Grasbank fluchten musste, um nicht zerdrükt zu werden.
Vater. Nun, was gibt's, was gibt's denn?
Alle. Eine Bitte! lieber Vater! Eine Bitte!
Vater. Und was denn für eine?
Alle auf einmal. O ich mögte – o ich wolte gern – o und ich –
Vater. Sch! – ja, da verstehe ich kein Wort, wenn ihr alle zugleich sprechen wolt. Rede einer nach dem Andern! Diderich, fange an!
Diderich. Ich und Nikolas und Johannes wolten bitten, dass es uns erlaubt wäre, morgen Mittag nicht zu essen.
Gotlieb. Und ich, und Frizchen und Lotte wolten bitten, dass wir Morgen zum Frühstük nur ein Bischen trokken Brod und den Abend gar nichts essen dürften.
Vater. Und warum das?
Johannes. Ja, wir wollen uns auch gern überwinden lernen.
Nikolas. Und wolten uns üben, ein Bischen Hunger zu ertragen, damit es uns nicht sauer ankomme, wenn wir einmal hungern müssen.
Gotlieb. Ja, und denn wolten wir Vater auch noch bitten, dass es uns erlaubt sein mögte, Morgen Abend nicht zu Bette zu gehen und die ganze Nacht einmal zu wachen.
Vater. Und warum denn das?
Gotlieb. I, weil es doch auch wohl einmal kommen kan, dass wir wachen müssen; damit es uns denn nicht zu schwer werde.
Vater. Ich freue mich, Kinder, dass ihr die notwendigkeit einsehet, sich zuweilen etwas Angenehmes mit Fleiss zu entziehen, um den Mangel desselben, wenn es sein muss, ertragen zu lernen. Das macht stark an Leib und Sele. Eure Bitte sei euch also gewährt, doch unter der Bedingung, dass ihr es recht gern tut, dass ihr vergnügt dabei seid, und dass ihr es frei heraus sagt, wenn's euch zu schwer fallen sollte.
Alle. O es wird uns gewiss nicht zu schwer fallen.
Fr. R. Ich folge eurem Beispiel, ihr Kleinen, und faste Morgen Abend auch.
Fr. B. Und ich dem Eurigen, ihr grösseren; wir fasten zusammen Morgen Mittag, und die Nachtwache halt' ich mit euch Allen!
Vater. Bravo! Bravo! – Nun, ich werde doch nicht allein zurückbleiben auf dem Wege zum Guten? – Hört, wozu ich mich entschlossen habe!
Ihr wisst, dass ich in meiner Jugend sehr verwöhnt worden bin. Man hat mir Kaffee und Tee, Bier und Wein zu trinken gegeben. Aus eigener Narheit habe ich als Jüngling mir den Schnupftabak und Rauchtabak angewöhnt. Das Alles schwächt nun den Körper gar sehr und gibt uns so viel Bedürfnisse, dass uns alle augenblicke etwas fehlt und macht dass wir unzufrieden sind, wenn wir es nicht haben können. Ich habe oft Kopfschmerzen; vermutlich würde' ich sie nicht haben, wenn ich nicht von Jugend auf an warme und erhizende Getränke wäre gewöhnt worden. Dies und das Beispiel unsers Robinsons hat mich dan zu der Entschliessung gebracht, von nun an auf Alles dies Verzicht zu tun. Also von heute an, rauche und schnupfe ich keinen Tabak mehr; von heute an, trinke ich keinen Tee, keinen Kaffe, kein Bier und keinen Wein mehr, ausser an Geburtstagen und andern Freudenfesten, da wir gemeinschaftlich ein wenig Wein trinken wollen, um uns auch über diese Gottesgabe zu freuen und dem Geber derselben dafür zu danken.
Es wird mir sauer werden, dies Gelübde zu erfüllen, weil ich schon so lange verwöhnt gewesen und nun schon so alt bin. Aber mag's! desto grösser wird auch nachher meine Freude sein, wenn ich's doch werde erfült haben. Auch die Leute werden viel dawider einzuwenden haben; der Eine wird sagen: »der will den Sonderbaren machen, will dem Diogenes [Fussnote] nachäffen!« Der Andere: »der Man ist hipochondrisch, findet ein Vergnügen daran sich selbst zu quälen!« So werden die guten Leute sprechen; aber, lieben Kinder, wenn man etwas tun will, was vor Gott und vor unserm eigenen Gewissen recht und gut ist, so muss man niemals fragen: was werden die Leute dazu sagen? man muss vielmehr die Leute sagen lassen, was sie wollen, und selbst tun, was man als recht erkant hat. Auch die ärzte werden den Kopf über mich schütteln, werden mir, ich weiss nicht was für Krankheiten profezeihn, weil ich aufhören will krank an Leib und Seele zugleich zu sein: aber, lieben Kinder, wenn man Herz genug hat, auf den Weg der natur zurück kehren zu wollen, so muss man nicht die ärzte um Rat fragen, welche selbst davon abgewichen sind.
Ich habe geglaubt, dass es gut wäre, euch dies Alles vorher zu sagen, damit ihr aus meinem Beispiele lernen mögtet, dass man viel kan, wenn man viel will, und dass keine böse Gewohnheit so stark sei, dass wir sie mit Gottes hülfe nicht sollten überwinden können, wenn es nur ein rechter Ernst damit ist. –
Nun, Kinder, zum Anfang werden diese Uebungen in der Entaltsamkeit und Selbstbekämpfung, die wir jetzt beschlossen haben, schon hinreichend sein. Haben wir diese glücklich überstanden, so wird uns jede folgende Uebung leichter werden. Also – es bleibt dabei, jeder tut, wozu er sich freiwillig entschlossen hat; und nun wieder zu unserm Robinson!
Der Zustand desselben, war jetzt glücklicher, als er, seit seiner Ankunft auf dieser