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war.

Dabei stand nun sein Verstand vollends stil. Was in aller Welt, dachte' er, kan doch wohl die Ursache sein, warum grade dieser eine Tiegel ein wenig glasirt worden ist, und keins von den übrigen Gefässen, da sie doch alle aus einerlei Ton gemacht, und in einem und eben demselben Ofen gebrant worden sind? – Er san und san, aber es wolte sich lange nichts finden lassen, was ihm das Ding begreiflich machte.

Endlich erinnerte er sich, dass in diesem Tiegel ein wenig Salz gewesen sei, da er ihn in den Ofen gesezt habe. Er konte also nicht umhin zu vermuten, dass dieses Salz einzig und allein die Ursache der Glasirung sei.

Johannes. hatte's denn auch wirklich das Salz gemacht?

Vater. Ja. Was Robinson hier durch Zufal entdekte, hat man in Europa längst gewusst. Das Salz nämlich ist eigentlich dasjenige, durch dessen Vermischung viele Sachen im Feuer zu Glas werden. Er hätte daher die Töpfe nur mit Salzwasser bestreichen, oder auch nur eine Porzion Salz in den glühenden Ofen werfen dürfen, so würden seine Töpfe alsobald mit einer Glasrinde überzogen worden sein.

Das wolt' er nun am folgenden Tage versuchen. Schon brante das Feuer unter seinem Ofen; schon hatte' er einige Gefässe mit Salzwasser bestrichen und in andere troknes Salz getan, um beide Versuche zugleich zu machen: als er mitten in dieser Arbeit durch etwas unterbrochen wurde, wovor ihm schon lange am meisten bange gewesen war, durcheine Unpässlichkeit.

Er empfand Uebelkeiten, Kopfschmerzen, und eine grosse Mattigkeit in allen seinen Gliedern. Und nun stand ihm der schreklichste Zustand bevor, in welchen ein Mensch jemahls geraten kan.

»grosser Gott, dachte er, was wird aus mir werden, wenn ich von meinem Lager nicht mehr aufstehen kan? Wenn keine mitleidige Hand da ist, die meiner wartet und meinem Unvermögen zu hülfe kömt? Kein Freund, der mir den Todesschweiss abwischt und mir irgend ein Labsal reicht? Gott! Gott! was wird aus mir werden

Er sank, von tiefer Selenangst überwältiget, mit diesen Worten ohnmächtig zu Boden.

War ihm nun jemahls ein festes kindliches Vertrauen auf Gott, den algegenwärtigen und alliebenden Vater, nötig gewesen; so war es jetzt. Aller menschlichen hülfe beraubt, von seinen eigenen Kräften verlassen: was blieb ihm nun noch übrig, wenn er in seinem Elende nicht untergehen sollte? Gott, Gott allein; sonst niemand auf der ganzen Welt.

Er lag und rang mit Todesangst. Seine hände waren fest in einander geklammert; und unfähig zu reden, unfähig zu denken, heftete er seine starren Blikke an den Himmel. Gott! Gott! Erbarmung! – Dies war Alles, was er mit tiefen Seufzern von Zeit zu Zeit hervorzubringen vermogte.

Aber die Angst liess ihn nicht lange ruhen. Er rafte seine lezten Kräfte zusammen, um, wo möglich, das Nötigste zu seiner Verpflegung neben sein Lager zu tragen, damit er, wenn die Krankheit ihm das Aufstehen unmöglich machte, doch nicht ganz ohne alle Erquikkung wäre. Mit grosser Beschwerlichkeit trug er ein Paar Kokusschalen vol wasser herbei, die er neben sein Lager sezte. Dan legte er einige gebratene Kartoffeln und vier Zitronen, die ihm noch übrig waren, dazu und sank ohnmächtig daneben auf sein trauriges Krankenbette.

Hätt' es dem lieben Gott jetzt gefallen ihn durch einen plözlichen Tod von der Erde wegzunehmen.- ach! wie gern, wie gern wär' er gestorben! Er wagte es, Gott darum zu bitten: aber bald darauf besan er sich wieder, dass dieses Gebet nicht recht sei. »Bin ich nicht Gottes Kind? dachte' er; bin ich nicht sein Werk, und ist er nicht mein liebreicher, mein weiser und mächtiger Vater? Wie darf ich ihm also vorschreiben, was er mit mir tun sol? Weiss er es nicht am besten, was mir gut ist, und wird er es nicht so mit mir machen, als es mir am zuträglichsten ist? Ja, ja, das wird er, der gute, liebe, mächtige Gott! Schweig also, mein armes bekümmertes Herz! Sieh auf Gott, meine arme geängstete Sele, – auf Gott, den grossen Helfer in allen Nöten! Und er wird dir helfen, wird dir helfen durch Leben oder Tod

Mit diesen Worten ermante er sich, richtete auf seinen Knien sich in die Höhe, und betete mit heisser Inbrunst seines Herzens: »ich übergebe mich dir, mein Vater; ich übergebe mich ganz deiner väterlichen Führung! Mache es mit mir nach deinem Wohlgefallen! Ich will gern leiden, was du mir zuschikkest; und du wirst mir Kräfte dazu verleihen. O verleihe sie mir, mein Vaterdies ist Alles, warum ich dich anfleheverleihe mir Geduld in meinen Leiden und unwandelbares Vertrauen auf dich. O erhöre diese Bitte, diese einzige flehentliche Bitte deines armen leidenden Kindes, um deiner Liebe willen

jetzt überfiel ihn ein heftiges Fieber. ungeachtet er sich ganz und gar mit den getrokneten Lamafellen bedekte, so konte er sich doch nicht erwärmen. Dieser Frost dauerte wohl zwei Stunden. Dan wechselte er mit einer Hize ab, die wie ein brennendes Feuer durch alle seine Adern lief. Seine Brust flog vom heftigen Schlagen der Pulsadern auf und nieder, wie die Brust eines Menschen, der sich ganz ausser Atem gelaufen hat. In diesem schreklichen Zustande hatte' er kaum