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Beste und dem Hunde liess er allemahl eine Bratwurst vorsezen.

Lotte. Das war recht!

Vater. Nun, Kinder, wir sind von unserm Robinson abgekommen; wollen wir es heute dabei bewenden lassen?

Gotlieb. O nein, lieber Vater! Noch ein klein Bischen von Robinson!

Vater. jetzt waren seine Baksteine hart genug, um gebraucht zu werden. Er suchte also eine leimigte Erde auf, womit er, in Ermangelung des Kalchs, seine Mauer aufzuführen dachte; und fand sie. Dan machte er sich eine Mauerkelle von einem platten Steine und um Alles, was zu der Maurerei gehört, recht vollständig zu haben, machte er sich sogar eine Art von Sezwage und Richtscheid, freilig so gut, als es sich wolte tun lassen. Ihr wisst doch noch, was das für Dinger sind?

Nikolas. O ja, die haben wir ja oft genug gesehen!

Vater. Nachdem er also mit allen Anstalten, die zum Mauern erfodert werden, fertig war, liess er von seinem Lama die benötigte Zahl Baksteine herbei tragen.

Johannes. Wie konte er denn die Baksteine dem Lama auflegen?

Vater. Wie er das anfing, werdet ihr schwerlich erraten; ich will's also nur gleich selbst sagen.

Er hatte schon lange gemerkt, wie nüzlich es ihm sein würde, wenn er etwas von der nüzlichen Kunst, Körbe zu flechten, verstünde. Aber in seiner Jugend hatte' er es so wenig der Mühe wert geachtet, einem Korbmacher aufmerksam zuzusehen, dass er von dieser, an sich nicht schweren Kunst, nicht mehr, als von allen übrigen nüzlichen Künsten, verstand, das heisst, so viel, als gar nichts.

Da es ihm aber gleich anfangs gelungen war, einen Sonnenschirm zu flechten: so wandte er nachher oft eine müssige Stunde dazu an, sich ferner darin zu üben. Und da entdekte er denn immer einen Handgrif nach dem andern, bis er endlich so geschikt wurde, einen ziemlich festen Korb zu machen. Solcher Körbe nun hatte er zwei für sein Lama verfertiget. Diese band er mit einem Strikke zusammen, und legte sie dem Lama auf den Rükken und zwar so, dass von jeder Seite desselben einer hinab hing.

Gotlieb. O Vater, ich mögte auch wohl Körbe machen lernen!

Vater. Ich selbst auch, lieber Gotlieb; und ich werde daher nächstens einen Korbmacher bitten, dass er uns einigen Unterricht gäbe.

Gotlieb. O das ist schön! Da will ich meiner Lotte auch ein hübsches nettes Körbchen machen.

Lotte. O ich werde es auch mit lernen! Nicht wahr, Vater?

Vater. O ja! Es kan dir auch nicht schaden. Es fehlt uns doch zuweilen an einer Arbeit, wenn ich euch was erzähle; da wird uns denn das Korbflechten vortreflich zu statten kommen.

Robinson fing also seine Maurerarbeit an, und sie ging ihm ziemlich gut von statten. Schon hatte' er die eine Seitenmauer seiner Küche aufgeführt und zu der andern schon den Grund gelegt: als sich plözlich etwas ereignete, welches er nicht vorher gesehen hatte, und welches einen gewaltigen Strich durch seine Rechnung machte.

Johannes. Was war denn das?

Lotte. O ich weiss schon! Die wilden Menschen sind gekommen und haben ihn aufgegessen!

Gotlieb. Bewahre! Ist das wohl wahr, Vater?

Vater. Nein, das nicht; aber es war etwas, welches ihm beinahe eben so grossen Schrekken verursachte, als wenn die Wilden ihn hätten lebendig braten wollen.

Johannes. O nu! Was war's denn?

Vater. Es war Nacht, und Robinson lag ruhig auf seinem Lager, die treuen Lama's zu seinen Füssen. Der Mond stand in seiner ganzen Herlichkeit am Himmel; die Luft war rein und stil, und ein tiefes Schweigen herschte durch die ganze natur. Robinson, von der Arbeit des Tages ermüdet, lag schon im süssen Schlummer und träumte, wie er sehr oft zu tun pflegte, von seinen lieben Eltern. als plözlichaber nein! mit einer so schreklichen Begebenheit wollen wir diesen Abend nicht beschliessen! Es könnte uns die Nacht davon träumen, und dan wurden wir einen unruhigen Schlaf haben.

Alle. Oh!

Vater. Lasst uns vielmehr unsere Gedanken auf etwas Angenehmes richten, um auch diesen Tag mit Freuden und Dank gegen unsern guten Vater im Himmel beschliessen zu können. – Komt, liebe Kinder, erst wollen wir zu unsern Blumenbeeten und dan zu unserer Laube gehen.

Neunter Abend.

Nachdem der Vater bis zu Ende des vorigen Kapittels erzählt hatte, fielen so viel andere Geschäfte vor, dass verschiedene Abende verstrichen, bevor er wieder Zeit gewan, seine geschichte fortzusezen.

Die kleinen Leute des Hauses waren indess nicht wenig bekümmert, wie es dem armen Robinson doch wohl mögte ergangen sein; und sie hätten gern ihren besten Kreusel oder wohl noch etwas Lieberes darum gegeben, wenn ihnen einer hätte sagen können, was in der Nacht, wovon zulezt die Rede war, sich denn eigentlich zugetragen habe? Aber das konte ihnen niemand, als der Vater selbst, sagen; und der fand für gut, es ihnen nicht eher zu sagen, als bis er wieder Zeit gewönne, in seiner Erzählung ordentlich fortzufahren.

Das war nun ein ewiges Raten und Kopfbrechen unter ihnen die ganze Zeit hindurch, dass der Vater sein beschwerliches Stilschweigen fortsezte. Der Eine riet dies, der Andere jenes; aber nichts von alle dem, was sie rieten, wolte so ganz zu