den Leinsamen sichten, damit kein Unkraut dazwischen komme; dan muss der Akker gedünget, und ein Paar mahl gepflügt werden. Dan wird gesäet, dan geegget. Wenn denn der junge Flachs hervorwächst, so kommen ein Haufen Frauen und Mädchen und gäten das Unkraut aus. Ist er denn gross genug geworden: so reissen sie die Stengel aus, und ziehen sie durch die Raufe, dass die Samenknöpfchen davon abfallen müssen. –
Nikolas. Ach ja, und denn binden sie die Stengel in kleine Bündel und legen sie ins wasser!
Diderich. Und wenn sie da lange genug gelegen haben, so nehmen sie sie wieder heraus –
Gotlieb. Und sezen sie an die Sonne, dass sie trokken werden –
Frizchen. Und denn brechen sie den Flachs auf der Breche –
Lotte. Nein, mit erlaubnis, lieber Herr, erst müssen sie ihn boken! Nicht wahr, Vater?
Frizchen. Ach ja; und denn brechen sie ihn und denn –
Johannes. Denn wird er gehechelt auf der Hechel, die so viel spizige Stacheln hat, dass der Werg heraus komme.
Diderich. Und denn tun sie noch was damit – ich weiss – o gleich, gleich! – sie schwingen es mit der Schwinge!
Vater. Nun nehmt einmal alles das zusammen, was erst geschehen muss, ehe wir Leinewand haben; bedenkt zugleich, wie vielerlei Arbeit alle die Werkzeuge erfodern, die der Akkersman, die Flachsbereiterin, und die Spinnerin nötig haben: und ihr werdet mir gestehen, dass es nicht zu viel gesagt sei, wenn ich versichern wolte, dass bloss zur Verfertigung der Madraze, worauf ihr so sanft schlaft, mehr, als tausend hände, beschäftiget gewesen sind!
Gotlieb. Das ist doch erstaunlich! tausend hände!
Vater. Nun bedenkt, wie viel andere Dinge ihr täglich nötig habt; und sagt mir denn einmal, ob's wohl zu verwundern sei, dass Robinson alle augenblick in Not geraten musste, da keine einzige andere Hand, ausser den Seinigen, für ihn arbeitete, und da er kein einziges von allen den Werkzeugen hatte, womit man bei uns so leicht etwas zu stand bringen kan?
jetzt war er also darüber bekümmert, wie er es doch wohl anzufangen habe, um sein liebes Feuer vor dem Erlöschen zu bewahren. Bald rieb er sich die Stirn, als wenn er einen guten Einfal aus seinem kopf mit Gewalt heraus reiben wolte; bald ging er mit untergeschlagenen Händen und mit hastigen Schritten in seinem Vorplaze auf und nieder, und wusste lange nicht, was er machen sollte. Endlich fielen seine Augen von ungefähr auf die Felsenwand des Hügels, und in dem augenblicke wusste er, was er zu tun habe!
Diderich. Wie so?
Vater. Aus der Felsenwand ragte, ungefähr eine Elle hoch über der Erde, ein sehr grosser und sehr dikker Stein hervor.
Frizchen. Wie gross war er wohl?
Vater. Eine genaue Zeichnung davon habe ich nicht erhalten können: aber ich vermute, dass er ungefähr so lang war, als ich bin. In der Breite und in der Dikke mogte er eine gute Elle halten.
ungeachtet es stark geregnet hatte, so war doch die Stelle unter diesem grossen Steine so trokken geblieben, als wenn ein ordentliches Dach darüber gewesen wäre. Robinson sah daraus den augenblick, dass sie einen völlig sichern Feuerheerd abgeben könne. Aber er sah noch mehr. Er bemerkte nämlich, dass es ihm leicht sein werde, diesen Plaz zu einer ordentlichen Köche mit Feuerheerd und Schorstein einzurichten; und er nahm sich vor, sogleich Hand ans Werk zu legen.
Mit seinem Spaten grub er die Erde unter dem grossen Steine ungefähr eine gute Elle tief aus. Dan machte er den Anschlag, die beiden Seiten dieser Stelle, bis an den dikken Stein hinauf mit einer ordentlichen Mauer einzufassen.
Gotlieb. Ja, wie kont' er denn eine Mauer machen?
Vater. Da er jetzt auf alles, was ihm vorkam, mit der grössten Aufmerksamkeit achtete und sich immer selbst fragte: wozu mögte das wohl nüzlich sein? – so hatte er auch eine gewisse Tonerde nicht unbemerkt gelassen, die er an einer Stelle seiner Insel gesehen hatte. Er hatte vielmehr gleich gedacht: ei, daraus könnte man ja wohl Baksteine machen, um eine Mauer aufzuführen?
jetzt erinnerte er sich wieder daran; und da er mit dem Ausgraben der Küche beinahe fertig war: so nahm er seinen Spaten und sein steinernes Messer und begab sich damit hin nach dem Orte, wo die Tonerde war, um sich sogleich in Arbeit zu sezen.
Weil es stark geregnet hatte: so war die Erde so weich, dass er sie ohne Mühe ausstechen, zu vierekkigten Baksteinen formen und mit seinem Messer glat schneiden konte. Er hatte in kurzer Zeit eine ziemliche Menge davon bereitet, die er einen bei dem andern an einen Ort stelte, wo sie den ganzen Tag über von der Sonne konnten beschienen werden. Mit dieser Arbeit beschloss er Morgen fortzufahren, und verfügte sich nun wieder nach haus, um den Rest seines Bratens zu verzehren, weil die muntere Arbeit starken Appetit bei ihm erregt hatte. Um an einem so freudenvollen Tage einmal recht königlich zu speisen, erlaubte er sich auch, eine von den wenigen noch übrigen Kokusnüssen mitzunehmen.
Die Mahlzeit war herlich. – Ach! seufzte Robinson mit freudigem, aber doch auch zugleich mit wehmütigem Herzen – ach! wie glücklich wäre ich jetzt, wenn ich nur einen einzigen Freund, nur