so lose, dass er auch gekapt und über Bord geworfen werden muss!«
»Wir sind verloren! schrie eine andere stimme aus dem Schifsraume herauf. Das schiff hat einen Lek bekommen; das wasser steht schon vier Fuss hoch im schiff!«
Robinson, der in der Kajüte auf den Boden sass, sank bei diesen Worten rüklings nieder, und fiel in eine tiefe Ohnmacht. Alle andere liefen nach den Pumpen, um das schiff, wo möglich, flot, das heisst, über dem wasser, zu erhalten. Endlich kam ein Matrose; schüttelte ihn und rief ihm zu: ob er denn allein müssig da liegen wolte, indess alle andere Leute im Schiffe sich zu tod arbeiten müsten?
Er rafte sich also auf, so schwach er auch war, und stelte sich mit an eine der Pumpen. Indess liess der Schiffer einige Kanonen abbrennen, um andern Schiffen, die sich etwa in der Nähe befinden mögten, ein Zeichen zu geben, dass er sich in Not befinde. Robinson, der nicht wuste, was der Knal zu bedeuten habe, glaubte das schiff wäre geborsten, und sank von neuem in Ohnmacht. Ein Matrose, der an seine Stelle trat, stiess ihn aus dem Wege und liess ihn für tot liegen.
Man pumpte mit Macht; allein das wasser im Schifsraum stieg immer höher und man erwartete schon den augenblick, da das schiff untersinken werde. Um es zu erleichtern wurde alles, was nur einigermassen entbehrt werden konte, Kanonen, Ballen, Fässer u. s. w. über Bord ins Meer geworfen. Aber das wolte alles nicht helfen.
Indess hatte ein anderes schiff die Notschüsse gehört, und schikte ein Boot ab, um die Leute, wo möglich, zu retten. Aber dieses Boot konte nicht heran kommen, weil die Wellen gar zu hoch gingen. Endlich kam es dem Hinterteile des Schiffes so nahe, dass man den Leuten, die darein waren, ein Tau zu werfen konte. Durch hülfe desselben zogen sie das Boot heran; und nun sprang alles, was Füsse hatte, hinein, um sich zu retten. Robinson, der nicht auf den Füssen stehen konte, wurde von einigen mitleidigen Matrosen gleichfalls hinein geworfen.
Kaum waren sie eine kleine Strekke von dem Schiffe weggerudert: so sahen sie es vor ihren Augen sinken. Glücklicher Weise fing um diese Zeit der Sturm an, sich ein wenig zu legen: sonst würde das Boot, worin nun so viele Menschen sassen, gewiss von den Wellen sein verschlungen worden. Unter vielen Gefahren kam es endlich bei dem Schiffe, wozu es gehörte an, und alle wurden in dasselbe aufgenommen.
Gotlieb. Ach! das ist gut, dass die armen Menschen doch nicht ertrunken sind!
Nikolas. Ich bin recht angst gewesen.
Lotte. Das wird den Monsieur Robinson lehren, dass er künftig nicht wieder so dum Zeug anfängt!
Mutter. Das denke' ich auch; nun wird er wohl kluger geworden sein?
Diederich. Wo blieb er denn nun?
Vater. Das schiff, welches ihn und die Andern aufgenommen hatte, segelte nach London. Vier Tage darauf war es schon bei der Mündung der Temse und nicht lange darnach lag es bei der Stadt London vor Anker.
Frizchen. Was ist das, die Mündung der Temse?
Freund R. Die Temse ist ein Strom, wie unsere Elbe, der nicht weit von London ins Meer fliesst. Der Ort, wo ein Strom ins Meer fält, wird die Mündung desselben genant.
Vater. Alle gingen nunmehr ans Land, und jeder freute sich, dass er so davon gekommen war.
Robinson hatte nun genug zu tun, die grosse Stadt London zu besehen, und vergass darüber das Vergangene und das Zukünftige. Endlich erinnerte ihn sein Magen, dass er auch was zu Essen haben müste, wenn er in der grossen Stadt London leben wolte. Er ging also hin zu dem Schiffer, mit welchem er gekommen war, und bat ihn, dass er ihn mögte mit sich speisen lassen.
Dieser war bereit, ihn gastfreundlich aufzunehmen. Während dem Essen fragte er unsern Robinson, warum er denn eigentlich hieher gekommen sei? und was er nun hier vorzunehmen gedächte?
Da erzählte ihm Robinson offenherzig, dass er bloss zur Lust und zwar ohne Wissen seiner Eltern diese Reise getan habe, und dass er nun nicht wisse, was er anfangen solle.
»Ohne Wissen ihrer Eltern?« rief der Schiffer ganz erschrokken aus, indem ihm das Messer aus der Hand fiel. »Guter Gott! warum muste ich das doch nicht eher erfahren!« »Glauben Sie mir, unbesonnener junger Mensch, fuhr er fort, hätte ich das zu Hamburg gewust, ich würde sie nicht mitgenommen haben, und wenn sie mir eine Tonne Goldes zur Belonung angeboten hätten!«
Robinson sass beschämt und schlug die Augen nieder.
Der ehrliche Schiffer fuhr fort, ihm sein grosses Unrecht vorzustellen, und sagte: er sei versichert, dass es ihm unmöglich wohl gehen könne, bis er sich gebessert und von seinen Eltern Vergebung erlangt hätte. Robinson weinte seine bittern Tränen.
Aber, was sol ich denn nun machen? fragte er endlich, mit vielem Schluchzen.
»Was sie machen sollen? antwortete der Schiffer; – zurück zu ihren Eltern sollen sie; ihre Knie umfassen und mit kindlicher Reue sie um Verzeihung ihrer Unbesonnenheit bitten.«
Lotte. Das war doch ein recht guter Man, der Schiffer; nicht wahr,