auch wohl in das eine Holz ein Loch, stekken das Andere da hinein, und drehen dieses dan zwischen ihren Händen so geschwind und so unaufhörlich herum, dass es anfängt zu brennen.
Davon wuste nun Robinson nichts; und also wolt's auch damit nicht gelingen.
Traurig warf er endlich die beiden Hölzer weg; sezte sich auf sein Lager; stüzte schwermütig den Kopf auf die Hand; blikte oft mit einem tiefen Seufzer nach dem schönen Braten, der nun ungegessen bleiben sollte; und indem er an den bevorstehenden Winter dachte, und was er alsdan machen würde, wenn er kein Feuer hätte, überfiel ihn eine solche Angst dass er aufspringen und etwas herumgehen muste, um freier Atem zu holen.
Da sein Blut dabei in grosse Wallung gekommen war, so ging er nach der Quelle um sich einen frischen Trunk wasser in einer Kokusschale zu holen. Mit diesem wasser vermischte er den Saft einiger Zitronen, und erhielt dadurch ein kühlendes Getränk, welches ihm unter diesen Umständen sehr zu statten kam.
Immer aber wässerte ihm noch der Mund nach dem Braten, von dem er gar zu gern ein Stükchen gegessen hätte. Endlich erinnerte er sich einmal gehört zu haben, dass die Tatern, die doch auch Menschen sind, das Fleisch, welches sie essen wollen, unter den Sattel legen und es mürbe reiten. Das, dachte er, muss auf eine andere Weise ja auch wohl möglich sein; und er beschloss einen Versuch zu machen.
Gedacht, getan! Er holte sich zwei ziemlich breite und glatte Steine von der Art, wovon sein Beil war. Zwischen diese legte er eine Porzion Fleisch, worin kein Knochen war und fing nun an mit seinem Klöpfel ohne Unterlass auf den obersten Stein zu schlagen. Er hatte dieses kaum zehn Minuten fortgesezt: so fing der Stein an, heiss zu werden. Desto muntrer schlug er darauf los, und ehe eine halbe Stunde verstrich, war das Fleisch, sowohl von der Hize des Steins, als auch von dem unaufhörlichen Schlagen so mürbe geworden, dass es vollkommen geniessbar war.
Freilich schmekte es nicht völlig so gut, als wenn es ordentlich wäre gebraten worden: aber für Robinson, der so lange kein Fleisch gegessen hatte, war es ein ausserordentlicher Lekkerbissen. – O ihr Lekkermäuler unter meinen Landsleuten, rief er aus, denen oft die besten speisen Ekel verursachen, weil sie grade nicht nach eurem verwöhnten Geschmakke sind, wäret ihr doch nur acht Tage an meiner Stelle gewesen, wie würdet ihr künftig gern mit jeder Gottesgabe zufrieden sein! Wie würdet ihr euch hüten, durch Verschmähung irgend einer gesunden Speise euch gegen die alles ernährende Hand der Vorsehung undankbar zu bezeigen!
Um den Wohlgeschmak dieses Gerichts noch mehr zu erhöhen, drückte er Zitronensaft darauf; und nun tat er eine Mahlzeit, wie er lange nicht getan hatte! Auch vergass er nicht, dem Geber aller guten Gaben für diese neue Wohltat recht inniglich zu danken.
Nach aufgehobener Tafel ging er mit sich selbst zu Rate, welche Arbeit nun wohl die nötigste sei? Die Furcht vor dem Winter, die heute so lebhaft in ihm geworden war, machte, dass er sich vorsezte, einige Tage bloss dazu anzuwenden recht viele Lama's zu fangen oder tot zu schlagen, um sich mit Fellen zu versorgen. Da sie so sehr zahm zu sein schienen, so hofte er, dass er seinen Wunsch ohne viele Mühe werde erreichen können.
Mit dieser hoffnung legte er sich zu Bette, und ein sanfter erquikkender Schlaf belohnte ihm reichlich jede überstandene Mühe des vollbrachten Tages.
Sechster Abend.
(Der Vater fährt in seiner Erzälung fort.)
Unser Robinson schlief dasmahl bis weit in den Tag hinein. Er erschrak, da er erwachte, dass es schon so spät wäre, und rafte sich hurtig auf, seinen Weg nach den Lama's anzutreten. Aber der Himmel hinderte ihn daran.
Denn da er den Kopf zu seiner Höle hinausstekte, muste er ihn geschwind wieder zurückziehen.
Lotte. Warum denn?
Vater. Es stürzte ein so gewaltiger Plazregen herab, dass an kein Ausgehen zu denken war. Er beschloss also zu warten, bis der Schauer vorüber wäre.
Aber der Schauer ging nicht vorüber; der Regenguss wurde vielmehr immer heftiger. Unter durch blizte es so stark, dass seine sonst dunkle Höle ganz in Feuer zu stehen schien; und dan folgte ein Donner, dergleichen er sonst niemals gehört hatte. Die Erde zitterte von dem ganz entsezlichen Krachen, und von den Bergen kehrte ein so vielfacher Wiederhal zurück, dass das fürchterliche Getöse gar kein Ende nahm.
Weil Robinson keine gute Erziehung gehabt hatte: so war ihm auch eine törigte Furchtsamkeit vor dem Gewitter eigen.
Gotlieb. Vor dem Donner und Bliz?
Vater. Ja; er fürchtete sich so sehr davor, dass er vor Angst nicht zu bleiben wuste.
Gotlieb. I, das ist ja was Prächtiges, warum fürchtete er sich denn davor?
Vater. Warum, das weis ich selbst nicht recht zu sagen; vermutlich, weil der Bliz zuweilen zündet, auch wohl dan und wan einmal einen Menschen tödtet.
Johannes. Ja, aber das geschieht doch so selten! Ich kan doch nun schon lange denken, und habe noch niemals gesehen, dass der Bliz einen tot geschlagen hätte.
Gotlieb. Und wenn er's auch täte, so kömt man ja so geschwind von der Welt und wenn man tot ist, so kömt man ja zum lieben Gott: was tut