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durch Aschenlauge beizt. Wir wollen nächstens zu ihm gehen.

Johannes. Wenn's Robinson nun auch gewust hätte, wie die Weissgerber es anfangen: so hätt' er 's doch nicht nachmachen können, weil er keine Waizenkleie, und keinen Sauerteig hatte.

Vater. Siehst du? Also die Lust must' er sich schon vergehen lassen.

Nikolas. Nu, was tat er denn?

Vater. Tag und Nacht lag Ihm der Gedanke im kopf, ob's ihm wohl nicht möglich wäre, ein kleines schiff zu verfertigen.

Johannes. Was wolt' er denn mit dem Schiffe

Vater. Was er damit wolte? Versuchen, ob er nicht vielleicht aus seiner Einsamkeit, die ihm durch den Verlust des Feuers wieder so traurig geworden war, sich damit befreien und wieder zu Menschen kommen könnte. Er hatte Ursache zu vermuten, dass das feste Land von Amerika nicht sehr fern sein könne; und er war entschlossen, wenn er nur einen kleinen Kahn hätte, keine Gefahr zu achten, um, wo möglich, nach diesem festen land hinzukommen.

Vol von diesen Gedanken lief er eines Tages aus, um einen Baum aufzusuchen, den er durch Aushöhlen zu einem kleinen Kahne machen könnte. Da er in dieser Absicht einige Gegenden durchlief, wo er bisher noch nicht gewesen war: so entdekte er noch manches ihm unbekante Gewächs, womit er allerlei Versuche anzustellen beschloss, um zu erfahren, ob's ihm nicht zum Unterhalte dienen könne?

Unter andern fand er einige Stauden von indianischem Korn, oder Maiz, welches man bei uns türkschen Waizen zu nennen pflegt.

Nikolas. Ah! wovon ich in meinem Garten habe?

Vater. Von dem nemlichen! Er bewunderte die grossen Aehren oder Kolben, an deren jeder er über 200 grosse Körner zählte, die wie Korallen an einander gereihet waren. Er zweifelte nicht, dass man Mehlspeisen und Brod davon machen könne; aber wie solt' er die Körner mahlen? Wie das Mehl von der Kleie reinigen? Wie endlich Brod oder andere speisen daraus bakken, da er nicht einmal Feuer hatte? Demohngeachtet nahm er einige Kolben davon mit, um die Körner zu pflanzen. Denn, dachte' er, wer weiss, ob ich nicht mit der Zeit einen nüzlichen Gebrauch davon machen lerne? Ferner entdekt' er einen Fruchtbaum, der ihm gleichfalls noch niemals vorgekommen war. Er sah grosse Kapseln daran hengen, und da er eine davon erbrach, fand er wohl 60 Bohnen darin. Der Geschmak derselben wolte ihm nicht sehr gefallen. Indess stekt' er auch von diesen eine reife Schote in seine Jagdtasche.

Johannes. Was mogte denn das für eine Frucht sein?

Vater. Es waren Kakaobohnen, von denen die Schokolade gemacht wird.

Johannes. Ah! nun kan er künftig Schokolade trinken!

Vater. Sobald wohl nicht! denn erstlich kent er die Kakaobohnen nicht; und dan, so müssen sie auch erst beim Feuer geröstet, klein gestossen und mit Zukker vermischt werden; und wir wissen ja, dass er weder Feuer, noch Zukker hat. Auch tut man gemeiniglich noch allerlei Gewürz hinzu, als Kardomomen, Vanille und Gewürznägelein, die er auch nicht hatte. Doch dessen hätt' er auch wohl entbehren können, wenn er nur gewust hätte, wie er wieder zum Feuer kommen sollte.

Endlich fand er einen grossen Kokusbaum, der vor Alter schon auf der einen Seite ein wenig hohl geworden war, und der ihm sehr tauglich schien, einen kleinen Kahn abzugeben, wenn er ihn nur umhauen und völlig aushöhlen könnte. Aber einen so nüzlichen Baum, in der Ungewissheit, ob es ihm auch je gelingen wurde ein schiff daraus zu machen, aufs Geratewohl zu verderben? – Er erschrak vor dem Gedanken, und wuste lange nicht, was er tun sollte? Indess merkt' er sich die Stelle, wo er stand, und ging unentschlossen nach haus.

Auf seinem Rükwege fand er, was er zu finden längst gewünscht hatte, ein Papageiennest mit flüggen Jungen. Wie gross war seine Freude über diesen Fund! Aber indem er hinzutrat, um die Jungen auszunehmen, flatterten sie alle davon, bis auf einen, den er glücklich haschte. Er begnügte sich damit, und eilte froh zu haus.

Diderich. Was konte denn ein Papagei ihm eben helfen?

Vater. Er wolte ihn einige Worte aussprechen lehren, um die Freude zu haben, einmal wieder eine menschenähnliche stimme zu hören. Uns freilich, die wir mitten in der menschlichen Geselschaft leben und die wir des Glücks, Menschen zu sehen, Menschen zu hören, mit Menschen zu reden und mit ihnen umzugehen, alle Tage geniessen, scheint die Freude, welche Robinson sich von dem Geschwäz dieses Papageien versprach, eben nicht von grosser Erheblichkeit zu sein. Aber wenn wir uns in seine Stelle versezen können: so werden wir begreifen, dass das, was uns eine unerhebliche Kleinigkeit scheint, für ihn ein grosser Zuwachs an wirklicher Glückseeligkeit sein muste.

Er eilte also froh nach haus, verfertigte noch, so gut er konte, einen Käfig, sezte denselben mit seinem neuen Freunde neben seine Lagerstelle, und legte sich schlafen.

Dreizehnter Abend.

Am folgenden Abend rief der Vater seine Kleinen etwas früher zusammen, weil er, wie er sagte, erst eine Ratsversamlung mit ihnen halten müste, bevor er in seiner Erzählung weiter gehen könnte.

Worüber wollen wir uns denn beratschlagen? riefen die Kleinen, indem sie rund um ihn herum zusammentrafen.

Vater