zubereiten wolte.
Da der unterste teil des brennenden Stammes, an welchem seine Strikleiter hing, noch unverlezt war: so konte er sicher hinauf steigen. Er tats, nahm darauf einen Feuerbrand, stieg mit demselben hinab in den eingezäunten Vorplaz seiner wohnung, machte daselbst ein helles lustiges Feuer vor seinem Braten an, und kletterte alsdan wieder zu dem brennenden Stamme hinauf, um das Feuer auszulöschen. Hiermit kam er auch bald zu stand.
Und nun verwaltete er das Amt eines Küchenjungens, unterhielt das Feuer und wendete seinen Braten fleissig. Der anblick des Feuers war ihm ungemein erfreulich und rührend. Er sah es als ein teures Geschenk Gottes an, das er ihm aus den Wolken herabgesandt habe; und indem er die grossen Vorteile überdachte, die es ihm gewähren würde, so waren seine Augen oft dankbar gegen Himmel gerichtet. So oft er nachher Feuer sah, oder an Feuer dachte, war sein zweiter Gedanke immer: auch das hat mir Gott gegeben!
Freund B. Kein Wunder, dass einige arme unwissende Menschen, die niemals unterrichtet wurden, auf den Gedanken gerieten, dass das Feuer, wodurch Alles, was auf Erden lebt, erhalten wird, Gott selbst sei!
Johannes. Haben das einige Leute geglaubt?
Freund B. Ja! – Gotlob! dass wir besser unterrichtet sind, und wissen, dass das Feuer nicht selbst Gott, sondern, so wie das wasser, die Erde und die Luft, Wohltaten Gottes sind, die er um unserntwillen erschaffen hat!
Vater. Bei seiner gestrigen Abendmahlzeit hatte Robinson in dem Geschmakke des mürbe geschlagenen Fleisches das Salz vermisst. Er hofte mit der Zeit auf seiner Insel etwas zu finden; für jetzt aber lief er nur hin nach dem Strande, um sich eine Kokusschale vol Meerwasser zu holen. Mit diesem begoss er einige mahl seinen Braten; und salzte ihn dadurch notdürftig.
jetzt schien er hinlänglich durchgebraten zu sein. Die Freude, mit welcher Robinson das erste Stük davon abschnit und den ersten Bissen davon in den Mund stekte, mag derjenige beschreiben, der einmal, so wie er, in vier Wochen keine Mundvol ordentlich zubereiteter Speise genossen, und alle hoffnung, dergleichen jemahls wieder zu geniessen, schon gänzlich aufgegeben hatte.
Nun war die grosse Frage: wie er verhüten sollte, dass das Feuer ihm niemals wieder ausginge?
Gotlieb. O das konte er ja leicht machen! Er brauchte ja nur immer wieder neues Holz zuzulegen.
Vater. Schon gut; aber wenn er nun schlief und es kam des Nachts einmal ein plözlicher Regenguss: wie da?
Lotte. Weisst du was, Vater? Ich hätte das Feuer in meiner Höle angemacht, wo der Regen nicht hinkommen konte.
Vater. Nicht übel! Aber seine Höle war zum Unglück so klein, dass sie ihm nur eben zur Lagerstelle diente; und dan, so hatte sie auch keinen Schorstein. Er wurde also vor Rauch darin nicht haben aushalten können.
Lotte. Ja, so weiss ich ihm nicht zu helfen.
Johannes. Das ist doch verzweifelt, dass sich immer wieder etwas finden muss, das ihm Not macht! Oft sollte einer glauben, nun wäre er doch recht glücklich! aber grossen Dank! gleich kömt ihm wieder etwas Neues in die Queer!
Vater. So unendlich schwer ist es für jeden einzelnen Menschen, für alle seine Bedürfnisse selbst zu sorgen; und so gross sind die Vorteile, die uns das gesellige Leben gewährt! O Kinder, wir wären nur arme elende Wigte von Menschen, wenn jeder von uns allein leben sollte, und keiner sich der hülfe seiner Nebenmenschen getrösten dürfte! Tausend hände reichen nicht zu, um alles das zu bereiten, was ein Einziger unter uns an jedem Tage braucht!
Johannes. O, Vater –
Vater. Meinst du nicht, lieber Johannes? Wohlan! lass doch sehen, was du heute alles genossen und was du alles gebraucht hast! Erstlich hast du bis zu Sonnenaufgang geschlafen und zwar in einem ordentlichen Bette, nicht?
Johannes. Auf Madrazen.
Vater. Recht! – Die Madrazen sind mit Pferdeharen ausgestopft. Diese haben zwei Menschenhände abgeschnitten, zwei gewogen und verkauft, zwei eingepakt und versandt, zwei empfangen und ausgepakt, zwei wieder an den Satler oder Tapezirer verkauft. Des Satlers hände haben die Hare, die verwikkelt waren, aus einander geflükt, und die Madraze damit angefült. Der Ueberzug der Madraze ist von gestreifter Leinewand, und wo ist diese hergekommen?
Johannes. Die hat der Leineweber gemacht.
Vater. Und was braucht' er dazu?
Johannes. I, einen Weberstuhl und Garn, und eine Winde, und einen Scheerramen und Kleister und –
Vater. Schon genug! Wie viel hände mussten nicht erst beschäftigst sein, ehe der Weberstuhl fertig ward! Wir wollen nur wenig sezen – zwanzig! Der Kleister wird von Mehl gemacht: wie viel muss nicht erst geschehen, ehe man Mehl haben kan! Wie viel hundert hände müssen sich angreifen, um alles das zu machen, was zu einer Müle gehört, worauf das Mehl gemalen wird! – Der Leineweber braucht aber auch vornemlich Garn, und wo nimt er das her?
Johannes. Das wird gesponnen von den Spinnerinnen.
Vater. Und woraus?
Johannes. Aus Flachs.
Vater. Und weisst du noch, durch wie viel hände der Flachs erst gehen muss, ehe er zu Faden gesponnen werden kan?
Johannes. Ach ja, das haben wir ja neulich erst berechnet! Erst muss der Landman