sich erst mit dem Aufgange der Sonne endigte.
O wie viel leichter war's ihm jetzt ums Herz, als am gestrigen Tage! Die Wut der Krankheit hatte sich offenbar gelegt und sein ganzes jeziges Uebel bestand nur noch in blosser Mattigkeit. Er fühlte sogar schon wieder einigen Appetit und speisete eine der gebratenen Kartoffeln, auf die er etwas Zitronensaft treufelte, um den Geschmak derselben erfrischender zu machen.
Die beiden vorigen Tage hatte' er sich gar nicht um seine Lama's bekümmert; jetzt aber war es ihm ein rührender anblick, sie zu seinen Füssen liegen zu sehen, indem einige derselben ihn star ansahen, als wenn sie sich erkundigen wolten, ob's noch nicht besser mit ihm wäre? Zum Glück können diese Tiere, so wie die Kamele, sich viele Tage ohne Getränk behelfen: sonst würde' es jetzt schlim um sie ausgesehen haben; weil sie nun schon seit zwei Tagen nicht getrunken hatten, und Robinson auch jetzt noch viel zu schwach war, um aufstehen und wasser für sie holen zu können.
Da das alte Mutterlama ihm so nahe kam, dass er es erreichen konte: so wandte er alle seine Kräfte an, ihm etwas Milch aus dem Eiter zu ziehen, damit sie ihm nicht vergehen mögte. Der Genuss dieser frischen Milch muste seinem kranken Körper auch wohl zuträglich sein, denn es ward ihm recht wohl darnach.
nachher verfiel er von neuem in einen erquikkenden Schlaf, aus dem er erst bei Sonnenuntergang wieder erwachte. Und da verspürte er schon viel stärkern Hunger. Er ass also wieder einige Kartoffeln mit Zitronensaft und legte sich abermals schlafen.
Dieser fortdauernde erquikkende Schlaf und die Güte seiner natur wirkten so stark zur Wiederherstellung seiner Kräfte, dass er am folgenden Morgen schon wieder aufstehen und – wiewohl mit schwachen zitternden Füssen – einige Schritte versuchen konte.
Er schwankte aus der Höhle bis auf seinen Hofplaz. Hier hob er seine Augen gegen Himmel; ein sanfterwärmender Strahl der Morgensonne fiel durch die Bäume auf sein Angesicht, und es ward ihm, als wenn er neu gebohren würde. »O du ewiger Quel des Lebens, rief er aus, indem er sich auf seine Knie warf; Gott! Gott! habe Dank, dass du mich noch einmal deine schöne Sonne erblikken, und in ihrem Lichte die Wunder deiner Schöpfung sehen lässt! Habe Dank! Dank! Dank! dass du mich nicht verlassen hast in meiner Not; dass du noch einmal mich zurück gerufen hast ins Leben, um mir noch mehr Zeit zu meiner Besserung zu schenken! Lass mich doch ja jeden Tag meines noch übrigen Lebens dazu anwenden, damit ich zu jeder Zeit bereit gefunden werde, hinzureisen nach dem Orte unserer ewigen Bestimmung, wo wir den Lohn unserer guten und bösen Taten empfangen werden!«
Nach diesem kurzen, aber herzlichen Gebete weidete er seine Augen bald an dem grossen blauen Gewölbe des himmels, bald an den Bäumen und Stauden, die in frisches Grün gekleidet und mit Tau beperlt, so lachend vor ihm da standen, bald an seinen treuen Lama's, die sich freudig und liebkosend um ihn her drengten. Es war ihm, als wär' er von einer langen Reise wieder zu den Seinigen gekommen; sein Herz floss über und ergoss sich in süssen Freudentränen.
Der Genuss der frischen Luft, und des frischen Wassers, welches er mit Milch vermischte, und die stille Heiterkeit seines Gemüts trugen nicht wenig dazu bei, ihn völlig wieder herzustellen. In einigen Tagen waren alle seine Kräfte ersezt, und er sah sich wieder im stand, zu seinen arbeiten zurückzukehren.
Das erste, was er vornahm, war eine Untersuchung, was wohl aus seinen Töpfen mögte geworden sein? Er öfnete den Ofen und siehe da! alle seine Gefässe waren so schön glasirt, als wenn sie von einem unserer Töpfer wären gemacht worden. In der Freude darüber vergass er eine Zeitlang, dass er von dieser seiner wohlgeratnen Arbeit nun keinen Gebrauch werde machen können, weil sein Feuer ausgegangen war. Da ihm dieses endlich einfiel, stand er mit gesenktem haupt, sah bald die Töpfe und Tiegel, bald die Feuerstelle in seiner Küche an, und stiess einen tiefen Seufzer aus.
Doch blieb seine Betrübniss diesmahl in den Schranken der Mässigkeit. Er dachte nämlich: eben die gütige Vorsehung, die dir neulich Feuer verschafte, kan dir ja, entweder auf eben dieselbe, oder auf eine andere Weise, auch zum zweitenmahle dazu verhelfen, wenn es ihr gefällig ist. Ueberdem wust' er nun schon, dass er keinen Winter hier zu besorgen habe; und ungeachtet er von Jugend auf an Fleischspeisen gewöhnt war: so hoft' er doch, dass er auch ohne dieselben, bloss von Früchten und von der Milch seiner Lama's, werde leben können.
Lotte. I, er konte ja auch geräuchertes Fleisch essen; das braucht ja nicht erst gekocht zu werden!
Vater. Das ist wahr; aber womit solt' er denn sein Fleisch räuchern?
Lotte. Ja so! daran hatte' ich nicht gedacht.
Vater. Es reuete ihn indess nicht, die Töpfe gemacht zu haben: denn er konte sie nun wenigstens zu Milchgefässen brauchen. Den grössten davon hatte er zu einem besonderen Gebrauche ausersehen.
Johannes. Nu, wozu denn?
Vater. Er bildete sich ein, dass ihm seine Kartoffeln noch besser schmekken würden, wenn er sie mit etwas Butter essen könnte.
Gotlieb. Das glaube' ich!
Vater. Aber ein hölzernes