so viel Kraft übrig die Kokusschale mit dem wasser nach dem mund zu führen, um seine brennende Zunge zu kühlen.
Endlich drang der Schweiss in grossen Tropfen hervor; und dies verschafte ihm einige Linderung. Nachdem er aber eine Stunde darin gelegen hatte, gewan seine Sele wieder einige Besonnenheit. Und da fiel ihm der Gedanke aufs Herz, dass sein Feuer ausgehen würde, wenn nicht neues Holz zugelegt wurde. Er kroch also, so mat er auch war, auf allen Vieren hin, und warf so viel Holz auf den Heerd, als nötig war, um bis Morgen zu brennen. Denn jetzt war die Nacht schon angebrochen.
Diese Nacht war die traurigste, die er je erlebt hatte. Frost und Hize wechselten ohne Unterlass mit einander ab; die heftigsten Kopfschmerzen hörten gar nicht auf; und kein Schlaf kam in seine Augen. Dadurch wurde er so entkräftet, dass er am andern Morgen kaum wieder nach dem Holze hinzukriechen vermogte, um das Feuer zu unterhalten.
Gegen Abend nahm die Krankheit von neuem zu. Er wolte abermals nach dem Feuer kriechen; aber das war ihm diesmahl unmöglich. Er musste also auf die Erhaltung desselben Verzicht tun und die gewisse hoffnung, dass es nicht lange mehr mit ihm dauern würde, machte ihn gleichgültig dagegen.
Die Nacht war wieder, wie die vorige. Das Feuer war indess erloschen; das übrige wasser in den Kokusschalen fing an zu faulen; und Robinson war nunmehr unfähig, sich von einer Seite auf die andere zu legen. Er glaubte die Annäherung des Todes zu fühlen und die Freude darüber machte ihn stark genug, sich noch durch ein frommes Gebet zu seiner grossen Reise vorzubereiten.
Er bat Gott noch einmal demütig um Vergebung seiner Sünden. Dan dankte er ihm für alle Güte, die er ihm – einem so unwürdigen Menschen – sein ganzes Leben hindurch erwiesen habe. Besonders aber dankte er ihm für die Leiden, die er zu seiner Besserung ihm zugeschikt hätte, und wovon er jetzt mehr, als jemahls erkante, wie wohltätig sie für ihn gewesen waren. Zulezt bat er noch um Trost und Seegen für seine armen Eltern; dan empfahl er seine unsterbliche Sele der ewigen Vaterliebe seines Gottes – legte sich darauf zurechte, und erwartete den Tod mit freudiger hoffnung.
Auch schien derselbe sich mit starken Schritten zu nähern. Die Beängstigungen nahmen zu; die Brust fing an zu röcheln, und das Atemholen wurde ihm immer schwerer. jetzt, jetzt schien der letzte gewünschte augenblick da zu sein! Eine Beängstigung, die er nie gefühlt hatte, ergrif sein Herz, der Atemzug stand plözlich stil; er kriegte Verzukkungen, neigte sein Haupt und hörte auf sich seiner bewusst zu sein.
Alle schwiegen eine gute Weile und ehrten das Andenken ihres Freundes, den sie nie gesehen hatten, durch eine wehmütige Empfindung. – Der arme Robinson! seufzten nachher Einige; Gotlob! sagten die Andern, dass er nun von allen seinen Leiden befreit ist! – Und so ging die Geselschaft diesen Abend stiller und nachdenkender auseinander, als gewöhnlich.
Zwölfter Abend.
»Väterchen, was wilst du uns denn nun erzählen?« fragte Lotte, da sich Alle wieder unter dem Apfelbaume eingefunden hatten, und der Vater Miene machte, als ob er für seine Kleinen abermals etwas in Bereitschaft habe. (Die ganze Geselschaft hatte unterdessen Unterricht im Korbmachen genommen, womit sie jetzt eben beschäftigst war.)
»Von Robinson!« antwortete der Vater, und die Versamlung machte grosse Augen.
Lotte. I, der ist ja tot!
Johannes. O stille doch, Lotte! Er kan ja wohl wieder aufgelebt sein; weisst du nicht, dass wir schon einmal geglaubt haben, dass er tot sei, und da lebt' er ja doch noch.
Vater. Robinson kriegte, wie wir zulezt gehört haben, Verzukkungen; neigte sein Haupt und hörte auf, sich seiner bewust zu sein. Ob er wirklich tot, oder nur von einer starken Ohnmacht überfallen sei, war noch unentschieden.
über eine gute halbe Stunde lag er in dem Zustande einer gänzlichen Sinlosigkeit. Endlich – wer hätt' es wohl gedacht! – kehrte das Bewustsein wieder in seine Sele zurück.
Alle. Ah! das ist gut! das ist schön, dass er noch nicht tot ist!
Vater. Mit einem tiefen Seufzer fing er wieder an, auf die gewöhnliche Weise Atem zu holen. Dan schlug er seine Augen auf und blikte umher, als wenn er sehen wolte, wo er wäre? Denn wirklich war er in diesem augenblicke selbst noch zweifelhaft, ob er aus seinem leib herausgegangen sei, oder nicht? Endlich überzeugte er sich von dem Leztern und zwar zu seiner grossen Betrübniss, weil der Tod ihm jetzt wünschenswürdiger, als das Leben, schien.
Er fühlte sich sehr mat, aber doch ohne sonderliche Schmerzen. Stat der troknen brennenden Hize, die er vorher empfunden hatte, quol jetzt ein starker wohltätiger Schweiss aus allen seinen Gliedern. Um denselben zu unterhalten, bedekt' er sich noch immer mit Fellen, und kaum hatte' er eine halbe Stunde in dieser Lage zugebracht, als er anfing grosse Erleichterung zu spüren.
Aber jetzt quälte ihn der Durst auf die allerempfindlichste Weise. Das übrige wasser war nicht mehr trinkbar; zum Glück erinnerte er sich der Zitronen. Mit vieler Mühe biss er endlich eine derselben an, und genoss ihres Saftes zu seiner merklichen Erquikkung. Dan geriet er, unter fortdauerndem Schweisse, in einen sanften Schlummer, der