Kokusblätter gewikkelt hatte. Dan stekte er sein Beil an die Seite, wand das Strik, welches er gestern zum Lamafang gedreht hatte, um den Leib, nahm seinen Sonnenschirm in die Hand und machte sich auf den Weg.
Es war noch sehr früh am Tage. Er beschloss daher, diesmahl einen Umweg zu nehmen, um zugleich noch einige andere Gegenden seiner Insel kennen zu lernen. Unter der Menge von Vögeln, wovon die Bäume wimmelten, sah er auch viele Papegaien von wunderschönen Farben. Wie gern hätte er einen davon gehabt, um ihn zahm und zu seinem Geselschafter zu machen! Aber die Alten waren zu klug, um sich greifen zu lassen, und ein Nest mit Jungen sah er nirgends. Er musste also die Befriedigung dieses Wunsches für dasmahl aufschieben.
dafür aber entdekte er auf diesem Wege etwas, welches ihm nötiger, als ein Papegai war. Indem er nämlich einen Hügel nahe am Meere bestieg und von da herab zwischen Felsenklüften hinblikte, sah er daselbst etwas liegen, welches seine Neubegierde reizte. Er kletterte also hinab und fand zu seinem grossen Vergnügen, dass es – was meint ihr?
Diderich. – Perlen waren!
Johannes. Ja darüber wurde er sich gefreut haben! – Es war wohl Eisen?
Nikolas. I, weisst du nicht mehr, dass in den heissen Ländern kein Eisen gefunden wird? – Es mogte wohl wieder ein Klumpen Gold sein!
Lotte. Ich dachte gar! Würde er sich denn darüber wohl gefreut haben? Das Gold kont' er ja nicht brauchen!
Vater. Ich sehe wohl, ihr werdet es doch nicht raten; ich will's also nur selbst sagen. Was er fand, war – Salz.
Zwar hatte er den Mangel desselben bisher durch Seewasser einigermassen ersezt: aber es war doch das nicht. Das Seewasser hat auch zugleich einen bittern Geschmak, der sehr unangenehm ist, und dass sein Bökelfleisch sich darin halten würde, war ein Irtum; weil dieses Seewasser, eben so wie Brunnen- oder Flusswässer, faul wird, so bald es stil steht. Es tat ihm also recht wohl, dass er hier wirkliches Salz fand. Auch fülte er seine beiden Roktaschen damit an, um sogleich etwas davon mitzunehmen.
Gotlieb. Wie war denn das Salz dahin gekommen?
Vater. Du erinnerst dich wohl nicht mehr an das, was ich von dem Ursprunge des Salzes euch einmal erzählt habe?
Johannes. O ja, ich weiss noch! Sie graben welches aus der Erde; und dan so kochen sie auch was aus salzigem wasser, welches aus der Erde hervorquilt, und dan so ist auch was in dem Meerwasser!
Vater. Ganz recht. Nun aus dem Meerwasser kochen, so wohl die Menschen, als auch die Sonne, Salz.
Gotlieb. Die Sonne?
Vater. Ja; indem nämlich nach einer hohen Flut, oder nach einer Ueberschwemmung Seewasser auf dem land zurück bleibt, so troknet die Sonne nach und nach dies wasser aus und was denn an dem Orte übrig bleibt, das ist Salz.
Lotte. I, das ist ja närrisch!
Vater. So gütig hat der liebe Gott für uns gesorgt, dass dasjenige, was uns am unentbehrlichsten ist, die wenigste Zubereitung durch Kunst erfodert, und am häufigsten da ist.
Robinson ging nun vergnügt nach dem Orte hin, wo er ein Lama zu erhaschen hofte. Da er ankam, war keins derselben da; aber es war auch noch nicht ganz Mittag. Er lagerte sich also unter einem Baume, um sich unterdessen von seinem Braten und von seinen Kartoffeln gütlich zu tun! O wie viel kräftiger schmekte ihm jetzt beides, da er es mit etwas Salz geniessen konte!
Eben da er mit seiner Mahlzeit fertig war, zeigten sich in der Ferne die herbei hüpfenden Lama's. Robinson stelte sich geschwind in Positur, und wartete mit aufgehobener Schlinge, bis eins derselben sich ihm nähern würde. jetzt waren schon verschiedene von ihnen vorüber gegangen, ohne dass er sie erreichen konte: aber plözlich kam ihm eins so nahe, dass er nur seine hände durfte fallen lassen, um es in der Schlinge zu haben. Er tat's und in dem augenblicke war das Lama sein!
Es wolte blöken; aber aus Besorgniss, dass die Andern dadurch scheu werden mögten, zog er die Schlinge so fest zu, dass dem Tiere das Schreien wohl vergehen muste. Dan zog er es, so geschwind er nur konte, ins Gebüsch, um den Uebrigen aus den Augen zu kommen.
Das gefangene Lama war eine Mutter zweier Lämmer. Zu Robinsons grosser Freude folgten diese ihr auf dem fuss nach, und schienen sich gar nicht vor ihm zu fürchten. Er streichelte die kleinen lieben Dinger, und sie – recht als wenn sie ihn bitten wolten, dass er doch ihre Mutter mögte gehen lassen – lekten ihm die Hand.
Gotlieb. O da hätte er sie doch auch müssen gehen lassen!
Vater. Da wär' er wohl ein grosser Nar gewesen, wenn er das getan hätte!
Gotlieb. Ja, aber das arme Tier hatte ihm ja nichts getan!
Vater. Er aber brauchte seiner; und du weisst ja, lieber Gotlieb, dass es uns erlaubt ist, die Tiere zu brauchen, wozu sie gut sind, wenn wir sie nur nicht misbrauchen! –
Nun, Robinson war hoch erfreut, dass er seinen Wunsch so glücklich erreicht hatte. Er zog das gefangene Tier, so sehr es sich