Und das tat er denn auch wirklich.
Ohne zu wissen, ob er es recht mache, schnitte er ein Paar junge Bäume ab, machte in der Mitte des Stams einen kleinen Einschnit, stekte ein junges Reis vom Kokusbaum da hinein, umwand darauf die Stelle des Einschnits mit Baumbast; und erwartete mit Ungeduld, was wohl der Erfolg sein werde? Und siehe! auch dieses musste ihm gelingen. Nach einiger Zeit fingen die eingepfropften Reiser an zu grünen, und das Mittel war also gefunden, sich nach und nach einen ganzen Wald voll Kokusbäumen zu zuziehen!
Neue Ursache zur Freude! Neuer Antrieb zur innigsten Dankbarkeit gegen den Schöpfer, der so unzählbare Kräfte und Eigenschaften in die natur der Dinge gelegt hat, dass es seinen lebendigen Geschöpfen nirgends an Mitteln fehlt, sich zu erhalten, und ihren Zustand angenehm zu machen!
Das alte und die jungen Lama's waren in kurzer Zeit so zahm geworden, als bei uns die Hunde sind. Er fing daher nach und nach an, sich ihrer zu seiner Bequemlichkeit, als Lasttiere zu bedienen, so oft er etwas einholen wolte, welches zu tragen ihm selbst zu schwer geworden wäre.
Johannes. Ja, wie kont' er sie aber mitnehmen, da er sie aus seinem Hofplaze nicht heraus kriegen konte?
Vater. Ich habe vergessen zu sagen, dass er in der neuen Seitenwand und zwar an einer Stelle, die an ein dikkes Gebüsch grenzte, eine Oefnung gelassen hatte, die grade so gross war, dass ein Lama durchkriechen konte. Dieses Loch war von aussen gar nicht sichtbar, und von innen flochte er es jeden Abend mit dichten Zweigen zu.
Das war nun recht niedlich anzusehen, wenn er so zu haus kam und das bepakte Lama vor sich her gehen liess! Es wusste den Rükweg so gut zu finden, als er selbst und sobald es an die kleine tür kam, stand es stil, um sich seine Bürde erst abnehmen zu lassen. Dan kroch es gebükt hinein, und Robinson folgte ihm auf eben diesem Wege. Dan hatten die jungen Lama's ihr fest! Sie drükten ihre Freude durch Springen und Blöken aus, ranten bald zur Mutter, um sie zu bewilkommen, bald zu ihrem Herrn, um auch ihm zu liebkosen. Robinson ergözte sich dan an ihrer Freude, wie ein Vater an der Freude seiner Kinder, wenn er nach einer Abwesenheit von einiger Zeit sie wieder in seine arme schliesst.
Freund B. Es ist doch sehr merkwürdig, dass die Tiere so erkentlich sind gegen den Menschen, der ihnen gutes tut!
Vater. Davon hat man viele, ungemein merkwürdige Beispiele, die einen fast auf die Vermutung bringen könnten, dass einige Tiere ordentlich Menschenverstand haben, wenn man nicht aus andern Gründen wüsste, dass es ihnen daran fehlt.
Diderich. Ach ja, der Löwe, wovon in unserm Sittenbüchlein steht, und der Man – i wie hiess er doch?
Johannes. Androklus!
Diderich. Ach ja! – der dem Löwen eine Dornspize aus der Klaue gezogen hatte!
Gotlieb. Das war doch ein recht guter Löwe! Er hatte den Androklus so lieb dafür, dass er das an ihm getan hatte, und tat ihm nachher nichts zu Leide, da er ihn zerreissen sollte. – Ja, wenn sie alle so wären, so mögt' ich auch wohl einen Löwen haben.
Johannes. Mir gefällt doch der Hund, den einmal der Schweizer hatte, noch viel besser!
Lotte. Was für ein Hund?
Johannes. I weisst du nicht mehr? Der den beiden Menschen das Leben rettete?
Lotte. O erzähle doch, lieber Johannes!
Johannes. Es war einmal ein Man in der Schweiz, wo die hohen Alpenberge sind –
Lotte. Ach ja, wo die Murmeltiere wohnen?
Johannes. Ja da! – Na, der Man stieg auf einen abscheulich hohen Berg hinauf, o der war so hoch, so hoch – als wenn du den Michaelisturm zehnmahl auf einander sezest!
Gotlieb. Du lässt was aus, lieber Bruder! Er nahm auch einen Wegweiser mit!
Johannes. Freilich tat er das! – Na, und der Wegweiser nahm seinen Hund mit. Als sie nun oben auf den Berg gekommen waren –
Gotlieb. Ja, und der Berg war ganz mit Schnee bedekt –
Johannes. O so lass doch! – Ja, der Berg war ganz mit Schnee bedekt; und als sie nun bald oben waren, da glitschte der Herr aus, und da ihm der Wegweiser helfen wolte, glitschte er auch aus, und so glitschten sie beide hinunter, und waren nur noch ein Paar Schritte von dem rand ab, von welchem sie fast eine halbe Meile tief hätten hinunter fallen müssen. Da pakte der gute Hund seinen Herrn bei dem Schooss und hielt ihn fest, dass er nicht weiter glitschen konte, und dieser hielt den Andern fest, bis sie sich beide wieder aufgerichtet hatten.
Gotlieb. Ja, nun musst du aber auch erzählen, was der fremde Herr da sagte! Ich weiss es noch.
Johannes. O ich auch! Er bat den Wegweiser, dass er ihn zuweilen besuchen mögte, da wo er zu Haus war, und denn sollte er doch ja immer auch den Hund mitbringen; dem wolt' er denn auch immer eine Wurst braten lassen.
Lotte. Tat denn das der Man auch?
Johannes. O ja! So oft der Wegweiser ihn besuchte, traktierte er ihn immer aufs