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Butterfass zu verfertigen, war ihm unmöglich. Er wolte daher versuchen, ob die Butter sich nicht auch in einem grossen Topfe machen liesse. Er samlete also so viel Rahm, als er nötig zu haben glaubte. Dan machte er einen kleinen hölzernen Teller mit einem Loche in der Mitte, in welches er einen Stok stekte. Mit diesem Werkzeuge fuhr er dan in dem mit Rahm angefülten Topfe so lange auf und nieder, bis die Butter von der Buttermilch abgesondert war; worauf er sie mit wasser wusch und mit etwas Salz vermischte.

So war er also auch damit glücklich zu stand gekommen: aber indem er der Frucht seines Fleisses jetzt geniessen wolte, fiel ihm erst ein, dass er auch keine Kartoffeln mehr braten könnte, weil er kein Feuer hätte, woran er in der Hize seiner Geschäftigkeit wiederum gar nicht gedacht hatte. Da stand nun die schöne Butter, welche ungegessen bleiben sollte, und Robinson stand daneben mit traurigem gesicht. Er sah sich nun auf einmal wieder in seinen anfänglichen armseligen Zustand versezt. Austern, Milch, Kokusnüsse, und rohes Fleisch waren nun wieder seine einzigen Nahrungsmittel geworden, und es stand dahin, ob er diese immer würde haben können? Das schlimste dabei war, dass er gar kein Mittel vor sich sah, wie er seinen Zustand etwa verbessern könnte.

Was solt' er nun vornehmen? Alles, was er mit seinen blossen Händen machen konte, war schon getan. Es schien ihm also weiter nichts mehr übrig zu sein, als seine Lebenszeit mit Nichtstun und mit Schlafen hinzubringen. Der schreklichste Zustand, den er sich nur denken konte. Denn die Arbeitsamkeit war ihm jetzt schon so sehr zur Gewohnheit geworden, dass er nicht mehr leben konte, ohne sich mit einer nüzlichen Verrichtung die Zeit zu vertreiben; und er pflegte nachher oft zu sagen, dass er die Besserung seines Herzens vornemlich dem Umstande zu verdanken habe, dass er durch die anfängliche Hülflosigkeit seines einsamen Aufentalts zu einer beständigen Geschäftigkeit sei gezwungen worden. Die Arbeitsamkeit, sezt' er hinzu, die Arbeitsamkeit, lieben Leute, ist die Mutter vieler Tugenden; so wie die Faulheit der Anfang aller Laster ist!

Johannes. Ja, darin hat er gewiss auch Recht! Wenn man nichts zu tun hat, so fält einem lauter dum Zeug ein!

Vater. Richtig! eben darum gab er nachher allen jungen Leuten den Rat, sich doch ja von Kindheit an zu gewöhnen, immer geschäftig zu sein. Denn, sagt' er, so wie man sich gewöhnt in der Jugend, so bleibt man gemeiniglich all sein Lebelang, faul oder fleissig, geschikt oder ungeschikt, ein guter oder ein schlechter Mensch.

Nikolas. Das wollen wir uns merken!

Vater. Tut das, Kinder, und richtet euch darnach: es wird euch nicht gereuen. Unser armer Robinson dachte also lange hin und her, was er doch nun wohl für eine Arbeit wieder vornehmen könnte, um nicht müssig zu sein; und was meint ihr wohl, auf was für eine er endlich verfallen sei?

Johannes. Ich wüste wohl, was ich gemacht hätte!

Vater. Nun, lass doch hören!

Johannes. Ich hätte die Lamafelle gerben wollen, damit ich nicht nötig gehabt hätte, sie so rauh am leib zu tragen. Das muste doch sehr unbequem sein in einem so heissen land!

Vater. Und wie hättest du denn das anfangen wollen?

Johannes. O ich weiss wohl, wie die Lohgerber es machen! Wir haben 's ja gesehen!

Vater. Nun?

Johannes. Erst legen sie die rauhen Häute einige Tage ins wasser, dass sie recht durchweichen. Hernach kriegen sie sie auf den Schabebaum und fahren mit dem Streicheisen darüber her, um das eingezogene wasser wieder heraus zu reiben. Dan salzen sie die Felle ein und bedekken sie, dass die frische Luft nicht dazu kommen kan. Das nennen sie die Felle in die Schwize bringen: denn da fangen sie ordentlich an zu schwizen, wie ein Mensch, der stark arbeitet. Darnach können sie die Haare mit dem Streicheisen abschaben. Wenn das geschehn ist, so legen sie die Felle in die Treibfarbe, die aus Birkenrinde, aus Sauerteig und aus einer sauern Brühe von Eichenrinde gemacht wird. Endlich werden diese Felle in die Lohgrube gelegt, und mit einer Brühe übergossen, die auch aus Eichenrinde gemacht ist; und davon werden sie denn völlig gegerbt, oder gar gemacht.

Vater. Gut, Johannes; aber erinnerst du dich auch noch, was das eigentlich für Leder wird, das der Lohgerber auf diese Weise bereitet?

Johannes. Ja, so was, das man zu Schuhen, zu Stiefeln, und zum Pferdegeschirre braucht.

Vater. Also Leder, welches nicht so geschmeidig zu sein braucht, als dasjenige, was wir zu Beinkleider, zu Handschuhen und zu so etwas brauchen?

Johannes. Nein!

Vater. Und wer bereitet denn das?

Johannes. Das tut der Weissgerber; aber dessen seine Werkstat haben wir ja noch nicht gesehen.

Vater. So ging es Robinson auch; er hatte weder des Lohgerbers noch des Weissgerbers Werkstat jemahls besucht; und daher kont' er es weder dem Einen, noch dem Andern nachmachen.

Diderich. Wie macht es denn der Weissgerber?

Vater. Anfangs eben so, wie der Lohgerber, nur dass er die Felle nicht durch Lohe oder Kalk (denn den brauchen die Lohgerber auch) sondern durch warmes wasser, mit Waizenkleie und Sauerteig vermischt, und hernach