1779_Campe_126_46.txt

dem noch immer ein schwarzer Dampf empor stieg. Er erstaunte über die Menge geschmolzener Materien, die weit und breit umher geflossen waren, und die sich noch nicht abgekühlt hatten. Nur in einer gewissen Entfernung beobachtete er diesmahl das fürchterlich prächtige Schauspiel des dampfenden Schlundes, weil so wohl seine Furcht, als auch die noch zu heisse Lava, ihn hinderten, näher hinzu zu treten.

Da er bemerkte, dass der Strom der Lava nach der Gegend hingeflossen sei, in welcher die Kartoffeln wuchsen: so erschrekte ihn nicht wenig der Gedanke, dass der feurige Ausfluss diesen ganzen Plaz vielleicht verwüstet habe; und er konte nicht ruhen, bis er von dem Gegenteil sich überzeugt hätte. Er lief also nach der Gegend hin und fand zu seinem innigen Vergnügen die ganze Pflanzung unversehrt. Von diesem Augenblike an beschloss er, an verschiedenen Orten seiner Insel aufs Geratewohl Kartoffeln zu pflanzen, um dem Unglück vorzubeugen, eines so herlichen Gewächses durch irgend einen schlimmen Zufal einmal beraubt zu werden. Zwar stand, seiner Meinung nach, jetzt der Winter bevor; allein er dachte: wer weiss, ob diese Gewächse nicht vielleicht von der Art sind, dass sie in der Erde überwintern können?

Nachdem er diesen Vorsaz ausgeführt hatte, fing er wieder an, an seiner Küche zu arbeiten. Auch hierzu hatte die überstandene schrekliche Naturbegebenheit ihm einen grossen Vorteil verschaffen müssen. Der Feuerspeiende Berg hatte nämlich unter vielen andern Dingen auch eine Menge Kalchsteine ausgeworfen. Ordentlicher Weise muss man diese erst in einem Ofen mürbe brennen, ehe man gelöschten Kalch daraus machen kan. Aber das war bei diesen nicht nötig, weil der entzündete Berg schon die Stelle des Brenofens vertreten hatte.

Robinson brauchte also weiter nichts zu tun, als ein Loch in die Erde zu graben, die Kalchsteine da hinein zu werfen, dan wasser zu zugiessen und die Masse umzurühren. Auf diese Weise wurde der Kalch gelöscht, und zum Mauern brauchbar gemacht. Dan vermischte er ihn mit etwas Sand; sezte sich darauf in Arbeit, und hatte Ursache mit seiner Geschiklichkeit zufrieden zu sein.

Der Berg hatte indessen aufgehört zu rauchen; und Robinson wagte es daher, nach dem Schlunde hinzugeben. Er fand sowohl die Seiten desselben, als auch den Grund mit abgekühlter Lava belegt, und weil er an keinem Orte den geringsten Rauch mehr hervordringen sah: so hatte er Ursache zu hoffen, dass das unterirdische Feuer völlig verloschen, und künftig kein Auswurf weiter zu befürchten sei.

Durch diese hoffnung gestärkt, war er darauf bedacht, sich einen Vorrat von Lebensmitteln für den Winter einzusammeln. In dieser Absicht fing er nach und nach bis auf acht Lamas, auf eben die Weise, wie er die ersten gefangen hatte. Diese schlachtete er alle bis auf einen Bok, den er seinen drei zahmen Tieren zur Geselschaft leben liess, und hing den grössten teil des Fleisches in seiner Küche auf, um es durchräuchern zu lassen. Vorher aber hatte er es auf einige Tage eingesalzen, weil er sich erinnerte zu haus gesehen zu haben, dass seine Mutter es eben so zu machen pflegte.

Das war nun schon ein ziemlicher Vorrat von Fleisch; und doch besorgte er, dass es noch nicht genug sein mögte, im Fal der Winter sehr rauh und anhaltend werden sollte. Er wünschte daher noch einige Lama's zu fangen; aber das wolte ihm nicht mehr gelingen. Denn die Tiere hatten nunmehr seine Nachstellungen gemerkt, und waren auf ihrer Hut. Er muste also ein neues Mittel ersinnen, sich ihrer zu bemächtigen.

Auch dieses ward gefunden; so unerschöpflich ist der menschliche Verstand, wenn man ihn nur recht übt, an Hülfsmitteln zur Glückseeligkeit! Er hatte bemerkt, dass die Lama's, so oft sie ihn bei der Quelle zu Gesicht bekamen, allemahl in grösster Eile über einen kleinen Hügel nach dem Gebüsche ranten. An der andern Seite war dieser Hügel mit kleinem Gesträuch, wie mit einer Hekke eingefasst und hinter dieser Hekke war eine steile Wand, ungefähr zwei Ellen hoch. Er sah, dass die Lama's jedesmahl über dieses Gesträuch mit einem Saze vom Hügel hinab sprangen; und diese Beobachtung war ihm genug.

Er machte nämlich den Plan, an dieser Stelle eine tiefe Grube zu graben, damit die Lama's, wenn sie von oben hineinsprängen, darin gefangen würden. Sein unermüdeter Fleiss brachte dieses neue Werk seiner Erfindung in andertalb Tagen zu stand; er bedekte darauf die Grube mit Sträuchern und hatte am folgenden Tage die Freude, zwei ziemlich grosse Tiere hinein springen zu sehen und sie zu fangen.

Nunmehr glaubte er mit Fleische hinlänglich versorgt zu sein. Er würde verlegen gewesen sein, wo er es den Winter über lassen sollte, wenn nicht der Himmel gleichfalls durch das Erdbeben dafür gesorgt gehabt hätte, ihm einen ordentlichen Keller zu verschaffen. Es war nämlich nahe bei seiner Höhle ein anderes Stück des berges ungefähr zwei Klafter tief eingesunken, und dadurch war eine zweite Höhle entstanden, deren Oefnung gleichfalls in seinen Hofplaz ging. So hatte er also nunmehr wohnung, Küche und Keller dicht neben einander, recht als wenn sie mit Fleiss und durch Kunst so wären angelegt worden.

Nun war ihm noch dreierlei zu tun übrig, um auf den ganzen vermeinten Winter hinlänglich versorgt zu sein. Er musste nämlich noch Heu für seine Lama's machen, sich mit Brenholz versorgen, und alle Kartoffeln ausgraben, um sie gleichfalls in seinen Keller zu bringen.

Von dem Heu, welches er in grosser Menge einsammelte, machte