fangen!
Vater. Aber, wie wolltest du es anfangen, lieber Gotlieb? So zahm werden sie wohl nicht sein, dass sie sich mit Händen greifen liessen.
Gotlieb. Wie wolte Robinson es denn anfangen?
Vater. Das war nun eben die Frage, und darüber liess er sich in lange und ernstliche Ueberlegungen ein. – Aber der Mensch braucht eine Verrichtung, die nicht an sich selbst unmöglich ist, nur recht ernstlich und anhaltend zu wollen, so ist seinem verstand und seinem Fleisse nichts zu schwer. So gross und mannigfaltig sind die Kräfte, womit der gütige Schöpfer uns ausgerüstet hat!
Merkt euch dieses, meine Lieben, und verzweifelt nie an einem erwünschten Erfolge irgend einer schweren Arbeit, wenn ihr nur entschlossen genug seid, nicht eher nachzulassen, bis ihr sie werdet vollendet haben! Anhaltender Fleiss, fortgeseztes Nachdenken, und ausdauernder Mut haben schon viele Dinge zu stand gebracht, die man vorher für unmöglich hielt. Lasst euch also niemals durch die Schwierigkeiten, die ihr bei einem Geschäfte antreft, davon abschrekken; sondern denket immer, dass es am Ende um so viel mehr Freude macht, ein Werk zu stand gebracht zu haben, je grösser die Anstrengung war, die man dazu anwenden musste!
Auch unserm Robinson glückte es bald, ein Mittel auszusinnen, wie er die Lama's lebendig fangen könnte.
Johannes. Na?
Vater. Er nahm sich vor, einen Strik so einzurichten, dass er eine Schlinge davon machen könnte. Dan wolte er sich wieder hinter einen Baum verstekken, und dem ersten dem besten Lama, das ihm nahe genug käme, die Schlinge über den Kopf werfen.
In dieser Absicht drehete er sich einen ziemlich starken Strik; und in einigen Stunden war Strik und Schlinge fertig. Er machte einige Versuche, ob sie sich gut würde zu ziehen lassen: und es ging nach Wunsche.
Weil der Ort, wo die Lama's nach dem wasser zu kommen pflegten, etwas fern war; und weil er nicht wusste, ob sie des Abends auch dahin kommen wurden, da sie neulich gegen Mittag da gewesen waren: so sezte er seinen Fang bis Morgen aus, und machte unter der Zeit die nötigen Anstalten zu seiner Reise.
Er lief nämlich nach dem Orte hin, wo die Kartoffeln wuchsen und holte sich seine ganze Jägertasche vol davon. Einen teil derselben legte er wieder in glühende Asche, um sie zu braten, und die übrigen schüttete er in einen Winkel seiner Höle, um sie für die nächsten Tage aufzubewahren. Dan schnitte er auch ein ansehnliches Stük seiner Schildkröte für diesen Abend und für Morgen ab und übergoss den Rest derselben mit Seewasser, welches er dazu mitgebracht hatte.
Er grub hierauf ein kleines Loch in die Erde, welches ihm vor der Hand zum Keller dienen sollte. Darein sezte er die Schildkrötenschale mit dem eingesalzenen Fleische, legte das Bratenstük bis auf den Abend dazu, und bedekte die Oefnung des Lochs mit Zweigen.
Den noch übrigen teil des Nachmittags widmete er der Aufheiterung seines Gemüts durch einen angenehmen Spaziergang längst dem Strande des Meers, von wannen ein sanfter Ostwind wehete, wodurch die schwüle Luft um etwas abgekühlt ward. Seine Augen weideten sich an dem Anblikke des unermesslichen Weltmeers, welches nur von kleinen in einander laufenden Wellen gekräuselt wurde. Er sah sehnsuchtsvol nach der Himmelsgegend hin, in welcher sein geliebtes Vaterland lag, und eine bange Träne schlich über seine Wangen, da der Gedanke an seine teuern Eltern lebhaft in ihm ward.
»Was mögen sie jetzt machen, die armen bekümmerten Eltern?« rief er aus und rang unter vielen Tränen seine hände. »Wenn sie den bittern Schmerz, den ich Elender ihnen verursachte, überlebt haben: ach! wie traurig mag ihnen jeder Tag verstreichen! Wie mögen sie seufzen und klagen, dass sie nun gar kein Kind mehr haben; dass ihr lezter, von ihnen so geliebter Sohn, zum Verräter an ihnen werden und sie auf immer verlassen konte! O teurer bester Vater! O meine geliebte teure Mutter, verzeiht, o verzeiht eurem armen elenden Sohne, dass er euch so betrübet hat! Und du, mein himlischer – jetzt mein einziger Vater, meine einzige Geselschaft, mein einziger Helfer und Beschüzer – (hier warf er sich anbetend auf seine Knie) – o mein Schöpfer, schütte deinen besten Seegen, schütte alle die Freuden, die du für mich bestimt hattest und deren ich mich selbst unwert gemacht habe; – o schütte sie Alle herab auf meine geliebten, so gröblich von mir beleidigten Eltern, um sie für den ausgestandenen Kummer schadlos zu halten. Gern, ach! gern will ich selbst leiden Alles, was deine Weisheit und Liebe zu meiner Besserung noch ferner über mich ergehen zu lassen für gut befinden wird: wenn nur meine armen, meine unschuldigen Eltern glücklich sind!«
Er blieb noch eine Zeitlang auf seinen Knien liegen und sah in stummer Wehmut und mit Tränenvollen Augen gegen Himmel. Endlich stand er auf und grub mit seinem steinernen Messer in den nächsten Baum die geliebten Namen seiner Eltern ein. über dieselben schnitt' er die Worte ein: Gott seegne euch! und unter dieselben sezte er: Vergebung für euren ungeratenen Sohn! Dan küsste er die eingeschnittenen Namen mit heissen Lippen und wusch sie mit seinen Tränen aus. In der Folge schnitt' er eben diese teuern Namen mit eben den Worten in eine Menge anderer Bäume in andern Gegenden der Insel ein, und gemeiniglich pflegte er nachher bei einem dieser