ich ganz gewiss, dass es solchen jungen Leuten nicht gut gehen kan in der Welt.
Johannes. No, wir wollen hören, wie's dem Robinson gegangen ist.
Vater. Die Matrosen – das sind die Schifferknechte – zogen die Anker auf, und spanten die Segel; der Wind fing an das schiff zu treiben und der Schiffer sagte der Stadt mit sechs Kanonenschüssen Adieu! Der junge Robinson war mit seinem Freunde auf dem Verdekke und war ganz närrisch, vor Freude, dass er nun endlich einmal reisen sollte.
Es war ein angenehmer Tag und der Wind blies so günstig, dass sie in kurzer Zeit die Stadt Hamburg aus den Augen verloren. Am folgenden Tage kamen sie schon bei Ritzebüttel an, wo die Elbe sich ins Meer ergiesset. Und nun ging's in die offenbare See.
Was der Robinson für Augen machte, da er vor sich nichts als Luft und wasser sah! Das Land, wo er hergekommen war, verschwand schon nach und nach aus seinen Augen. jetzt konte er nur noch den grossen Leuchteturm sehen, den die Hamburger auf der Insul Heiligeland unterhalten. Nun verschwand auch dieser, und nun sah er über sich nichts, als Himmel, und um sich nichts, als wasser.
Gotlieb. Das mag aussehen!
Freund R. Kanst es vielleicht bald einmal zu sehen kriegen!
Gotlieb. O wollen wir hingehen?
Freund R. Wenn ihr recht aufmerksam seid, indem wir euch die Erdbeschreibung lehren, dass ihr lernt, wo man hingehen muss, um von einem Orte zum andern zu kommen –
Vater. Ja, und wenn ihr durch Arbeitsamkeit und Mässigkeit im Essen und Trinken euch täglich abhärtet, dass ihr so eine Reise aushalten könt: so machen wir schon einmal einen kleinen Spazziergang nach Travemünde, wo die Ostsee angeht –
Alle. Oh! oh!
Vater. – sezzen uns da auf ein schiff, und lassen uns ein Paar Meilen weit ins Meer hinein fahren.
Alle sprangen auf, hingen sich dem Vater an Hals, arme und Knie und drükten ihre Freude durch Liebkosungen, durch Händeklatschen und durch Hüpfen und Springen aus.
Mutter. Nehmt ihr mich auch mit?
Lotte. Ja, wenn du so weit gehen kanst! – Das ist aber weit hin – nicht wahr Vater? – wohl noch weiter, als nach Wandsbek, wo Herr Claudius wohnt und noch einer, der ein grosses Haus und einen grossen Garten hat – ach! der ist so gross, so gross! Viel grösser, als unser Garten; ich bin schon da gewesen, nicht wahr Vater! Da wir auf dem feld die bunten Steine suchten und –
Vater. Und das Pflügen ansahen –
Lotte. Ja, und in die Schmiede gingen, die da am Wege lag –
Vater. Und auf die Windmühle hinauf stiegen –
Lotte. Ach! ja, wo mir der Wind den Hut abwehete –
Vater. Den der Müllerjunge dir wiederholte.
Lotte. Das war doch ein guter Junge, nicht wahr, Vater!
Vater. Ein recht guter, der uns gleich etwas zu gefallen tat, ungeachtet er uns vorher niemals gesehen hatte!
Lotte. Du gabst ihm auch was –
Vater. Freilich gab ich ihm was! Guten Menschen, die uns gern etwas zu gefallen tun, sucht jederman wieder Freude zu machen. – Aber wir vergessen unsern Robinson; wir müssen machen, dass wir ihn wieder einholen, sonst verlieren wir ihn aus dem gesicht. Denn seine Fart geht verzweifelt schnel!
Zwei Tage hinter einander hatten sie immer schönes Wetter und immer guten Wind. Am dritten überzog sich der Himmel mit Wolken. Es wurde dunkel und immer dunkler, und der Wind fing an aus vollen Bakken zu blasen.
Bald blizte es, als wenn der ganze Himmel in Feuer stände; bald war es wieder so finster, wie um Mitternacht und der Donner hörte gar nicht auf zu krachen. Der Regen rauschte, wie ein Strom, herab und ein mächtiger Sturmwind wühlte so gewaltig in dem Meere, dass die Wellen, wie Häuser hoch, aufschwollen.
Da hättet ihr sehen sollen, wie das schiff eins ums andere auf und niederschwankte! Bald trug eine hohe Welle es bis zu den Wolken hinauf, bald stürzte es wieder in den tiefen Abgrund hinab; bald lag es auf der einen, bald auf der andern Seite.
Das war ein Lermen zwischen dem Tauwerke! Das war ein Gepolter im Schiffe! Die Leute mussten sich anhalten, wenn sie nicht alle augenblicke umfallen wolten. Robinson, der des Dings noch nicht gewohnt war, wurde schwindlicht, kriegte Uebelkeiten, und wurde so krank, dass er glaubte er müste den Geist aufgeben. Das nennen sie die Seekrankheit.
Johannes. Das hat er nun davon!
Vater. »Ach! meine Eltern! meine armen Eltern!« rief er nun einmal über das andere aus. »Sie werden mich nie wieder sehen! O ich unverständiger Mensch, dass ich sie so betrüben konte!«
Krak! Krak! ging's plözlich auf dem Verdekke. »Himmel, sei uns gnädig!« schrie das Schifsvolk und ward blass, wie der Tod und rang verzweiflungsvol die hände. »Was ist?« rief Robinson, der vor Schrekken beinahe des Todes war.
»Ach, hiess es, wir sind verloren! Ein Wetterschlag hat den Fokmast (das heisst, den ersten von den drei aufrechtstehenden Mastbäumen des Schifs) zersplittert und der grosse mitlere Mast steht nun