1779_Campe_126_4.txt

sein Abdruk verlangt wird, ungefähr eben so viel Bogen stark werden, als der gegenwärtige erste teil entält. Wenn ich frühzeitig genug benachrichtiget werde, dass eine zureichende Anzahl Subskribenten diesen zweiten teil begehrt, so kan er, nebst der französischen Uebersezung, schon zur nächsten Ostermesse erscheinen. Ich ersuche daher die Resp. Besizer dieses ersten Teils mir ihren Willen baldigst anzuzeigen.

Ehe ich aber von meinen Lesern Abschied nehme, sei es mir vergönt, junge Erzieher auf eine Nebenabsicht aufmerksam zu machen, die mir bei der Ausarbeitung dieses buches gleichfalls, als ungemein wichtig, vor Augen schwebte. Ich hofte nämlich, durch eine treue Darstellung wirklicher Familienscenen ein für angehende Pädagogen nicht überflüssiges Beispiel des väterlichen und kindlichen Verhältnisses zu geben, welches zwischen dem Erzieher und seinen Zöglingen notwendig obwalten muss. Wo dieses glückliche verhältnis in seiner ganzen Natürlichkeit einmal eingeführt worden ist: da sinken viele der sitlichen Erziehung entgegenstehende Klippen von selbst nieder: wo dieses aber nicht ist, – nun da nimt man seine Zuflucht zu dem Kompass pädagogischer Künsteleien, dessen Abweichungen so mannigfaltig, und durch hinlängliche Beobachtungen bei weitem noch nicht bestimt sind. –

Uebrigens entält diese Absicht den Grund, warum ich lieber wirkliche, als errichtete Personen, habe redend einführen, und meistenteils wirklich vorgefallene gespräche lieber habe nachschreiben, als ungehaltene und künstlichere Dialogen habe machen wollen.

über die Ursachen, die mich bewegen, in Büchern, die für Kinder bestimt sind, die gewöhnliche so genante Rechtschreibung mit ihren meisten Anomalien beizubehalten, habe ich mich in der Vorrede zum zweiten Bändchen meiner kleinen Kinderbibliotek erklärt.

Man hat von diesem buch zugleich eine französische Uebersezung, zum Nuzen der Lehrlinge dieser Sprache veranstaltet, die sich hoffentlich von selbst empfehlen wird. sollte sich ein, der lateinischen Sprache hinlänglich, mächtiger, Man finden, der Lust und Musse hätte, eine gute lateinische Uebersezung davon zu machen: so würde dadurch eine sehr erhebliche Lükke in unserer dermaligen, noch so überaus mangelhaften Schulbibliotek ausgefült werden. Denn wo ist das Buch, welches man Langens erbärmlichen Kolloquien unterschieben, und den ersten Lehrlingen der lateinischen Sprache, ohne alle Bedenklichkeit in die hände geben könnte? Das Buch, meine ich, welches lauter, für solche Kinder verständliche, für solche gehörige, für solche auch zugleich angenehme Sachen in einem leichten lateinischen Gewande entielte? Ich hab' es sorgfältig gesucht; aber fand es nirgends.

Hamburg im Junius 1779.

Es war einmal eine zahlreiche Familie, die aus kleinen und grossen Leuten bestand. Diese waren teils durch die Bande der natur, teils durch wechselseitige Liebe vereiniget. Der Hausvater und die Hausmutter liebten Alle, als ihre eigene Kinder, ungeachtet nur Lotte, die Kleinste von Allen, ihre leibliche Tochter war; und zwei Freunde des Hauses, R** und B**, taten ein Gleiches. Ihr Aufentalt war auf dem land, nahe vor den Toren von Hamburg.

Das Wort dieser Familie war: bete und arbeite! und Klein und Gross kanten kein ander Glück des Lebens, als welches die Erfüllung dieser Vorschrift gewährt. Aber während der Arbeit und nach vollendetem Tagewerke, wünschte jeder von ihnen auch etwas zu hören, welches ihn verständiger, weiser und besser machen könnte. Da erzählte ihnen dan der Vater, bald von diesem, bald von jenem, und die kleinen Leute alle hörten ihm gern und aufmerksam zu.

Eine von solchen Abenderzählungen ist die folgende geschichte des jüngern Robinsons. Da man glaubte, dass wohl noch mehr gute Kinder wären, die diese merkwürdige geschichte zu hören oder zu lesen wünschten: so schrieb sie der Vater auf und der Buchdrukker musste zwei tausend Abdrükke davon machen.

Das Buch, liebes Kind, das du iezt in Händen hast, ist einer davon. Du kanst also, wenn du wilst, gleich auf der folgenden Seite anfangen.

Aber bald hätte ich vergessen, dir zu sagen, was vorher ging, ehe diese Erzählung ihren Anfang nahm! – »Wilst du uns nicht wieder was erzählen, Vaterfragte Gotlieb an einem schönen Sommerabend. »Gernwar die Antwort; »aber es wäre Schade, einem so herlichen Abend nur durch die Fenster zu zusehen. Komt, wir wollen uns im Grünen lagern

O das ist schön, das ist schön! riefen Alle; und so ging's in vollen Sprüngen zum haus hinaus.

Erster Abend.

Gotlieb. Hier, Vater?

Vater. Ja, hier unter diesem Apfelbaume.

Nikolas. O prächtig!

Alle. Prächtig! Prächtig! (hüpfen und klatschen mit den Händen.)

Vater. Aber, was denkt ihr denn zu machen unter der Zeit, dass ich euch erzäle? So ganz müssig werdet ihr doch wohl nicht gern da sizzen wollen?

Johannes. Ja, wenn wir nur was zu machen hätten!

Mutter. Hier sind Erbsen auszukrüllen! Hier türksche Bonen abzustreifen; wer hat Lust?

Alle. Ich! ich! ich! ich!

Gotlieb. Ich, und meine Lotte und du, Frizchen, wollen Erbsen auskrüllen: nicht?

Lotte. Nein, mit erlaubnis, ich muss erst den Kettenstich machen, den Mutter mir gezeigt hat.

Gotlieb. Na, wir beide denn! Kom, Friz, sezze dich.

Freund R. Ich arbeite mit euch. (Sezt sich neben sie ins Gras.)

Freund B. Und ich mit euch andern; ihr wolt mich doch?

Diederich. O gern, gern! Hier ist noch Plaz genug. Das ist exzellent! Nun wollen wir