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unter denen schon verschiedene abgefallene reife Früchte lagen. Er las sie sorgfältig auf, merkte sich den Plaz, auf dem diese Bäume standen, und eilte nun sehr vergnügt zurück nach seiner wohnung.

Hier war seine erste Arbeit, dem jungen Lama das Fel abzuziehen. Durch hülfe eines scharfen Steins, den er stat eines Messers brauchte, kam er damit zu stand. Das Fel spante er, so gut er konte, an der Sonne aus, um es zu troknen, weil er voraus sah, dass er davon einen guten Gebrauch würde machen können.

Johannes. Was konte er denn davon machen?

Vater. O vielerlei! Erstlich fingen seine Schuh und seine Strümpfe schon an zu reissen. Da dachte er nun, wenn er keine Schuhe mehr hätte, so könnte er sich von dem Felle Fusssolen machen, und sie unter die Füsse binden, dass er doch nicht ganz baarfuss zu gehen brauchte. Dan war ihm auch nicht wenig bange vor dem Winter und er freute sich daher sehr, dass er nun ein Mittel wüste sich mit Pelzwerk zu versorgen, um nicht erfrieren zu dürfen.

Zwar dieser sorge hätte er füglich können überhoben sein, weil es in dieser Gegend niemals Winter wurde.

Gotlieb. niemals Winter?

Vater. Nein! In allen den heissen Himmelsgegenden hier zwischen den beiden Wendezirkeln, die ich euch neulich erklärt habe, pflegt es niemals Winter zu werden. dafür aber haben diese Länder ein Paar Monate lang ein unaufhörliches Regenwetter. – Doch davon wuste unser Robinson noch nichts, weil er in seiner Jugend sich nicht ordentlich hatte unterrichten lassen.

Johannes. Aber, Vater, ich meine doch, dass wir einmal gelesen haben, dass der hohe Spizberg auf Teneriffa und die hohen Cordilleras in Peru immer mit Schnee bedekt sind? Da muss es ja also wohl immer Winter sein; und die liegen doch auch zwischen den Wendezirkeln?

Vater. Hast Recht, lieber Johannes; die sehr hohen bergigten Gegenden machen eine Ausnahme. Denn auf den Gipfeln solcher hohen Berge pflegt ein immerwährender Schnee zu liegen. Erinnerst du dich noch, was ich euch von einigen Gegenden in Ostindien erzählte, da wir neulich auf der Landkarte dahin gereiset waren?

Johannes. Ach ja, dass da in einigen Gegenden der Sommer und der Winter nur ein Paar Meilen weit aus einander sind! Auf der Insel Zeilon, die den Holländern gehört und noch wowo war's doch gleich?

Vater. Auf der vordersten Halbinsel. Wenn's nämlich disseits des Gebirges Gate, auf der Malabarischen Küste Winter ist, so ist es jenseits des Gebirges auf der Küste Koromandel Sommer, und so umgekehrt. Eben so sol es ja auch auf der Insel Zeram sein, die zu den Molukkischen Inseln gehört, wo man nur drei Meilen zu gehen braucht, um aus dem Winter in den Sommer, oder aus dem Sommer in den Winter zu kommen.

Aber wir haben uns auf einmal wieder weit von unserm Robinson verstiegen! Seht, wie unser Geist durch einen einzigen Sprung sich plözlich an Oerter begeben kan, die viel tausend Meilen von uns entfernt sind! Aus Amerika flogen wir nach Asien und nungebt Acht! – husch! da sind wir wieder in Amerika auf Freund Robinsons Insel. Ist das nicht wunderbar? –

Nachdem er also das Fel abgestreift, das Eingeweide ausgenommen, und ein Hinterviertel zum Braten abgeschnitten hatte; war er nun zunächst darauf bedacht, einen Bratspiess zu machen. Hierzu hieb er einen jungen schlanken Baum ab, löste die Rinde davon ab, und spizte ihn an dem einen Ende zu. Dan suchte er ein Paar gabelförmige Aeste aus, welche dem Bratspiess zu Stüzen dienen sollten. Nachdem er diese gleichfalls unten zugespizt hatte, schlug er sie gegen einander über in die Erde, stekte dem Braten an den Spiess, legte ihn dan in die Gabeln und freute sich nicht wenig, da er sah, wie gut er sich umdrehen liess.

Nun fehlte nur noch das Nötigste von Allen, das Feuer. Um dieses durch Reiben hervorzubringen, hieb er von einem troknen Stamme zwei Hölzer ab, und sezte sich sogleich in Arbeit. Er rieb, dass ihm der Schweiss in grossen Tropfen vom gesicht treufelte; allein, es wolte ihm nicht gelingen, seine Absicht zu erreichen. Denn wenn das Holz schon so heiss geworden war, dass es rauchte; so befand er sich so ermattet, dass er notwendig erst einige augenblicke einhalten muste, um wieder neue Kräfte zu samlen. Darüber kühlte denn das Holz sich immer wieder etwas ab, und seine vorige Arbeit war vergeblich gewesen.

Hier fühlte er einmal wieder recht lebhaft die Hülflosigkeit des einsamen Lebens und die grossen Vorteile, die uns die Geselschaft anderer Menschen gewährt. Hätte er nur einen einzigen Gehülfen gehabt, der dan, wenn er selbst ermattet war, fortgefahren hätte zu reiben: so würde er gewiss mit der Entzündung des Holzes zu stand gekommen sein. So aber war es ihm unmöglich.

Johannes. Aber ich meine doch, die Wilden machten sich Feuer durch das Reiben?

Vater. Das tun sie auch. Aber das macht, dass diese Wilden gemeiniglich stärker sind, als wir Europäer, die wir gar zu weichlich erzogen werden. Und dan, so verstehen sie auch besser, wie man das Ding angreifen müsse. Sie nehmen nämlich zwei Hölzer von verschiedener Art, ein weiches und ein hartes, und reiben das Leztere mit grosser Geschwindigkeit auf dem Erstern. Dan entzündet sich dieses. Oder sie machen