seinen Herrn nach der Sommerlaube begleitet hatte: so sucht' er ihn hier auf. Robinson hatte ihm aber die Worte, die er jetzt aussprach, zu mehreren mahlen vorgesagt, und also hatte' er sie behalten.
Wie froh war Robinson die Ursache seines abermahligen Schrekkens entdekt zu haben! Er strekte seine Hand aus, rief Pol! und flugs hüpfte das vertrauliche kurzweilige Ding herab auf seinen Daumen, legte den Schnabel an seine Bakken und fuhr fort zu schwazen: Robinson, armer Robinson, wo bist du gewesen?
Fast die ganze Nacht hindurch konte Robinson vor Furcht und sorgsamen Gedanken kein Auge zu tun. Immer stand ihm der grässliche Ort vor Augen, den er gesehen hatte, und vergebens bemühete er sich, seine Einbildungskraft davon abzuziehen. O zu was für törigten und schädlichen Entschliessungen schreitet der Mensch, wenn die Leidenschaften erst einmal seinen Verstand verfinstert haben! Robinson fasste hundert Anschläge sich zu retten, wovon der eine immer noch unweiser, als der andere war. Unter andern – könt ihr es glauben? – beschloss er, sobald es Tag geworden wäre, alles zu zerstören, was er bis jetzt mit so viel sauerm Schweisse gemacht hatte. Er wolte die Laube, worin er jetzt lag, dan die Verzäunung vor derselben, einreissen und seine Lama's laufen lassen, wohin sie wolten. Dan wolte er eine gleiche Verwüstung mit seiner ordentlichen wohnung vornehmen und die schöne Baumwand zernichten, die er vor derselben angelegt hatte. Endlich wolt' er auch seine Gärten und Pflanzungen gänzlich zerstören, damit auf der ganzen Insel gar keine Spur irgend eines von Menschenhänden gemachten Werkes übrig bliebe.
Johannes. I, warum denn das?
Vater. Damit die Wilden, wenn sie etwa einmal in diese Gegend kämen, gar nicht merken könnten, dass ein Mensch da sei.
jetzt wollen wir ihn seinen unruhigen Gedanken überlassen, weil wir ihm doch nicht helfen können; und indem wir uns auf unser eigenes sicheres Lager legen, wollen wir unsern freudigen Dank dem guten Gotte bringen, der uns in einem land gebohren werden liess, wo wir unter gesitteten, uns liebenden und helfenden Menschen leben, und nichts von wilden Unmenschen zu besorgen haben.
Alle. Gute Nacht, Vater! Und Dank für die schöne Erzählung!
Funfzehnter Abend.
Der Vater fuhr fort:
Kinder, es ist ein wahres Sprichwort: guter Rat komt Morgen. Das können wir aus Robinsons Beispiel lernen.
Ihr wisset, welche törigte Entschliessungen ihm gestern seine unmässige Furcht eingab. Wohl bekam es ihm, dass er die Ausführung derselben auf den morgenden Tag verschieben muste: denn kaum hatte das liebliche Tageslicht die dunkeln Schatten der Nacht vertrieben, als er die Dinge von einer ganz andern Seite betrachtete. Was er gestern für gut, weise und notwendig hielt, das schien ihm jetzt schlecht, törigt, und unnötig zu sein. Mit einem Worte, er verwarf alle die übereilten Anschläge, welche die Furcht ihm eingeflösst hatte, und fasste andere, welche von der Vernunft gebilliget wurden.
Sein Beispiel, lieben Kinder, diene euch zur Warnung, dass ihr in Dingen, die einigen Aufschub leiden, nie gleich von der ersten Entschliessung unmittelbar zur Tat schreitet, sondern vielmehr wenn es sein kan, die Ausführung auf den folgenden Tag verschiebet.
Robinson fand jetzt, dass seine gestrige Furcht übertrieben gewesen sei. »Ich bin nun schon so lange hier, dachte' er bei sich selbst, und noch nie ist ein Wilder in die Gegend meiner wohnung gekommen. Beweis genug, dass auf der Insel selbst keine leben müssen. Aller Wahrscheinlichkeit nach, kommen also nur zuweilen einige derselben von einer andern Insel herüber, um hier ihre Siegesfeste zu feiern und ihre unmenschlichen Mahlzeiten anzustellen; und vermutlich landen diese immer auf dem südlichen Ende der Insel, und fahren wieder ab, ohne sich weiter auf derselben umzusehen. Das ist also abermals ein grosser Beweis von der Güte der götlichen Vorsehung, dass ich grade an diesen unfruchtbaren teil der Insel habe müssen geworfen werden, welcher der sicherste für mich war. Wie solt' ich ihr denn nicht zutrauen dürfen, dass sie auch ferner mich beschützen und vor Gefahren behüten werde, da ihre weisen und guten Führungen bis hieher so sichtbar gewesen sind!«
Hier macht' er sich selbst die bittersten Vorwürfe, dass er bei seiner gestrigen übertriebenen Furcht so wenig Vertrauen auf Gott bewiesen habe; warf sich reuevoll auf seine Knie und bat um Verzeihung dieser seiner abermahligen Verschuldung. Dan trat er neugestärkt den Weg zu seiner wohnung an, um dasjenige ins Werk zu richten, was er nunmehr beschlossen hatte.
Johannes. Was wolt' er denn nun tun?
Vater. Er wolte nur noch einige Veranstaltungen zu seiner grösseren Sicherheit treffen; und darin handelte er überaus vernünftig. Denn ungeachtet wir der götlichen Vorsehung zutrauen müssen, dass sie, wenn wir nach ihrem heiligen Willen zu leben uns bestreben, uns in keiner Not verlassen werde: so müssen wir doch auch von unserer Seite nichts versäumen, was zu unserer Sicherheit und zu unserm Glückke etwas beitragen kan. Denn dazu hat eben der liebe Gott uns unsern Verstand und alle andere Kräfte unserer Sele und unsers Leibes gegeben, dass wir zur Beförderung unserer Glückseeligkeit sie anwenden sollen.
Das erste, was er vornahm, war dieses, dass er in einer kleinen Entfernung von der Baumwand, die seine wohnung einschloss, einen dichten Wald anlegte, welcher verhindern sollte, dass seine Burg von fern nicht könnte gesehen werden. In dieser Absicht pflanzte er