Leben wohl niemals kennen gelernt!«
Von jetzt an verrichtete Robinson sein Gebet immer in Freitags Gegenwart und es war recht rührend anzusehen, mit welcher freudigen Andacht dieser ihm nachbetete. Und nun lebten beide so vergnügt und glücklich, als zwei von aller übrigen Geselschaft abgesonderte Menschen nur immer leben können.
So verstrich ihnen denn die Regenzeit, ohne dass sie es merkten. Schon klärte der Himmel sich wieder auf; die Stürme schwiegen, und die schweren Regenwolken waren vorüber gezogen. Robinson und sein treuer Gefährte atmeten wieder eine reine sanfterwärmte Frühlingsluft, fühlten sich beide neugestärkt und schritten daher mit grosser Munterkeit zu dem wichtigen Werke, welches sie