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vor ihm nieder, legte seinen Kopf abermals plat auf die Erde, und sezte eben so, wie er es das erstemahl gemacht hatte, seines Befreiers Fuss auf seinen Nakken.

Robinsons Herz, welches die Freude über einen so lange gewünschten Geselschafter und Freund kaum fassen konte, hätte sich lieber durch Liebkosungen und zärtliche Umarmungen ergossen: aber der Gedanke, dass es zu seiner eigenen Sicherheit gut sei, den neuen Gastfreund, dessen Gemütsart er noch nicht kante, eine Zeitlang in den Schranken einer ehrerbietigen Unterwerfung zu erhalten, bewog ihn, die Huldigung desselben, als etwas, welches ihm gebühre, anzunehmen, und eine Zeitlang den König mit ihm zu spielen. Er gab ihm also durch Zeichen und Gebehrden zu verstehen, dass er ihn zwar in seinen Schuz genommen habe, aber nur unter der Bedingung eines strengen Gehorsams: dass er sich also müsse gefallen lassen, alles das zu tun oder zu lassen, was er, sein Herr und König ihm zu befehlen oder zu verbieten für gut erachten wurde. Er bediente sich dabei des Worts Katschike, womit die wilden Amerikaner ihre Oberhäupter zu benennen pflegen, wie er sich glücklicher Weise erinnerte, einmal gehört zu haben.

Mehr durch dieses Wort, als durch die damit verbundenen Zeichen, verstand Freitag die Meinung seines Herrn und äusserte seine Zufriedenheit darüber, indem er das Wort Katschike einige mahl mit lauter stimme widerholte, dabei auf Robinson wies und sich von neuem ihm zu Füssen warf. Ja, um zu zeigen, dass er recht gut wisse, was es mit der königlichen Gewalt zu bedeuten habe, ergrif er den Spiess, gab ihn seinem Herrn in die Hand, und sezte die Spize desselben sich selbst auf die Brust, vermutlich um dadurch anzuzeigen, dass er mit Leib und Leben in seiner Macht stehe. Robinson reichte ihm hierauf mit der Würde eines Monarchen freundlich die Hand zum Zeichen seiner königlichen Huld, und befahl ihm abermals, sich zu lagern, um die Abendmahlzeit mit ihm einzunehmen. Freitag gehorchte; doch so, dass er sich zu seinen Füssen auf den flachen Boden niedersezte, indess Robinson auf einer Grasbank sass.

Seht, Kinder, auf diese oder auf eine ähnliche Weise sind die ersten Könige in der Welt entstanden. Es waren Männer, die an Weisheit, an Mut und an Leibesstärke andern Menschen überlegen waren. Daher kamen diese zu ihnen, um sie zu bitten, sie gegen wilde Tiere, deren es anfangs mehr gab, als jetzt, und gegen solche Menschen zu beschüzen, die ihnen Unrecht tun wolten. – dafür versprachen sie dan, ihnen in allen Stükken gehorsam zu sein, und ihnen von ihren Heerden und von ihren Früchten jährlich etwas abzugeben, damit sie selbst nicht nötig hätten, sich ihren Unterhalt zu erwerben, sondern sich ganz allein mit der sorge für ihre Untertanen beschäftigen könnten. Diese jährliche Gabe, welche die Untertanen dem König zu bringen, versprachen, nante man dan den Tribut oder die jährlichen Abgaben. So entstand die königliche Gewalt; so die Pflicht des Gehorsams und der Unterwürfigkeit gegen einen oder mehrere Menschen, in deren Schuz man sich begeben hat.

Robinson war also nunmehr ein wirklicher König, nur dass seine Herschaft sich nicht weiter, als über einen einzigen Untertan und einige Lamas erstrekte; den Papagai mit einbegriffen. Seine Majestät geruhete indess sich zu ihrem Vasallen so sehr herabzulassen, als es ihre Würde nur immer gestatten wolte.

Frizchen. Was ist das, ein Vasal?

Vater. Eben so viel, als Untertan, lieber Friz. –

Nach aufgehobner Tafel geruhete seine Majestät in hohen Gnaden zu verordnen, wie es mit dem Nachtlager gehalten werden sollte. Sie fand für gut, ihren Untertander nun zugleich auch ihr erster Staatsminister, und ihr Kammerdiener, ihr General und ihre Armee, ihr Kammerherr, Oberhofmarschal, und Kastelan war, vor der Hand noch nicht in ihrer eigenen Höhle, sondern in ihrem Keller schlafen zu lassen, weil sie es für bedenklich hielt, ihr Leben und das geheimnis des verborgenen Ausganges aus der Höhle einem Neuling anzuvertrauen, dessen Treue noch nicht geprüft und also auch noch nicht bewährt gefunden war. Freitag erhielt also die Anweisung, etwas Heu in den Keller zu tragen, um sich ein Lager daraus zu bereiten, indess seine Majestät selbst, um mehrerer Sicherheit willen, alle Waffen in ihr eigenes Schlafgemach trug.

Dan geruhete sie im Angesicht ihres ganzen Reichs ein Beispiel von Herablassung und Demut zu geben, welches vielleicht das einzige in seiner Art ist. Ihr werdet darüber erstaunen, und ihr würdet es für unglaublich halten, wenn ich euch nicht versicherte, dass es in den Jahrbüchern der Regierung unsers Robinsons mit klaren Worten gelesen werde und durch dieselben schon längst weltkündig geworden sei. Könt ihr es glauben: Robinson, der Monarch, Robinson, der unumschränkte König und Beherscher der ganzen Insel, Robinson, der Herr über das Leben und den Tod aller seiner Untertanen, verrichtete vor Freitags Augen das Amt einer Stalmagd, und molk mit eigener hoher Hand, die im Hofraum befindliche Lama's, um seinem Premierminister, dem er dies Geschäft künftig zu übertragen beschlossen hatte, zu zeigen, wie er es machen müsse! –

Hier hielt der Vater ein, um dem allgemeinen Gelächter Raum zu geben, welches dieser possierliche Umstand erregt hatte. Dan fuhr er folgendermassen fort:

Freitag wuste noch nicht, was das, was er seinen Herrn verrichten sah, zu bedeuten habe; denn sein und seiner Landsleute schwacher Verstand war noch nicht darauf verfallen