der Höhle ruhende Felsenstükke auf die Lagerstäte herabstürzten. Robinson, von Angst beflügelt, floh durch die Oefnung seines Hofraums, und die Lamas liefen ihm ängstlich nach.
Sein erster Gedanke war, einen in der Nähe liegenden Berg auf derjenigen Seite zu besteigen, wo er oben eine nakte Ebene hatte, um nicht von einstürzenden Bäumen erschlagen zu werden. Er wolte dahin laufen; aber plözlich sah er mit Erstaunen und Schrekken, dass an eben der Stelle des berges sich ein weiter Schlund eröfnete, aus welchem Rauch und Flammen, Asche, Steine und eine glühende Materie, die man Lava nent, herausfuhren. Kaum war es ihm möglich, sich durch die Flucht zu retten, weil die glühende Lava, wie ein Strom herabschoss, und grosse ausgeworfene Felsenstükke, wie ein Regen, weit und breit umhergeschleudert wurden.
Er rante nach der Küste zu. Aber hier erwartete ihn ein neuer schreklicher Auftrit. Ein gewaltiger Wirbelwind der von allen Seiten her bliess, hatte eine Menge Wolken dicht zusammen getrieben, und aus diesen stürzte nun auf einmal eine solche Flut herab, dass das ganze Land in einem augenblicke zur See ward. Einen solchen ungewöhnlichen Wasserguss pflegt man eine Wasserhose zu nennen.
Mit genauer Not rettete Robinson sich auf einen Baum; seine armen Lama's hingegen wurden von der Gewalt des Wassers fortgerissen. Ach! wie zerriss ihr klägliches Jammergeschrei sein Herz, und wie gern hätt' er sie mit Gefahr seines eigenen Lebens zu retten gesucht, wenn die schnelle Flut sie nicht schon zu weit mit sich hätte fortgeraft gehabt!
Das Erdbeben dauerte noch einige Minuten fort; dan wurde auf einmal Alles stille. Die Winde legten sich; der Feuerschlund hörte nach und nach auf zu speien; das unterirdische Getöse schwieg; der Himmel ward wieder heiter, und alles wasser verlief sich in weniger, als einer Viertelstunde.
Gotlieb. (Mit einem tiefen Seufzer) Ach Gottlob! dass das vorbei ist! Der arme Robinson! und die armen Lama's!
Lotte. Mir ist recht angst gewesen!
Frizchen. Wovon kömt denn das Erdbeben?
Johannes. Das hat uns Vater schon längst erklärt, da du noch nicht hier warst.
Vater. Sage es ihm doch, Johannes!
Johannes. In der Erde sind viele grosse und weite Löcher, wie Keller; die sind nun vol Luft und Dünste. Denn sind auch allerlei brenbare Dinge in der Erde, als Schwefel, Pech, Harz und so was. Diese fangen zuweilen an sich zu erhizen und zu brennen, wenn eine Feuchtigkeit dazu kömt.
Gotlieb. Eine Feuchtigkeit? Kan denn das, was nass ist, wohl etwas heiss machen?
Johannes. Ja wohl! Hast du nicht gesehen, wenn die Mauerleute kaltes wasser auf Kalchsteine giessen, wie es denn gleich anfängt zu kochen, als wenn es über dem Feuer stünde; und ist doch kein Feuer da. – Na, so entzünden sich also auch die Dinge in der Erde, wenn das wasser hinein dringt; und wenn die denn brennen: so dehnt sich die Luft, die in den grossen Höhlen ist, so gewaltig aus, dass sie keinen Plaz mehr darin hat. Denn will sie mit Gewalt herausfahren und erschüttert also die Erde, bis sie sich endlich irgendwo ein Loch macht. Aus diesem Loche fährt sie denn, wie ein Sturmwind, hinaus und reisst eine Menge von den brennenden und schon geschmolzenen Materien mit sich fort.
Vater. Und diese Materie, die aus geschmolzenen Steinen, Metallen, Harzen u. s. w. besteht, ist es, die man die Lava nent. Ich habe einmal irgendwo gelesen, dass man selbst einen kleinen Feuerspeienden Berg nachmachen kan; wenn ihr Lust habt, so wollen wir einmal den Versuch machen.
Alle. O ja! O ja! lieber Vater!
Johannes. Und wie wird denn das gemacht?
Vater. Man braucht nur Schwefel und Eisenfeilstaub an einem feuchten Orte in die Erde zu graben: so erhizt und entzündet sich diese Masse von selbst, und denn hat man im Kleinen, was ein feuerspeiender Berg im Grossen ist. Nächstens wollen wir den Versuch davon machen.
Indem Robinson von dem Baume, auf den er sich geflüchtet hatte, herabstieg, war seine Sele über alle das Unglück, was ihn jetzt von neuem betroffen hatte, so betrübt, dass es ihm gar nicht einfiel, für seine abermalige Errettung dem zu danken, der die sichtbarste Todesgefahr von ihm abgewandt hatte. In der Tat war sein Zustand jetzt wieder so kläglich, als jemahls. Seine Höhle, der einzige sichere Aufentalt, den er bisher gefunden hatte, war vermutlich verschüttet; seine lieben treuen Lamas waren fortgeschwemt; alle seine bisherigen arbeiten zerstört; alle seine schönen Anschläge für die Zukunft dahin! Der Berg hatte zwar aufgehört, Feuer auszuwerfen; aber noch stieg aus dem ofnen Schlunde desselben ein dikker schwarzer Dampf empor, und es war möglich, dass er von nun an immer ein Feuerspeiender Berg bliebe. Und blieb er das, wie konte Robinson einen augenblick ruhig sein? Musste er nicht an jedem Tage ein neues Erdbeben, einen neuen Feuerauswurf besorgen?
Diese traurigen Gedanken drükten ihn vollends nieder. Er unterlag der Last seines Kummers, und, anstat dass er sich zu der einzigen wahren Quelle des Trostes, zu Gott, hätte wenden sollen, waren seine Augen bloss auf das Elend seines künftigen Zustandes gerichtet, welches sich ihm unaussprechlich gross und ohn' Ende darstellte.
Von Angst und Beklemmung ermattet lehnt'