Acht zu nehmen.
Seht, lieben Kinder, so machte es Robinson, um täglich besser und frömmer zu werden. Ist es euch nun auch ein wirklicher Ernst mit der Ausbesserung eures Herzens. so rate ich euch, ihm darin nachzuahmen. Sezt gleichfalls, so wie er, eine Abendstunde fest, um über eure Aufführung an dem jedesmahl verflossenen Tage im Stillen nachzudenken; und findet sichs, dass ihr etwas gedacht, geredet, oder getan habt, was ihr vor Gott und eurem eigenen Gewissen nicht gut heissen könt: so schreibt es in ein kleines Büchelchen, um euch von Zeit zu Zeit wieder daran zu erinnern, und vor der abermahligen Begehung ebendesselben Fehlers auf immer in acht zu nehmen. So werdet ihr, gleich ihm, von Tage zu Tage besser, und also auch von Tage zu Tage zufriedener und glücklicher werden. –
Hiermit stand der Vater auf; und jeder von der Geselschaft ging allein in einen besonderen gang des Gartens, um den guten Rat desselben sogleich in Erfüllung zu bringen.
Vierzehnter Abend.
Nun, Kinder, – fuhr der Vater am folgenden Abend fort – auf eben die Weise, wie ich euch gestern erzählt habe, lebte unser Robinson einen Tag, wie den andern, drei volle Jahre lang. In dieser ganzen Zeit sezte er seine Schifbauerarbeit unablässig fort; und wie weit meint ihr nun wohl, dass er in der langen Zeit mit dieser seiner Arbeit gekommen sei? – Ach! der Stam war noch nicht einmal zur Hälfte ausgehöhlt, und es schien noch immer sehr zweifelhaft zu sein, ob er, bei aller seiner Arbeitsamkeit, in drei oder vier andern Jahren mit dem ganzen Werke zu stand kommen würde!
Dennoch arbeitete er unermüdet fort: denn was solt' er anders machen? Und etwas zu tun wolt' er und must' er doch nun einmal haben! – Eines Tages aber fiel ihm plözlich ein, dass er diese Insel nun schon so lange bewohne, und gleichwohl erst den kleinsten teil derselben gesehen habe. Das ist doch nicht recht, dachte' er, dass du durch deine Furchtsamkeit dich so lange hast abhalten lassen, eine Reise von einem Ende der Insel bis an das andere zu tun. Wer weiss, was du in andern Gegenden derselben zu deinem Vorteil hättest entdekken können!
Dieser Gedanke wurde so lebendig in seiner Sele, dass er sich auf der Stelle entschloss, die Reise gleich mit Anbruch des folgenden Tages anzutreten.
Nikolas. Wie gross war denn die Insel wohl?
Vater. ungefähr so gross, als das ganze hamburgische Gebiet zusammen genommen, das Amt Rizebüttel nicht mit gerechnet; – etwa vier Meilen lang und zwölf im Umkreise.
Noch an eben demselben Tage machte er alles zu seiner Abreise fertig. Am andern Morgen bepakte er eins seiner Lama's mit Lebensmitteln auf vier Tage, legte seine ganze Rüstung an, empfahl sich dem götlichen Schuze und machte sich getrost auf den Weg. Seine Absicht aber war, sich, so viel möglich, am Strande zu halten, weil er den dichten Wäldern, aus Furcht vor wilden Tieren, noch immer nicht traute.
An diesem ersten Tage seiner Wanderschaft fiel eben nichts Merkwürdiges mit ihm vor. Er machte ungefähr drei Meilen an demselben, und je weiter er kam, desto mehr überzeugte er sich, dass er seinen Aufentalt grade in der unfruchtbarsten Gegend der Insel genommen habe. An vielen Orten fand er Fruchtbäume, die er noch nie gesehen hatte, von denen er aber mit Recht vermutete, dass sie ihm ein gesundes und wohlschmekkendes Nahrungsmittel gewähren wurden. nachher lernte er, mit dem eigentlichen Gebrauch derselben, auch ihre Nahmen kennen. Es befand sich darunter der Brodfruchtbaum, der eine grosse Frucht trägt, welche die Indianer auf mancherlei Weise zuzurichten wissen, und sie dan stat des Brodes essen; ferner der Papiermaulbeerbaum, aus dessen Rinde die Japaneser ein schönes Papier, und die Bewohner der Insel Otaheite ein schönes Sommerzeug zu Kleidern verfertigen, wovon ich euch nachher eine kleine probe zeigen will, die ich aus England erhalten habe.
Die Nacht brachte Robinson aus Furcht vor wilden Tieren auf einem Baume zu; und mit Anbruch des Tages sezt' er seine Reise fort.
Er war noch nicht lange gegangen, als er das äusserste südliche Ende der Insel erreichte. Hier war der Boden an einigen Stellen etwas sandigt. Indem er nun nach der lezten Landspize hingehen wolte: blieb er plözlich, wie vom Donner gerührt, auf einer Stelle stehen, wurde blass, wie die Wand, und zitterte am ganzen leib.
Johannes. Warum denn?
Vater. Er sah, was er hier zu sehen nicht vermutet hatte, – die Fussstapfen eines, oder mehrerer Menschen, im Sande.
Nikolas. Und davor erschrickt er so? Das sollte ihm ja lieb sein!
Vater. Die Ursache seines Schreckens war diese: er dachte sich in diesem augenblicke den Menschen, von dem diese Spur herrührte, nicht als ein mit ihm verbrüdertes, Liebe atmendes Wesen, welches bereit wäre, ihm zu helfen und zu dienen, wo es nur könnte: sondern als ein grausames menschenfeindliches geschöpf, das ihn wütend anfallen, ihn tödten und verschlingen würde. Mit einem Worte: er dachte sich bei dieser Spur keinen gesitteten Europäer; sondern einen wilden menschenfressenden Kannibalen, deren es damahls, wie ihr schon wisst, auf den Karibischen Inseln sol gegeben haben.
Gotlieb. Ja, das glaube' ich; da must' er auch wohl vor erschrecken!
Vater. Aber