zerbrechen. Er sezte sie also in seiner Küche, ohnweit dem Feuer hin, damit sie nach und nach austrokneten. Dan fuhr er fort, noch andere Töpfe, auch Pfannen und Tiegel, von verschiedener Gestalt und Grösse, zu formen und je länger er sich damit beschäftigte, desto grösser wurde seine Geschiklichkeit.
Das Regenwetter währte indess unaufhörlich fort. Robinson sah sich also genötiget, noch andere häusliche arbeiten zu ersinnen um nicht von der entsezlichen Langenweile gequält zu werden. Sein nächstes Geschäft war die Verfertigung eines Nezes zum Fischfang. Er hatte vorher einen ziemlichen Vorrat Bindfaden gedreht, und dieser kam ihm jetzt zu statten. Da er sich Zeit genug nahm, und Geduld genug hatte, eine Sache, die anfangs nicht recht gelingen wolte, zehn und mehrmahl zu versuchen: so erfand er endlich die rechte Kunst Knoten zu schürzen und erlangte eine solche Geschiklichkeit darin, als bei uns die Frauen und Mädchen im Filetmachen haben. Er hatte sich nämlich gleichfalls ein Werkzeug von Holz ersonnen und mit seinem steinernen Messer ausgeschnizt, welches die Gestalt einer Filetnadel hatte. Durch hülfe desselben brachte er endlich ein Nez zu stand, welches unsern gewöhnlichen Fischernezen an Güte und Brauchbarkeit wenig nachgab.
Dan geriet er auf den Einfal, zu versuchen, ob er nicht vielleicht auch einen Bogen und Pfeile machen könnte? Ei, wie glühete ihm der Kopf, da er diesem Einfalle weiter nachdachte und die grossen Vorteile überlegte, die der Bogen ihm verschaffen würde! Mit ihm konte er Lama's erlegen, konte Vögel schiessen und – was das Wichtigste war- mit ihm konte er sich in seiner wohnung verteidigen, wenn er einst von Wilden sollte überfallen werden. Er brante vor Begierde, den Bogen fertig zu sehen und lief, troz Regen und Wind, davon, um das nötige Holz dazu aufzusuchen.
Nicht jedes Holz schien ihm gut dazu zu sein. Er suchte eins aus, welches hart und zähe zugleich wäre, damit es sich so wohl biegen liesse, als auch in seine alte Lage zurück zu springen strebte.
Johannes. Das elastisch wäre, nicht?
Vater. Richtig! Ich dachte nicht, dass ihr die Bedeutung dieses Worts euch gemerkt hättet; deswegen wolt' ich es nicht brauchen.
Nachdem er nun solches Holz gefunden und abgehauen hatte, trug er es zu haus und sezte sich sogleich in Arbeit. Aber ach! wie sehr empfand er jetzt den Mangel eines ordentlichen Messers! Wohl zwanzig und mehr Schnitte musste er jedesmahl tun, um so viel abzuschneiden, als wir mit unsern stählernen Messern durch einen einzigen Schnit wegnehmen können. Nicht weniger, als acht volle Tage verstrichen über dieser Arbeit, ungeachtet er vom Morgen bis an den Abend unaufhörlich daran arbeitete. Ich kenne Leute, die das so lange nicht würden ausgehalten haben.
Gotlieb. (Zu den Andern.) Da meint Vater uns mit!
Vater. Hast's getroffen, Gotlieb; und denkst du nicht, dass ich recht habe?
Gotlieb. Ach ja! Aber künftig will ich gewiss auch in eins fort arbeiten, wenn ich einmal etwas angefangen habe.
Vater. Wirst wohl daran tun; Robinson wenigstens befand sich gut dabei. Zu seiner unbeschreiblichen Freude war der Bogen am neunten Tage fertig, und es fehlten ihm nur noch eine Sehne und Pfeile. Hätt' er damahls, da er die Lama's schlachtete, daran gedacht, so würde er einen Versuch gemacht haben, ob er aus den Gedärmen derselben nicht vielleicht saiten machen könnte, weil ihm bekant war, dass man in Europa sie aus Schafsdarm zu machen pflegt. In Ermangelung derselben drehete er einstweilen eine Schnur und zwar so fest, als es ihm nur immer möglich war. Dan schrit er zur Verfertigung der Pfeile.
Hätt' er nun ein Stükchen Eisen haben können, um den Pfeilen eine scharfe Spize anzusezen; was hätt' er nicht darum gegeben! Aber dieser Wunsch war umsonst. – Indem er nun in der Tür seiner Höhle stand, und überlegte, wodurch er wohl den Mangel einer eisernen Spize ersezen könnte, fielen seine Blikke zufälliger Weise auf den Goldklumpen, der noch immer, als ein verächtliches Ding, auf der Erde da lag. Geh, sagte er, indem er ihn mit dem fuss zur Seite stiess, geh, unnüzes Ding, und werde Eisen, wenn du wilst, dass ich dich in Ehren halten sol! Und so würdigte er ihn ferner keines Blikkes mehr.
Nach langen Hin- und Hersinnen fiel ihm endlich ein, einmal gehört zu haben, dass die Wilden sich der Gräten grosser Fische, auch wohl scharfer Steine bedienen um ihre Pfeile und ihre Spiesse zu zuspizen; und er entschloss sich, sie darin nachzuahmen. Zugleich fasst' er den Vorsaz, auch einen Spiess zu verfertigen.
Beides ward sogleich bewerkstelliget. Er lief nach dem Strande hin und war so glücklich einige Gräten und Steine, just wie er sie wünschte, zu finden. Dan hieb er eine grade und lange Stange zum Spiess ab, und kehrte, von Regen triefend, wieder heim.
In einigen Tagen waren Spiess und Pfeile fertig. An dem Spiesse hatte er einen spizigen Stein, an den Pfeilen starke stachlichte Fischgräten, und an dem andern Ende derselben Federn befestiget, wodurch ihr Flug bekantermassen befördert wird.
jetzt machte er einen Versuch, über die Brauchbarkeit seines Bogens. So unvollkommen auch derselbe war, und aus Mangel an eisernen Werkzeugen notwendig sein musste: so fand er ihn doch brauchbar genug, um Vögel oder