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irgend einen Menschen, und wäre er auch der armseeligste Betler, zu meinem Geselschafter hätte, dem ich sagen könnte, dass ich ihn lieb hätte, und der mir wieder sagte, dass er mich auch lieb hätte! Wäre ich nur so glücklich, irgend ein zahmes Tiereinen Hund oder eine Kazezu besizen, dem ich Gutes erzeigen könnte, um mir seine Liebe zu erwerben! Aber so ganz allein, von allen lebendigen Wesen so ganz abgesondert zu sein! – Hier rolte eine wehmütige Träne über seine Wangen.

jetzt erinnerte er sich der Zeit, da er mit seinen Brüdern und andern Gespielen oft in Unfriede und Zänkereien gelebt hatte; und er erinnerte sich derselben mit der bittersten Reue. Ach! dachte er, wie wenig wuste ich doch damahls zu schäzen, wie viel ein Freund wohl wert sei und wie unentbehrlich uns die Liebe andrer Menschen sei, wenn wir glücklich leben wollen! O wenn ich doch jetzt in meine Jugend zurückgesezt würde, wie freundlich, wie gefällig, wie nachgebend wolt' ich mich gegen meine Brüder und gegen andere Kinder betragen! Wie gern wolt' ich kleine Beleidigungen dulden, und wie wolte ich durch Güte und Freundlichkeit alle Menschen zwingen, mir gut zu sein! Gott! Gott! Warum wuste ich das Glück der Freundschaft doch nicht eher zu schäzen, bis es für mich verlorenach! auf immer verloren wäre!

Indem er hierauf zufälliger Weise die Augen nach dem Eingange in seine Hütte richtete, bemerkte er eine Spinne, die in einer Ekke ihr Nez ausgespant hatte. Der Gedanke, mit irgend einem lebendigen Wesen unter einem dach zu schlafen, hatte so viel freudiges für ihn, dass es ihm jetzt ganz und gar nicht darauf ankam, was es für ein Tier sei. Er beschloss, dieser Spinne alle Tage Fliegen zu fangen, um ihr zu erkennen zu geben, dass sie an einem sichern und freundschaftlichen Orte wohne, und, wo möglich, sie zahm zu machen.

Da es noch hel am Tage und die durchs Gewitter abgekühlte Luft so sehr erquikkend war: so wolte Robinson noch nicht zu Bette gehen; und um die Zeit mit etwas Nüzlichem hinzubringen, nahm er seine Spate wieder zur Hand, und fing an noch etwas Erde aus seiner Küche auszugraben. Plözlich stiess er auf etwas Hartes in der Erde, so dass sein Spaten beinahe zerbrochen wäre.

Er glaubte es sei ein Stein: aber wie erstaunte er nicht, da er den Klumpen heraus hob und nun entdekte, dass eraus gediegenem Golde sei!

Johannes. Dass dich! der hat doch auch einmal rechtes Glück, der Robinson!

Vater. Ein recht grosses! Der Klumpen Gold war so dik, dass wohl für hundert tausend Taler Münze daraus hätte geprägt werden können. Nun war er auf einmal ein steinreicher Man; und was konte er sich nun nicht alles anschaffen? Er konte sich einen Pallast bauen lassen, konte Kutschen, Pferde, Bedienten, Läufer, Affen und Meerkazen halten; konte

Gotlieb. Ja, wo wolt' er das aber herkriegen auf seiner Insel? Da war ja keiner, der was zu verkaufen hatte!

Vater. Ja so, daran hatte' ich nicht gedacht! – Unserm Robinson fiel dieses den augenblick ein. Stat sich über den gefundenen Schaz zu freuen, stiess er ihn verächtlich mit dem fuss fort und sprach: »da liege du elender Klumpen, wornach die Menschen so begierig zu sein pflegen! Was nüzest du mir! O hätte ich stat deiner ein gutes Stük Eisen gefunden, woraus ich mir vielleicht eine Axt oder ein Messer hätte schmieden kennen! Wie gern gäbe ich dich für eine Handvol eiserner Nägel oder für irgend ein nüzliches Werkzeug hinUnd so liess er den ganzen kostbaren Schaz mit Verachtung liegen, und würdigte ihn nachher kaum eines Bliks im Vorbeigehen.

Lotte. Weist du was, Vater? Der machte es recht so wie der Hahn!

Vater. Wie welcher Hahn?

Lotte. I weisst du nicht mehr die Fabel, die du uns einmal erzählt hast: Es war einmal ein Hahn – ?

Vater. Nun?

Lotte. Der krazte im Miste und fand – i wie heisst es doch?

Vater. Eine Perle?

Lotte. Ach ja eine Perle war's! Da sagt' er: was nüzest du mir, du glänzendes Ding? Wenn ich, stat deiner, ein Gerstenkorn gefunden hätte, wär's mir viel lieber. Und da liess er die Perle liegen und bekümmerte sich nicht mehr darum.

Vater. Ganz recht; grade so machte es Robinson auch mit dem Goldklumpen.

jetzt rükte die Nacht heran. Die Sonne war schon längst ins Meer hinabgesunken

Gotlieb. Ins Meer?

Vater. So kömt es denen vor, die auf einer Insel wohnen, wo sie rund umher nichts, als wasser, sehen. Da scheint es ihnen recht so, als wenn die Sonne des Abends im Meer versünke, wenn sie untergeht; und deswegen pflegt man wohl zuweilen so zu sprechen, als wenn's wirklich so wäre.

An dem andern Ende des himmels stieg der liebliche Mond herauf und warf so freundliche Stralen in Robinsons Höle, dass er vor Vergnügen darüber erst gar nicht einschlafen konte.

Lotte. O sieh, sieh, lieber Vater, dort kömt unser Mond auch eben hervor!

Johannes. Ach, ja! – O wie das prächtig aussieht!

Frizchen. Warum nimt denn Vater die Müze