's denn?
Diderich. Ach, und es ist doch so schön, wenn ein Gewitter ist! Da kühlt sich die heisse Luft so darnach ab, und es sieht so schön aus, wenn der Bliz aus den schwarzen Wolken heraus fährt!
Lotte. Ich mag das auch gern haben. Wilst du uns wieder hinaus führen, Väterchen, wenn ein Gewitter kömt, dass wir es recht ansehen?
Vater. O ja! – Robinson war, wie ihr wisst, in seiner Jugend schlecht unterrichtet worden; daher wuste er auch nicht, was die Gewitter für eine grosse Wohltat Gottes sind; wie die Luft darnach so rein wird! Wie sie machen, dass auf dem feld und in den Gärten Alles noch einmal so gut wächst! Wie Menschen und Tiere, Bäume und Pflanzen dadurch so angenehm erquikt werden! –
jetzt sass er in einem Winkel seiner Höle mit gefaltenen Händen, und fühlte Todesangst. Indess rauschte der Plazregen, indess leuchteten die Blize, indess brülte der Donner unaufhörlich fort. Schon rükte die Mittagsstunde heran, und noch hatte das Toben des Gewitters nicht im geringsten nachgelassen.
Hunger fühlte er nicht; denn den vertrieb ihm die Angst, worin er war. Aber desto mehr wurde seine Sele durch schrekliche Gedanken gepeiniget. »Die Zeit ist gekommen, dachte er, da Gott mich für meine Vergehungen will büssen lassen! Er hat seine Vaterhand von mir abgezogen; ich werde umkommen, werde nie meine armen Eltern wieder sehen!«
Freund R. Nun dasmahl bin ich mit Freund Robinson doch auch gar nicht zufrieden!
Nikolas. Warum nicht?
Freund R. Warum? Hatte nicht der liebe Gott schon so viel an ihm getan, dass er wohl aus seiner eigenen Erfahrung hätte wissen können, dass er Niemanden verlässt, der ihm von Herzen vertraut und aufrichtig sich zu bessern sucht? Hatte er ihn nicht aus der augenscheinlichsten Lebensgefahr gerettet? Hatte er ihm nicht schon so weit geholfen, dass er nicht mehr besorgen durfte vor Hunger sterben zu müssen? – Und doch so kleinmütig! Fi! das war nicht hübsch von ihm!
Mutter. Ich bin Ihrer Meinung, lieber R.; aber lassen Sie uns Mitleid mit dem armen Menschen haben! Er war ja erst seit kurzen zum Nachdenken gekommen, und konte daher unmöglich schon so vollkommen sein, als Einer, der schon von früher Jugend an sich zu bessern bemüht gewesen.
Vater. Hast Recht, meine Liebe; deine Hand! und hier einen Kuss für dein Mitleid mit meinem armen Robinson, den ich nun schon seit einiger Zeit recht lieb gewonnen habe, weil ich sehe, dass er auf guten Wegen ist.
Indess er nun so in Angst und Sorgen da sass, schien das Gewitter endlich nachzulassen. So wie der Donner schwächer ward und der Regen nach und nach abnahm, wachte auch die hoffnung wieder in seiner Sele auf. jetzt glaubte er könne er sich schon auf den Weg machen; eben wolte er nach seiner Jagdtasche und nach seinem Beile greifen, als er plözlich – was meint ihr? – betäubt und sinlos zu Boden stürzte.
Johannes. Nun! was geschah ihm denn?
Vater. Rrrrrrrrr – puf! ging es über seinem kopf; die Erde bebte und Robinson stürzte hin, wie ein Todter! Das Gewitter schlug nämlich in den Baum, welcher über seiner Höle stand, und zerschmetterte ihn mit einem so entsezlichen Krachen, dass dem armen Robinson Sehen und hören verging und dass er sich einbildete, er wäre selbst erschlagen worden.
Lange blieb er liegen, ohne sich seiner selbst bewust zu sein. Endlich, da er merkte, dass er noch lebte, richtete er sich wieder auf; und das erste, was er vor der Tür seiner Höle erblikte, war ein teil des Baums, den der Wetterschlag zerschmettert und herab geworfen hatte. Ein neues Unglück für ihn! Woran sollte er nun seine Strikleiter befestigen, wenn der ganze Baum, wie er glaubte, zerschlagen war?
Da der Regen indessen gänzlich nachgelassen hatte, und auch kein Donner weiter gehört wurde: so wagte er's endlich, hinaus zu gehen. Und was erblikte er nun?
Etwas, welches ihn auf einmal wieder mit Dank und Liebe gegen Gott und mit tiefer Schaam über seine vorige Kleinmütigkeit erfülte! nämlich der Stam des Baums, den der Wetterschlag getroffen hatte, stand in lichten Flammen. So war also seinem grössten Bedürfnisse auf einmal abgeholfen, und so hatte die götliche Vorsehung grade zu der Zeit am sichtbarsten für ihn gesorgt, da er in seiner Aengstlichkeit sich einbildete, dass sie ihn verlassen habe!
Mit unaussprechlichen Empfindungen der Freude und der Dankbarkeit hob er seine hände auf gegen Himmel und dankte laut und unter vielen Freudentränen dem guten, dem alles regierenden Vater der Menschen, der auch bei den schreklichsten begebenheiten, die er zulässt, immer die allerweisesten und liebreichsten Absichten hat. »O! rief er aus, was ist doch der Mensch, der arme kurzsichtige Wurm, dass er murren durfte über das, was Gott tut, und was er nicht versteht!«
Nun hatte er Feuer, ohne dass es ihm weiter die geringste Mühe gekostet hätte; nun war es ihm leicht dieses Feuer zu unterhalten; und nun brauchte er wegen seiner künftigen Erhaltung auf dieser einsamen Insel weniger bekümmert zu sein. – Die Jagd wurde für heute eingestellt, weil Robinson sogleich von dem Feuer Nuzen ziehen, und seinen Braten, der noch von gestern her am Spiesse stekte,