, dass die Milch der Tiere wohl eine nahrhafte und gesunde Speise sei. Noch nie hatte' er Milch gekostet und war daher ganz entzükt über den angenehmen Geschmak derselben, da ihm Robinson davon zu kosten gab.
Nach alle dem, was beide an diesem Tage ausgestanden hatten, sehnten sie sich nun nach Schlaf und Ruhe. Robinson gebot daher seinen Vasallen zu Bette zu gehen; er selbst tat ein Gleiches. Doch vergass er nicht, ehe er sich schlafen legte, Gott für die Abwendung der Gefahren des Tages, und für die Zuführung eines menschlichen Gehülfen inbrünstig zu danken.
Siebzehnter Abend.
Johannes. Nun sol mich doch verlangen zu hören, was Robinson mit seinem Freitag alles vornehmen wird!
Diderich. O nun wird er schon viel mehr machen können, als vorher, weil er jetzt einen Gehülfen hat!
Vater. Ihr werdet immer mehr sehen, Kinder, was für grosse Vorteile dem Menschen durch die Geselligkeit zufliessen, und wie viel Ursache wir also haben, Gott zu danken, dass er den Trieb nach Umgang und Freundschaft mit andern Menschen uns so tief eingepflanzt hat!
Das erste, was Robinson mit seinem Freitag am andern Morgen vornahm, war ein gang nach der Stelle, wo die Wilden den Tag vorher ihre unmenschliche Siegesmahlzeit gehalten hatten. Im Hingehen kamen sie zu nächst an den Ort, wo die beiden von Robinson erschlagenen Wilden verschart lagen. Freitag zeigte seinem Herrn die Stelle, und liess sich nicht undeutlich merken, dass er wohl Lust hätte, die toten Leiber wieder auszugraben, um eine Mahlzeit davon zu halten. Aber Robinson machte ein erschrekliches, Unwillen und Abscheu ausdrükkendes Gesicht, hob seine Lanze drohend empor, und gab ihm zu verstehen, dass er ihn auf der Stelle tödten wurde, sobald er sich jemahls wieder einfallen liesse, Menschenfleisch zu essen. Freitag verstand die Drohung, und unterwarf sich demütig dem Willen seines Herrn, ungeachtet er nicht begreifen konte, was er doch für Ursachen haben mögte, ihm ein Vergnügen zu versagen, von dessen Abscheulichkeit er ganz und gar keinen Begrif hatte.
jetzt waren sie bei der Feuerstelle angekommen. Welch ein anblick! Hier lagen Knochen, dort halb zernagte Fleischstükken von Menschen und an verschiedenen Stellen war der Boden mit Blut gefärbt. Robinson muste seine Augen davon abkehren. Er befahl Freitag, alles auf einen Haufen zu werfen, dan ein Loch in die Erde zu graben, und die traurigen Ueberbleibsel der Unmenschlichkeit seiner Landsleute darin zu verscharren; und Freitag gehorchte.
Robinson suchte unterdessen mit grosser Sorgfalt die Asche durch, ob nicht vielleicht ein Fünkchen Feuer mögte übrig geblieben sein? Aber umsonst. Es war gänzlich erloschen. Das war nun sehr traurig für ihn; denn nachdem der Himmel ihm einen Geselschafter verliehen hatte, blieb ihm vor der Hand fast nichts zu wünschen übrig, als – Feuer. Indem er nun mit gesenktem kopf da stand und mit traurigen Blikken die tote Asche betrachtete: machte Freitag, der ihm eine Zeitlang aufmerksam zugesehen hatte, einige ihm unverständliche Zeichen, ergrif darauf plözlich das Beil, rante wie der Wind nach dem wald und liess Robinson, der seine Absicht nicht begrif, vol Verwunderung über dieses plözliche Weglaufen zurück.
»Was ist das?« dachte' er, indem er vol Erstaunen ihm nachsahe. »sollte der Undankbare dich verlassen, dich sogar deines Beils berauben wollen? Solt' er grausam genug sein, sich deiner wohnung zu bemächtigen, dich mit Gewalt davon ausschliessen, oder gar dich seinen unmenschlichen Landsleuten verraten zu wollen?« – »Schändlich! Schändlich!« rief er aus, und ergrif von Unwillen, über eine so unerhörte Undankbarkeit entbrannt, den Spiess, um dem Verräter nachzulaufen und ihn zu hindern, seine schwarzen Anschläge auszuführen.
Schon hatte' er mit schnellen Schritten sich auf den Weg gemacht, als er plözlich Freitag in vollem Laufe wieder zurückkommen sah. Robinson blieb betroffen stehen, und sah mit Verwunderung, dass sein vermeinter Verräter im Herzulaufen eine handvol dürres Gras in die Höhe hielt, aus welchem Rauch empor stieg. jetzt fasst' es Flamme; Freitag warf es zur Erde, legte augenbliklich noch mehr troknes Gras und etwas Reisholz hinzu und Robinson sah zu seinem freudigem Erstaunen in demselben augenblicke ein helles, lustiges Feuer auflodern. Auf einmal war ihm Freitags plözliches Weglaufen begreiflich; und vor Freude ausser sich fiel er ihm um den Hals, drückte und küsste ihn mit Inbrunst, und bat in Gedanken ihn tausendmahl um Verzeihung, dass er einen so ungegründeten Verdacht auf ihn geworfen hatte.
Nikolas. Aber wo mogte denn Freitag das Feuer her gekriegt haben?
Vater. Er war mit dem Beile in den Wald gerant, um von einem troknen Stamme zwei Holzstükke abzuhauen. Diese hatte' er so geschwind und so geschikt zu reiben gewust, dass sie sich entzündeten. Dan hatte er hurtig das glimmende Holz in etwas Heu gewikkelt, und war mit diesem Heu in der Hand so schnel, als möglich, davon gerant. Durch die geschwinde Bewegung geriet das entzündete Heu in Flammen.
Fr. R. Da hat mir unser Freund Robinson einmal wieder gar nicht gefallen!
Johannes. Warum nicht?
Fr. R. Darum nicht, dass er, ohne hinlängliche Anzeigen von Freitags Untreue zu haben, so gleich einen so schwarzen Argwohn gegen ihn fasste. Fi! wer wolte wohl so mistrauisch sein!
Johannes. Ja, es hätte aber doch wohl sein können, dass es wahr gewesen wäre, was er besorgte; und da must' er