, nennen sie dan einen Zauberer oder Hexenmeister, und wenn's ein Frauenzimmer ist, eine Zauberin oder Hexe.
Wenn zum Beispiel einem armen unwissenden Landmann plözlich ein Pferd oder eine Kuh krank wird, ohne dass ihm die Ursache dieser Krankheit bekant ist: so gerät er leicht auf den dummen Gedanken, dass irgend ein Hexenmeister oder eine Hexe im dorf sei, die sein Pferd oder seine Kuh bezaubert, das heisst, durch hülfe eines unsichtbaren bösen Geistes krank gemacht hätten. Da gibt's denn gemeiniglich auch einen listigen und boshaften Betrüger, der sich der Unwissenheit und des Aberglaubens dieser armen Leute zu Nuze macht, um Geld von ihnen zu ziehen. Ein solcher Betrüger bestärkt sie darauf in ihrem Aberglauben; weiss sich eine wichtige Miene zu geben; sagt, sie hätten ganz recht, das Tier wäre wirklich behext; aber, wenn sie ihm nur so oder so viel Geld geben wolten, so wäre er im stand, das Tier wieder zu entzaubern, oder den Zauberer und den bösen Geist zu zwingen, davon abzulassen. Das tun denn diese einfältigen Leute, und der Teufelsbanner (so nennen sie den Betrüger) macht dafür allerlei närrische Gaukeleien. Wird das Vieh dan etwa zufälliger Weise wieder gesund: so schwören sie darauf, dass es wirklich behext gewesen, aber von dem klugen mann (so pflegen sie den Betrüger auch wohl zu nennen) wieder entzaubert worden sei. Stirbt das Vieh aber doch; nun so hat der kluge Man tausend Ausreden, wodurch er dem volk begreiflich zu machen weiss, warum seine Bannung ohne seine Schuld fruchtlos geblieben sei.
Je dummer die Menschen sind, desto mehr sind sie diesem schädlichen Aberglauben ergeben. Ihr könt also denken, dass er vornemlich unter den Wilden im Schwange gehen muss. Alles, was diese mit ihrem einfältigen verstand nicht begreifen können, das schreiben sie den Wirkungen böser Geister zu; und dies war der Fal worin sich unser Freitag jetzt befand.
Nie hatte' er gehört oder erfahren, dass man wasser heiss machen könne; nie hatte' er auch gefühlt, wie es tut, wenn man die Hand in kochendes wasser stekt: er konte also auch schlechterdings nicht begreifen, woher die so sehr schmerzhafte Empfindung komme, die ihn plözlich überfiel, so bald das kochende wasser seine Hand berührte. Er glaubte also steif und fest, dass es mit Zauberei zugehe und dass sein Herr ein Hexenmeister sei.
Nun, Kinder, – macht euch nur darauf gefasst, – es wird euch künftig auch wohl einmal eins und das Andere vorkommen, dessen Ursache ihr nicht werdet begreifen können. Ihr werdet Taschenspieler und Gaukler sehen, die wunderseltsame Dinge machen können, die z. B. dem Scheine nach, einen Vogel in eine Maus verwandeln, einen geköpften Vogel wieder lebendig machen können u. s. w. ohne, dass ihr bei der grössten Aufmerksamkeit im stand seid, die Gaukelei zu entdekken; wenn euch denn auch etwa der Gedanke anwandeln sollte: das geht nicht mit rechten Dingen zu; das muss ein Hexenmeister sein! so erinnert euch unsers Freitags und seid versichert, dass es euch eben so, wie ihm geht, dass ihr nämlich aus Unwissenheit etwas für uebernatürlich haltet, was im grund sehr natürlich zu geht. Um euch noch mehr darauf vorzubereiten, wollen wir euch gelegentlich einige solcher Taschenspielerkünste erklären, damit ihr von diesen auf andere schliessen könt.
Es kostete, wie gesagt, viele Mühe, den armen Freitag zu beruhigen und ihn zu bewegen, sich wieder zu dem Braten zu sezen, um ihn zu wenden. Zwar tat er dies endlich, aber den Topf sah er noch immer mit Grausen und seinen Herrn, den er nun für ein unmenschliches Wesen hielt, mit furchtsamer Ehrerbietung an. In diesem Glauben bestärkte ihn die europäische weisse Gesichtsfarbe und der lange Bart desselben, wodurch er ein ganz anderes Ansehen erhielt, als Freitag nebst seinen schwarzbraunen und unbärtigen Landsleuten hatten.
Nikolas. Haben denn die Wilden in Amerika keinen Bart?
Vater. Nein! man hat daher fast durchgängig geglaubt, dass die natur den Amerikanischen Männern den Bart versagt habe: jetzt aber will man bemerkt haben, dass sie ihn bloss deswegen nicht haben, weil sie die Haare des Kinnes, so bald sie hervorwachsen, sorgfältig auszuraufen pflegen.
Suppe, Kartoffeln und Braten waren jetzt gar. Da es an Löffeln fehlte, so goss Robinson zwei Porzionen Suppe in zwei andere Töpfe, um sie aus diesen zu trinken. Aber Freitag war durchaus nicht zu bewegen, einen derselben anzunehmen, weil er die Suppe für einen Zaubertrank hielt; und es schauderte ihn, da er Robinson ansezen, und die bezauberte Brühe trinken sah. Von dem Braten hingegen und von den Kartoffeln ass auch er mit grossem Wohlgefallen.
Wie sehr der Genuss warmer und nahrhafter speisen unsern Robinson erfreuen muste, könt ihr euch vorstellen. Er vergass darüber aller ausgestandnen Mühseeligkeiten der verflossenen kümmerlichen Jahre, vergass, dass er noch immer auf seiner Insel sei, glaubte in ein ander Land, glaubte wieder mitten in Europa versezt zu sein. So weiss die gütige Vorsehung die Wunden unsers Herzens, die sie zu unserm Besten schlug, und die wir in der Empfindung des Schmerzens für unheilbar hielten, oft in einem einzigen augenblicke durch den Balsam unverhofter Freuden gänzlich wieder zu heilen! Ob übrigens Robinson im Genuss dieser neuen Gottesgaben auch an den Geber derselben mit Lieb' und Dankbarkeit gedacht habe, brauch ich euch wohl nicht erst zu sagen.
Nach der Mahlzeit lagert